Bilanzsanierung
EU-Aufsicht ermahnt Banken nicht zu früh nachzulassen

Das Kapitalpolster haben die europäischen Großbanken gestärkt, doch die EU-Bankenaufsicht warnt: Bei sieben Instituten fehlten noch knapp zehn Milliarden Euro. Die Finanzspritzen sollen aus den Staatskassen fließen.
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LondonDie europäischen Großbanken sind auch nach der von den Aufsehern verordneten massiven Sanierung ihrer Bilanzen noch nicht aus dem Gröbsten heraus. 27 Institute hätten ihre Kapitalbasis seit Ende des vergangenen Jahres um insgesamt 94,4 Milliarden Euro aufgebessert, bilanzierte die EU-Bankenaufsicht EBA am Mittwoch. Sieben Institute brauchten aber Finanzspritzen des Staates von zusammen 9,5 Milliarden Euro, um das geforderte Kapitalpolster von neun Prozent der risikogewichteten Bilanzsumme zu erreichen. Einige davon sind auch noch nicht geflossen.

"Da muss noch eine Menge getan werden", resümierte EBA-Chef Andrea Enria im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Das ist noch nicht die Wunderwaffe, um die schwierige Situation der europäischen Banken zu lösen." Die Banken dürften bei der Reparatur ihrer Bilanzen nicht nachlassen.

Die verschärften Anforderungen sollen so lange gelten, bis alle Banken weltweit vom kommenden Jahr an ohnehin schärfere Kapitalregeln zu erfüllen haben. Die EU hatte mit der Aktion, an der ursprünglich 31 Banken beteiligt waren, das Vertrauen und die Stabilität in die Branche wiederherstellen wollen. Doch dazu brauche es mehr, räumte Enria ein.

"Einige dieser Schritte sind nicht in unserer Hand." Die EU-Mitgliedstaaten hatten sich Ende Juni auf Grundzüge einer "Bankenunion" verständigt, die eine Beaufsichtigung der Großbanken durch die Europäische Zentralbank und eine gemeinsame Einlagensicherung vorsieht. Die Staatsschuldenkrise hat tiefe Löcher in die Bankbilanzen gerissen und das Vertrauen der Häuser untereinander erneut zerstört.

Die EBA hatte zunächst eine Kapital-Lücke von 113 Milliarden Euro ermittelt. Diese schrumpfte aber auf 76 Milliarden zusammen, weil mehrere Banken aus der Wertung genommen wurden, die ohnehin in einem massiven Umbau steckten oder abgewickelt werden. Neben den mit 30 Milliarden gestützten griechischen Banken gehörten dazu die WestLB und die österreichische ÖVAG - und zuletzt auch die von der Immobilienkrise massiv gebeutelte Sparkassen-Holding Bankia, für die Spanien bei der EU Finanzhilfen über 19 Milliarden Euro beantragt. Die EBA hatte Ende 2011 für Bankia nur eine 1,3 Milliarden Euro große Lücke ermittelt.

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  • an anderer stelle habe ich gerade gelesen, dass die beteiligung der gläubiger von eigenkapitalinstrumenten oder nachranganleihen nun auch in die pflicht genommen werden sollen. die beteiligung der gläubiger von eigenkapitalinstrumenten oder nachranganleihen an der rettung oder vielleicht sogar sanierung der banken ist ein richtiger schritt. ob der schritt allerdings zu ende gedacht wurde, ist eine andere frage. der ausfall der eigenkapitalinstrumente oder nachranganleihen wird oder kann zu credit events bei kreditausfallversicherungen führen. wir werden als in der folge eine weitere verschärfung der bankenkrise sehen, da die credit events wiederum weitere banken in den strudel ziehen werden.
    die bankenaufsicht und die politik hat beginnend in 2007 leider keine konsequenzen gezogen. kreditausfallversicherungen mögen betriebswirtschaftlich in grenzen sinnvoll sein. volkswirtschaftlich sind diese produkte nicht handhabbar, da die verkettungswirkung stets zu unkalkulierbaren schäden führt. es gibt nur eine lösung: verbot von kreditausfallversicherungen und das kurzfristig. für die bestehenden geschäfte muss zudem eine abwicklungslösung gefunden werden. in diesem zuge sollten dann auch weitere derivate verboten werden, zurück zum plain.-vanilla-angbot der 80er, mehr braucht es nicht.
    nur mit radikalen ansätzen ist das problem zu lösen, weg mit dem derivateschrott.

  • wir schreiben das jahr 2012, die bankenkrise, die 2007 begann, findet kein ende, sondern strebt neuen höhen entgegen. endlich scheint die aufsicht einzusehen, dass die selbstregulierung durch die banken mittels interner modelle ein irrweg ist.
    ein gutes beispiel für die irrwitzige bewertung mittels interner modelle sind aktuell die schiffsportfolien der banken. bei der bewertung anhand interner modelle werden historische daten eingesetzt. aus diesen werden modelle konstruiert, die durch bewusste umgehungstatbestände die tatsächlichen risiken nur zu einem bruchteil berücksichtigen und mit völlig unzureichenden ausfallannahmen agieren. wenn man diese tatsache berücksichtigt, gerät der rückzug eines großen marktteilnehmers in ein neues licht. und bei den übrigen schiffsbanken sieht es ähnlich auch. die tatsächlich erforderliche eigenkapitalunterlegung dürfte ein vielfaches der derzeit schön gerechneten werte betragen und mit den hausmitteln der banken nicht zu bewerkstelligen sein. wir sollten also nicht nur nach spanien oder italien sehen, sondern auch vor die eigene haustür. vielleicht liegt dort sogar das größere übel begraben.
    interne modelle sollten folglich streng reguliert werden, der inzwischen vorgebrachte vorschlag einer zusätzlichen berechnung des standardansatzes ist folglich ein erster schritt, hin zum verbot interner modelle.

  • Mit Banken konnte man seit Mai 07 nur reich werden,wenn man short war.Mit Ausnahme der 09-er Erholung verfestigte sich der Abwärtstrend.Aus diesem auszubrechen dürfte nur sehr schwer gelingen.

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