Bilanzskandel in Japan: Wundersame Gewinn-Umwandlung

Bilanzskandel in Japan
Wundersame Gewinn-Umwandlung

Das drittgrößte Wertpapierhaus Japans, Nikko Cordial, steckt tief in einem Bilanzskandal. Dank hoher Scheingewinne kassierten die Verantwortlichen Erfolgsbeteiligungen in Millionenhöhe. Jetzt ist der Aktienkurs eingebrochen. Die US-Großbank Citigroup nutzt die Gelegenheit.

TOKIO. Als die Ermittler auf dem Rechner von Hirofumi Hirano nach Beweismaterial suchten, fanden sie keine einzige E-Mail des Topmanagers aus der Zeit von August bis Oktober 2004. Der ehemalige Chef einer Tochter des drittgrößten japanischen Investmenthauses Nikko Cordial behauptete, das liege am Austausch eines Netzwerkrechners.

Hirano hatte jedoch nicht mit der Findigkeit der Ermittler gerechnet, die im Auftrag einer Untersuchungskommission unterwegs waren. Experten suchten auf dem Server nach elektronischen Nachrichten seiner Mitarbeiter aus der fraglichen Zeit – und diese waren fast alle noch da. Auch wenn einige harten Belege fehlen – aus Sicht der Kommission war das Verschwinden der Chef-Mails ein weiterer Beleg für die Manipulationen, mit denen Nikko seine Bilanz geschönt hatte.

Das japanische Traditionshaus steckt ziemlich in der Klemme: Die Bilanz für das Geschäftsjahr 2004/05 musste das Management von Nikko Cordial korrigieren, weil in ihr Gewinne durch Betrügereien hochgetrieben worden waren. Die beteiligten Topmanager mussten ihren Hut nehmen. Auch Ex-Präsident Junichi Arimura trat ab. Die Börsennotierung ist gefährdet. Mitte März entscheidet die Börse Tokio darüber, ob sie Nikko aus dem Handel nimmt. Der Minister für Finanzdienstleistungen hat bereits von der Möglichkeit gesprochen, ein Strafverfahren wegen Betrugs gegen Nikko Cordial einzuleiten.

Die schlechten Nachrichten haben das Vertrauen der Kunden untergraben. Der Aktienkurs fiel von Dezember bis vergangenen Freitag um 20 Prozent. Gestern schoss die Aktie jedoch wieder 13 Prozent rauf. Denn am Wochenende galt als abgemacht, was schon zuvor als Möglichkeit in der Luft hing: Dass die US-Großbank Citigroup ihren bestehenden 4,9-Prozent-Anteil an Nikko zumindest auf ein Drittel aufstockt. So könnte die US-Bankengruppe, ein langjähriger Partner der Japaner, letztlich von der Krise Nikkos profitieren.

„Während Nikkos Ruf immer schlechter wird, könnte die Citigroup auch Nikkos Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen Nikko Citigroup aufkaufen, um das Investmentbanking in Japan alleine weiterzubetreiben“, sagt Shinsuke Amiya von der Investmentgesellschaft NIS Group. Auch die zweitgrößte japanische Bank Mizuho zeigt sich interessiert an einem Einstieg bei Nikko Cordial.

Während ein möglicher Käufer als Gewinner aus Nikkos Krise hervorgehen könnte, steht Nikkos Abschlussprüfer, eine Partnergesellschaft von Pricewaterhouse Coopers, dagegen vor dem Aus. Anfang der Woche kündigte die Misuzu Audit Corp. ihre Selbstauflösung an. Jetzt schon laufen ihr die 2500 Mitarbeiter und gut 500 Kunden in Scharen davon. Misuzu hatte die Bilanz des Fiskaljahrs 2004/2005 von Nikko Cordial abgesegnet. Damals hieß das Unternehmen noch Chuo Aoyama Pricewaterhouse Coopers. Die Wirtschaftsprüfer hatten sich umbenannt, nachdem sie bereits eine falsche Bilanz des Kosmetikkonzerns Kanebo durchgewinkt hatten. Mit dem zweiten Skandal sieht das Management nun keine Chance mehr.

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