Bilanzsumme von 2,4 Billionen Euro
Banken in Osteuropa erholen sich

Eine Studie der Raiffeisen Bank International zeigt: Die bessere Konjunktur beflügelt den Finanzmarkt in Osteuropa – vor allem in Tschechien und Slowakei. Ein Land bleibt jedoch das Sorgenkind.
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WienNach schwierigen Jahren erholen sich die Finanzmärkte in Osteuropa. Mit der Eigenkapitalrentabilität ging es nach einer am Mittwoch in Wien vorgestellten Studie der österreichischen Raiffeisen Bank International (RBI) wieder bergauf. „Wir erwarten, dass das Wachstum bei neuen Krediten und Aktiva viel nachhaltiger sein wird. Die Bankenmärkte in Zentral- und Osteuropa bieten aufgrund ihrer Größe und Diversität weiterhin Chancen auf ordentliche Erträge“, sagte Raiffeisen-CEO Johann Strobl am Mittwoch in Wien.

Sowohl bei der Vergabe von Nettokrediten als auch bei der Verbesserung der Vermögensqualität gab es in osteuropäischen Schlüsselmärkten wie Russland, Rumänien und Ungarn eine solide Entwicklung. „Der Trend von einer sinkenden Eigenkapitalquote hat sich umgekehrt“, sagte Gunter Deuber, RBI-Chefanalyst für Osteuropa. Das Verhältnis von Krediten zu Einlagen ging in allen Märkten Zentral- und Osteuropas im vergangenen Jahr weiter zurück.

Die Bilanzsumme der Bankenmärkte in Zentral- und Osteuropa stiegen laut der Studie auf 2,4 Billionen Euro. Vor allem in Tschechien und Slowakei wuchsen die Geschäfte im Filialgeschäft. Gründe dafür sind das hohe Wirtschaftswachstum, die niedrige Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Konsumfreude. „Die Menschen sind optimistisch angesichts steigender Reallohneinkommen“, sagte Deuber. Zugleich warnte er in Wien vor dem Risiko einer Überhitzung. Viele Sparer haben sich angesichts niedriger Zinsen mit Immobilienkrediten hoch verschuldet. Davon profitieren die dortigen Banken wie RBI und die österreichische Erste Group. „Die dortige Bankenwelt ist hoch profitabel“, resümierte Deuber.

In Russland zeichnet sich eine rasche Stabilisierung nach schwierigen Jahren ab. Mittlerweile ist die Bilanzsumme von derzeit rund 1,2 Billionen Euro nur noch um 1,7 Prozent unter ihrem Spitzenwert vor drei Jahren. Die Rolle der ausländischen Banken ging aber zurück. „Insgesamt haben sich die europäischen Banken angepasst und ihre Ergebnisse auf dem russischen Markt zeigen bereits Verbesserungen. Allerdings wurde der ,Preis‘ für diese Entwicklung mit einer Verringerung des Marktanteils bezahlt“, sagte die russische Raiffeisen-Expertin Elena Romanova. Im vergangenen Jahr belief der Anteil der zu 100 Prozent ausländischen Banken in Russland bei nur noch 6,1 Prozent. Zum Vergleich: 2012 belief sich dieser Anteil noch auf 8,5 Prozent.

Sorgenkind im osteuropäischen Finanzmarkt bleibt die politisch und wirtschaftlich labile Ukraine. Dort machten laut Raiffeisen im vergangenen Jahr 31 Banken Verluste. „Wir sehen einen gewissen Konsolidierungsdruck“, sagte Deuber vorsichtig angesichts der vielen roten Bilanzen. Der Markt bleibe aber langfristig spannend. Der Osteuropa-Spezialist erwartet daher, dass ausländische Banken dort verstärkt mitmischen wollen. Erst Ende des vergangenen Jahres musste der frühere private Marktführer, die Privatbank, vom Staat vor der Pleite gerettet werden. Durch die Verstaatlichung spielen in der Ukraine die privaten Banken nicht mehr die dominierende Rolle.

Wie politisch schwierig die Märkte in Osteuropa sein können, davon kann die Krisen geschüttelte RBI ein Lied singen. Ihr Sorgenkind ist die polnische Tochterbank Raiffeisen Bank Polska, die vor sechs Jahren die Polbank wegen des starken Kundengeschäfts übernommen hatte. Die polnische Bankenaufsicht KNF verlangt von der österreichischen Mutter, bis Ende Juni den polnischen Ableger 15 Prozent der Anteile an die Börse zu bringen. Zuvor gab es Medienberichte, dass Raiffeisen einen Börsengang angesichts des schlechten Marktes verschieben wollte. Die Verluste und die vielen unprofitablen Fremdwährungskredite in Schweizer Franken machen einen Börsengang für die polnische Raiffeisentochter ausgesprochen schwierig. Ein RBI-Sprecher in Wien wollte sich dazu auf Anfrage am Mittwoch nicht äußern. Er verwies auf die „laufenden Diskussionen“ mit dem polnischen Finanzaufsicht KNF.

Eigentlich sollte die frühere Polbank schon längst veräußert worden sein. Doch ein Verkauf unter dem damaligen Raiffeisen-CEO Karl Sevelda an die polnische Alior Bank scheiterte werden unterschiedlicher Preisvorstellungen im Winter vergangenen Jahres. Nun muss Seveldas Nachfolger an der Spitze von Raiffeisen Johann Strobl das verschleppte Problem in Polen schleunigst lösen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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