Bilanzzahlen 2015
Die Wette von BNP Paribas geht auf

Während Wettbewerber sich aus dem Investmentbanking zurückziehen, bleiben die Franzosen und verdienen Geld. Die größte Bank Frankreichs ist auch mit dem Geschäft in Deutschland zufrieden.

ParisFrankreichs größte Bank hat ihre Einnahmen im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf 42,9 Milliarden Euro gesteigert, was vor allem auf die guten Ergebnisse des Investmentbankings (plus 13,2 Prozent) und der Internationalen Finanzdienstleistungen zurückgeht. Das klassische Retailgeschäft nahm kaum zu.

Während viele andere Geldhäuser sich aus dem Investmentbanking zurückgezogen haben, weil es als riskant gilt und hier die Auflagen der Regulierer besonders hoch sind, fährt BNP die entgegengesetzte Strategie: Sie baut aus. „Die Angelsachsen und wir haben regelmäßig Marktanteile gewonnen“, sagte am Freitagmorgen der zuständige Vorstand Alain Papiasse. Bei Global Markets (Anleihen, Wertpapierleihe, Beratung, Brokerage) sei der Marktanteil von rund 5 Prozent 2013 über 5,6 Prozent 2014 auf 6,2 Prozent im vergangenen Jahr geklettert.

Mit dem Investmentbanking macht BNP inzwischen einen fast genauso großen Gewinn wie mit dem Retailbanking in allen Ländern, in denen die Gruppe vertreten ist. Die Rendite des eingesetzten Kapitals erreicht 18,6 Prozent. In Zukunft soll sie noch höher werden: Bis 2020 soll sie um acht Prozentpunkte steigen. Die eingesetzten Aktiva will BNP um netto zehn Milliarden Euro verringern, die Kosten um eine Milliarde Euro senken und die Einnahmen um über zwei Milliarden Euro steigern. „Mittelfristig wollen wir zwei Drittel im Retailbanking und mit Internationalen Finanzdienstleistungen verdienen und ein Drittel mit dem Investmentbanking“, sagte BNP-Chef Jean-Laurent Bonnafé.

Ansehnliche außerordentliche Kosten sind BNP im Investmentbanking 2015 entstanden, weil große Teile des Öl- und Rohstoffgeschäftes abgewickelt wurden. In diesem Segment hatte die Bank die Aktivitäten in mit US-Embargo belegten Ländern wie dem Iran geführt, die eine hohe Milliardenbuße in den USA auslösten. Beim Thema Iran und den sich dort bietenden Möglichkeiten ist Bonnafé denn auch sehr vorsichtig: „Das wird sich Schritt für Schritt entwickeln, je nachdem, wann die US-Sanktionen im Finanzbereich aufgehoben werden.“ In der vergangenen Woche hatte Irans Präsident Ruhani in Paris zahlreiche Aufträge abgeschlossen, darunter den Kauf von 118 Flugzeugen von Airbus. Doch noch fehlt die Finanzierung.

Zufrieden ist BNP mit der Entwicklung des Geschäftes in Deutschland. Hier hat BNP mittlerweile schon 1,6 Millionen Kunden. Die Einnahmen in Deutschland, Österreich, Belgien, Luxemburg und Italien tragen mittlerweile neuen Prozent zu den gesamten Einnahmen des Geschäftes mit Privatkunden bei. Die Ansprüche der Kundschaft in Deutschland unterscheiden sich sehr von der französischen: Der Anteil des Online-Bankings ist hier sechs Mal so hoch wie in Frankreich, sagte Vorstand Thierry Laborde: „In Frankreich ziehen 60 Prozent den Besuch einer Filiale vor, nur zehn Prozent setzen auf den digitalen Kontakt zu ihrer Bank.“ Trotzdem hat BNP im Laufe der vergangenen drei Jahre knapp 200 von insgesamt 2000 Filialen in Frankreich geschlossen, in Belgien sogar 150 von 750, und will weiter „optimieren“.  Den Wettbewerb durch Fintechs, agile Startups, die bereits einen ansehnlichen Teil des Finanzgeschäftes auf sich ziehen, nehme man sehr ernst: „Wir werden die Herausforderung aufgreifen“, sagte Bonnafé. 

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%