BNP-Chef Baudouin Prot
„Es gibt keine Panik, nur strukturelle Änderungen“

Weil die Bank BNP Paribas nach langwieriger Abstimmung eines Interviews endgültig die Antworten zurückzog, veröffentlichte das Handelsblatt nur die Fragen. Jetzt liefert BNP Antworten nach - und versucht zu beruhigen.
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FrankfurtDer Vorstandschef französischen Großbank BNP Paribas hält die Kursverluste der Bankwerte für übertrieben. Die Lage sei nicht mit der im Jahr 2008 zu vergleichen, als die Investmentbank Lehman Brothers pleite ging, sagte Baudouin Prot auf Fragen des Handelsblatts. Heute sei bekannt, welche Bank welche Risiken in der Bilanz habe. Doch sei noch für einige Zeit mit Unruhe an den Märkten zu rechnen. "Es ist sicherlich keine Frage von Tagen, sondern eher von Wochen, bis die Ängste der Investoren abklingen", sagte Prot. "Wenn wir die Ängste loswerden wollen, muss Europa zeigen, dass es besser in der Lage ist, mit einer Stimme zu sprechen und entsprechend zu handeln."

Das Handelsblatt hatte das Interview vor einem Monat geführt. Als BNP die Antworten Ende vergangener Woche endgültig nicht freigeben wollte, hatte sich die Zeitung in dieser Woche entschlossen, das Interview ohne Antworten zu veröffentlichen. Daraufhin reagierte BNP und stellte die Antworten gestern nachträglich auf seine Homepage. Vier Fragen wurden dabei jedoch herausgenommen, die nachträglich in den vier Wochen zur Aktualisierung nachgereichten Fragen größtenteils nicht beachtet.

Prot betonte, BNP Paribas habe mit rund 135 Milliarden Euro einen hohen Liquiditätspuffer. Im Juni habe die Bank zudem ihre Mittel- und Langfristfinanzierung für das laufende Jahr abgeschlossen. In diesem Jahr habe die Bank bisher insgesamt 41 Milliarden Euro am Markt aufgenommen mit einer durchschnittlichen Laufzeit von sechs Jahren. Die Kernkapitalquote liege bei 9,6 Prozent. Die Bank plane, dass die harte Kernkapitalquote Ende 2012 über neun Prozent liege – „ohne eine Kapitalerhöhung“.

Der Bankchef versuchte zu beruhigen. Am Interbankenmarkt herrsche keine Panik. Die europäischen Großbanken könnten sich und ihr Geschäft gegenseitig einschätzen. "Es herrscht ein gegenseitiges Klima des Vertrauens." Die strengeren Liquiditätsvorschriften unter Basel 3 seien bereits vorweggenommen worden. "Es gibt keine Panik, nur strukturelle Änderungen, die die Banken bereits implementiert haben."

Prot sprach sich für Anleihekäufe der EZB aus. "Wenn gewisse Staaten für eine Übergangszeit Hilfe brauchen durch den Kauf von Anleihen, dann ist das meiner Ansicht nach okay. Aber die einzelnen Länder müssen sich anstrengen, ihr Haushaltsbudget in Ordnung zu bekommen."

Baudouin Prot geht trotz der Verwerfungen an den Finanzmärkten in Europa nicht von einer Rezession in der Eurozone aus. Er erwartet ein weiter positives Wirtschaftswachstum, wenn auch mit niedrigen Wachstumsraten, als das wahrscheinlichste Szenario. Angesprochen auf die Gefahr, dass Frankreich seine Bonitätsbestnote AAA verlieren könnte, sagte der Bankchef, dass die französische Regierung etwa mit der Rentenreform die richtigen Maßnahmen ergriffen habe, um das Rating nicht zu gefährden. "Frankreich ist eines der wenigen europäischen Länder, das von einem gesunden Bevölkerungswachstum profitiert, wo die Bevölkerung also nicht schrumpft, anders als etwa in Deutschland. Diese demografische Veränderung wird sich in den kommenden Jahren im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum auszahlen und zu steigenden Steuereinnahmen beitragen."

Die kompletten Antworten von Baudouin Prot in englischer Sprache kann man hier nachlesen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland

Kommentare zu " BNP-Chef Baudouin Prot: „Es gibt keine Panik, nur strukturelle Änderungen“"

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  • Guten Tag,... Liebes Handelsblatt;.... Jetzt weisst du weshalb Ich die Franzosen so hasse, ( Ich besitze auch einen Franzoesischen Pass ) Liebes Handelblatt vergeude deine Zeit nicht mit dem Pack. Luegen, betruegen, ergaunern, mobben, stehlen und vor allem nichts arbeiten. Gott strafe Frankreich. Besten Dank

  • Also ich wuerde sagen, die BNP Paribas ist mittlerweile sehr unglaubwuerdig. Da wurde auch behauptet, dass es keine Probleme gibt sich am Markt mit Geld zu versorgen. Stunden spaeter meldet die EZB, dass sie den Banken genau aus diesem Grunde Geld zur Verfuegung stellen wird. Da wird gemeldet, dass sich die BNP im arabischen Raum herumtreibt, um Geldgeber zu finden. Die BNP meldet dies als touristische Aktion. Dann wird ein Interview zurueckgezogen.

    Nun ja, seither halte ich meine Einlage bei Cortal Consors (eine BNP-Tochter) auf einem Minimum. Sicher ist sicher...auch wenn ich jetzt weniger Zinsen erhalte. Aber besser weniger Zinsen als weniger Kapital ;-)

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