Börse beugt Klagen vor: Porsche will Börsenfusion ausbremsen

Börse beugt Klagen vor
Porsche will Börsenfusion ausbremsen

Der Sportwagenhersteller Porsche will die von der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) angestrebte Fusion verhindern. Das Unternehmen befürchtet Nachteile für deutsche börsennotierte Unternehmen, unter anderem durch steigende Gebühren.

HB STUTTGART. Vom Bundeskartellamt habe Porsche eine Beiladung als Verfahrensbeteiligte zu dem Fusionsvorhaben erhalten, sagte ein Porsche-Sprecher am Montag in Stuttgart. „Das Kartellamt hat unserem Antrag auf Beiladung stattgegeben“, sagte er. Porsche wolle Einsicht in die Akten bekommen, da das Unternehmen durch die geplante Zusammenlegung der Börsen Nachteile für den deutschen Finanzplatz befürchte. Durch die Fusion mit der LSE könne die Deutsche Börse eine marktbeherrschende Stellung erreichen mit der Folge höherer Gebühren für die börsennotierten Unternehmen.

Die Deutsche Börse bietet derzeit rund zwei Milliarden Euro oder 530 Pence je LSE-Aktie, um die wichtigste europäische Börse zu übernehmen. Auch die Vierländer-Börse Euronext hat ihr Interesse an der LSE angemeldet, bislang aber kein Angebot abgegeben.

Bereits vor fünf Jahren hatte die Deutsche Börse als Betreiberin des größten deutschen Finanzplatzes in Frankfurt eine Übernahme der LSE angestrebt, blieb damals mit dem Vorhaben aber auf Grund massiven Widerstands aus Großbritannien erfolglos. Porsche hatte sich auch damals schon gegen den Übernahmeversuch gewandt. Zwischen der Börse und Porsche schwelt zudem seit längerem ein inzwischen vor Gericht ausgetragener Streit über die Veröffentlichungspflichten von börsennotierten Unternehmen. Porsche weigert sich Quartalsberichte zu erstellen und ist deshalb nicht mehr im Nebenwerte-Index MDax gelistet.

Börse will rechtlichen Schritten gegen Fusion vorbeugen

Die Deutsche Börse trifft vor Gericht Vorsorge zur Abwehr rechtlicher Schritte aus dem eigenen Aktionärskreis gegen die geplante Übernahme der Londoner Börse. Die Börse habe eine so genannte Schutzschrift eingereicht, bestätigte ein Sprecher des Landgerichts Frankfurt am Montag.

Zum Inhalt des Schreibens wollte er nichts sagen, betonte aber, Schutzschriften seien ein gängiges Mittel, um sich schon im Vorfeld gegen Einstweilige Verfügungen zu wehren.

Mit dem Sachverhalt Vertraute sagten, die Deutsche Börse wolle schnellen, möglichen Einsprüchen von Fusionsgegnern entgegenwirken. Die Deutsche Börse äußerte sich nicht. Die Gegner einer Übernahme der LSE fordern eine Abstimmung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Pläne, was die Börse ablehnt.

Branchenexperten rechnen nicht vor der ordentlichen Hauptversammlung im Mai mit einer substanziellen Entwicklung in dem seit über zwei Monaten festgefahrenen Übernahmeprozess. Die LSE lehnt die Offerte der Börse über rund zwei Millionen Euro bislang als zu niedrig ab. Der Frankfurter Börsenvorstand ringt aber weiter um eine Zustimmung der LSE-Führung.

Die Hedge-Fonds und Aktionäre der Deutschen Börse, TCI und Atticus, verlangen eine außerordentliche Hauptversammlung des Konzerns, um über die geplante Milliarden-Übernahme abstimmen zu lassen. TCI will sogar erklärtermaßen das Management der Deutschen Börse per Beschluss eines außerordentlichen Aktionärstreffens austauschen lassen. Außerdem sollen die für den LSE-Kauf zurückgelegten Barmittel an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Die Deutsche Börse will dagegen vor dem Termin der ordentlichen Aktionärsversammlung am 25. Mai kein zusätzliches Treffen der Anteilseigner einberufen.

Experten zeigen sich zunehmend skeptisch, dass die Börse vor der Hauptversammlung mit der LSE einig wird.

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