Börse in Nablus Ahmad Aweidah: Der Krisen-Optimist

Gute Nachrichten aus den palästinensischen Gebieten sind selten. Doch Ahmad Aweidah, der Chef der Börse in Nablus, kann mit einer Erfolgsstory aufwarten: Seine Börse boomt. Seit Januar sind die Aktien dort um 20 Prozent geklettert. Noch in diesem Jahr, spätestens aber 2010 will der Börsenchef selber aufs Parkett.
  • Pierre Heumann
Ahmad Aweidah, Chef der Palästinensischen Börse, hat große Pläne. Quelle: Pressebild

Ahmad Aweidah, Chef der Palästinensischen Börse, hat große Pläne.

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TEL AVIV. Trotz der globalen Finanzkrise habe sich die Palestine Securities Exchange (PSE) im vergangenen Jahr relativ gut gehalten, sagt Aweidah. Sie weise innerhalb der arabischen Welt für 2008 die beste Performance auf. Während die Kurse an den regionalen Börsen um bis zu 80 Prozent nachgegeben hatten, ist der „Al-Kuds-Index“ (Jerusalem-Index) um lediglich 16 Prozent gesunken. „Wir haben im Krisenjahr deutlich besser abgeschnitten als der Rest der Region“, sagt der Ökonom stolz.

Der 38-jährige Börsenchef hat in Schottland studiert und danach drei Jahre bei der Société Générale in Paris gearbeitet, bevor es ihn zurück nach Hause zog; als CEO heuerte er bei Paltel, der größten palästinensischen Firma, an. Das Unternehmen ist ein wichtiger Wachstumsmotor der Börse, die vor 13 Jahren in der alten Handelsstadt Nablus gegründet wurde und an der gerade einmal drei Dutzend Firmen notiert sind.

Die Umsatzzahlen sind zwar bescheiden – im Juni wurden an der Börse gerade einmal fünf Mio. Dollar pro Tag umgesetzt; und auch die Marktkapitalisierung ist mit 2,5 Mrd. Dollar eher mickrig. Aweidah ist jedoch zuversichtlich: In den nächsten Wochen werde sich der Wert der registrierten Firmen auf 4,5 Mrd. Dollar erhöhen, wenn Paltel in Jordanien mit der kuwaitischen Telekommunikationsgruppe Zain fusioniert und die Palestine Islamic Bank zum Handel zugelassen wird.

Dennoch hat Aweidah mit seiner Börse noch einen weiten Weg zurückzulegen, bevor er es mit den wirklich potenten Finanzplätzen aufnehmen kann. Mehr als 20 Prozent des voll elektronischen Handels wird zwar bereits über das Internet abgewickelt. Das Research aber sei bescheiden, meinen Broker in Nablus. Zudem sind die an der Börse notierten Aktien wenig liquide; kleinere Bewegungen sorgen bereits für große Schwankungen bei den Kursen. Nachdem der Al-Kuds-Index Ende 2005 auf einem Allzeithoch von 1 314 Punkten angelangt war, verlor er in der Folge mehr als die Hälfte seines Wertes. Seit die Blase geplatzt ist, hat sich die Kursentwicklung aber stabilisiert. Der Index pendelt zwischen 400 und 700 Punkten. Auf der Börse lastet zudem ein beträchtliches Klumpenrisiko. Paltel, die größte Firma, macht fast die Hälfte der Kapitalisierung aus.

Aweidah weiß, dass das kleine Einzugsgebiet in der Westbank dem Wachstum Grenzen setzt. Doch er hat ehrgeizige Pläne für die vermutlich kleinste Börse der arabischen Welt. Er bemüht sich um Gelder aus den Golfstaaten: Im November plant er eine Road Show in Kuwait, Bahrain und in Saudi-Arabien. Bereits jetzt sind Anleger aus Kuwait die größte ausländische Investorengruppe. Israelische Investoren dagegen zeigen kein Interesse. Dafür will er Palästinenser aus dem Ausland locken, wie zum Beispiel rund 500 000 Chilenen mit palästinensischen Wurzeln. Interessiert ist der Börsenchef vor allem am „Club Palestino“, einem Fußballverein, der an der Börse von Chile notiert ist. Den würde er liebend gern nach Nablus locken.

Noch in diesem Jahr, spätestens aber 2010 will Aweidah mit der PSE selber aufs Parkett.

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