Börsenaufsicht: Libysche Beteiligung an Unicredit unter der Lupe

Börsenaufsicht
Libysche Beteiligung an Unicredit unter der Lupe

Die italienische Börsenaufsicht muss überprüfen, ob es sich bei der Zentralbank und der Staatsfonds Libyens wirklich um zwei getrennte Einheiten handelt oder ob sie als ein Aktionär zu betrachten sind. Zusammen halten sie mehr als sieben Prozent aller Unicredit-Aktien. Das nordafrikanische Land wäre dann der größte Aktionär der Bank.
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MAILAND. Die italienische Börsenaufsicht Consob nimmt die libyschen Beteiligungen an der italienischen Großbank Unicredit ins Visier. Wie aus Aufsichtskreisen verlautete untersucht die Consob die Beteiligungen der Zentralbank und des Staatsfonds, die vor einigen Wochen auf insgesamt mehr als sieben Prozent gestiegen sind. Wie es in Consob-Kreisen heißt, handele es sich dabei um eine Routine-Untersuchung für solche Fälle.

Die libysche Zentralbank hält 4,988 Prozent der Unicredit-Aktien. Anfang August wurde zudem bekannt, dass auch der Staatsfonds, die Libyan Investment Authority, die vor allem das Geld aus den Rohstoffverkäufen des Landes investiert, 2,078 Prozent der Unicredit-Aktien erworben hat. Damit halten die Libyer insgesamt 7,066 und sind damit zusammengenommen der größte Aktionär von Unicredit - und damit größer als die mächtigen Sparkassenstiftungen wie Fondazione Cariverona oder die Fondazione Cassa di Risparmio di Torino.

Vor allem bei den Politikern der Regierungspartei Lega Nord war das Engagement der Libyer auf Widerstand gestoßen. Zuletzt hat sich der Bürgermeister von Verona, Flavio Tosi, geäußert. Seine Stadt stellt verschiedene Vertreter im Stiftungsrat der Cariverona. Tosi zeigt sich besorgt angesichts der Entlassungspläne der Bank: "Über die Strategiepläne entscheidet der Verwaltungsrat der Bank. Aber wenn dort eine bedeutende Präsenz von Mitgliedern sitzt, die wenig an das Territorium gebunden sind, dann könnten diese zynischere Strategien haben und weniger Vermittlungsbereitschaft zeigen."

Die Aufsicht Consob muss vor allem prüfen, ob es sich bei den libyschen Institutionen wirklich um zwei getrennte Einheiten handelt oder ob sie als ein Aktionär zu betrachten sind. Schließlich ist das Wahlrecht im Statut der Bank auf höchstens fünf Prozent beschränkt und die Libyer würden diese Schwelle gemeinsam überschreiten. Für eine Verbindung zwischen Zentralbank und Staatsfonds spricht die Tatsache, dass Farhat Bengdara, der Gouverneur der Zentralbank und einer der Vizepräsidenten von Unicredit, auch im Board der Libyan Investment Authority sitzt. Die Consob hat die beiden libyschen Investoren um Aufklärung gebeten. Unicredit überlässt den Aktionären das Wort.

Die Nachrichten über die Untersuchungen Consob fallen in eine Zeit, in der Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi die Gemüter der Italiener erhitzt. Der Diktator war am Sonntag mit einem Tross an Begleitern und Pferden nach Rom gereist, um sich mit Silvio Berlusconi zu treffen. Außer dem Aufruf, Europa solle sich zum Islam bekehren, forderte er von der EU fünf Milliarden Euro, damit er die Flüchtlinge davon abhält, das Mittelmeer zu überqueren.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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