Börseneinbruch in Frankfurt: Bankenkrise? Welche Bankenkrise?

Börseneinbruch in Frankfurt
Bankenkrise? Welche Bankenkrise?

Unter den Börseneinbrüchen zu Beginn des Jahres 2016 leiden vor allem die Aktien der Finanzinstitute. Einige haben fast die Hälfte an Wert verloren. Doch die Politik müht sich, die Panik an den Märkten zu beschwichtigen.

DüsseldorfIn Bezug auf die stark gefallenen Bankenaktien hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Freitag in Brüssel noch einmal nachgelegt: Ungeachtet der jüngsten Kursturbulenzen sehe er bei der Deutschen Bank keinen Geldbedarf. „Die Deutsche Bank hat genügend Kapital“, sagte Schäuble am Freitag nach einem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. Das Geldhaus sei eine „starke Bank“ und habe genug Vorsorge getroffen.

Nach Ansicht Schäubles haben sich die Maßnahmen zur Stabilisierung des Bankensektors in der EU ausgezahlt. „Bei allen Übertreibungen an den Märkten stimmen die Fundamentaldaten in Europa.“ Seit neun aufeinanderfolgenden Quartalen sei die Wirtschaftsleistung gestiegen.
In den Worten des Bundesfinanzministers steckt eine klare Nachricht: Der Ausverkauf der Bankentitel an den Börsen ist ungerechtfertigt. Nicht zuletzt die europäischen Banken haben mit massiven Abschlägen zu kämpfen. Der europäische Bankenindex, Stoxx Europe 600 Banks, der die 45 größten Bankaktien Europas listet, ist seit Jahresbeginn um ein Drittel eingebrochen. Die italienische UBI hat im selben Zeitraum mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.
Doch die Sorgen gelten nicht zuletzt dem größten Finanzinstitut hierzulande, der Deutschen Bank. Sie hat seit dem 1. Januar knapp 40 Prozent an Wert verloren. Auch der Aktie der Commerzbank ging es kaum besser. Diese verlor rund ein Drittel an Wert, wenngleich die positive Jahresbilanz 2015 die Aktie am Freitag zeitweise um mehr als 14 Prozent ins Plus hievte.

Die hohe Volatilität der Märkte schwingt die Geldhäuser an einem Tag hoch wie ihre Wolkenkratzer ins Plus und rammt sie am nächsten Tag wieder ins Minus. Einige Marktbeobachter fühlen sich wegen der Schwäche der Bankenaktien schon an die Finanzkrise vor sieben Jahren erinnert.
Nicht so die Bundesbank. Andreas Dombret, der bei der Bundesbank für die Bankenaufsicht verantwortlich ist, sagt der Bild-Zeitung, dass sich die Kapitalsituation der deutschen Banken in den vergangen Jahren „stark verbessert“ habe. Die aktuelle Lage sei „nicht im Geringsten mit der Lehman-Krise 2008 vergleichbar.“ Und weiter: „Ich bin heute deutlich entspannter.“
Kaum Sorgen bereitet die aktuelle Situation offenbar auch Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. „Unsere Banken sind in einer deutlich besseren Situation als noch vor ein paar Jahren“, sagte der Niederländer am Donnerstag beim Finanzministertreffen in Brüssel. Es sei viel Eigenkapital aufgebaut und Bilanzen restrukturiert worden. Und diese Prozesse schritten aufgrund der neuen Regeln zur Bankenunion weiter voran.

Der EU-Wirtschaftsminister Pierre Moscovici möchte sich zwar nicht konkret zur Psychologie der Märkte äußern. Er erklärte jedoch, dass die Kommission „besorgte über die Volatilität“ sei. Gleichzeitig habe die Kommission aber eine klare Botschaft: „Die Fundamentaldaten sind ebenso ausreichend solide wie der Bankensektor und die reale Wirtschaft.“ Europa sei nicht auf dem Weg in eine neue Krise. Die EU werde auch nicht in eine ähnliche Situation kommen, da „wir jetzt all die Werkzeuge haben, um jedwede Lage in der Eurozone anzugehen.“ Insgesamt belege aber der Bankenstresstest die Solidität der Branche.

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„Gehebelte Anlage auf die Volkswirtschaft“

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