Börseneinbruch in Frankfurt Bankenkrise? Welche Bankenkrise?

Unter den Börseneinbrüchen zu Beginn des Jahres 2016 leiden vor allem die Aktien der Finanzinstitute. Einige haben fast die Hälfte an Wert verloren. Doch die Politik müht sich, die Panik an den Märkten zu beschwichtigen.
Update: 12.02.2016 - 15:20 Uhr

Erleben wir die Finanzkrise 2.0?

Erleben wir die Finanzkrise 2.0?

DüsseldorfIn Bezug auf die stark gefallenen Bankenaktien hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Freitag in Brüssel noch einmal nachgelegt: Ungeachtet der jüngsten Kursturbulenzen sehe er bei der Deutschen Bank keinen Geldbedarf. „Die Deutsche Bank hat genügend Kapital“, sagte Schäuble am Freitag nach einem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. Das Geldhaus sei eine „starke Bank“ und habe genug Vorsorge getroffen.

Nach Ansicht Schäubles haben sich die Maßnahmen zur Stabilisierung des Bankensektors in der EU ausgezahlt. „Bei allen Übertreibungen an den Märkten stimmen die Fundamentaldaten in Europa.“ Seit neun aufeinanderfolgenden Quartalen sei die Wirtschaftsleistung gestiegen.
In den Worten des Bundesfinanzministers steckt eine klare Nachricht: Der Ausverkauf der Bankentitel an den Börsen ist ungerechtfertigt. Nicht zuletzt die europäischen Banken haben mit massiven Abschlägen zu kämpfen. Der europäische Bankenindex, Stoxx Europe 600 Banks, der die 45 größten Bankaktien Europas listet, ist seit Jahresbeginn um ein Drittel eingebrochen. Die italienische UBI hat im selben Zeitraum mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.
Doch die Sorgen gelten nicht zuletzt dem größten Finanzinstitut hierzulande, der Deutschen Bank. Sie hat seit dem 1. Januar knapp 40 Prozent an Wert verloren. Auch der Aktie der Commerzbank ging es kaum besser. Diese verlor rund ein Drittel an Wert, wenngleich die positive Jahresbilanz 2015 die Aktie am Freitag zeitweise um mehr als 14 Prozent ins Plus hievte.

„Ich mache mir überhaupt keine Sorgen um die Deutsche Bank“
Ulrich Grillo
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Ich mache mir überhaupt keine Sorgen um die Deutsche Bank oder die Commerzbank“, so Ulrich Grillo am Donnerstag in Berlin. Grillo ist Präsident des mächtigen Bundesverbands der Deutschen Industrie.

Grillo widersprach damit ausdrücklich dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dessen Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sich am Vortag anders geäußert hatte.

Martin Wansleben
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Die Wirtschaft macht sich da schon mehr Gedanken über den Zustand des Geldhauses. „Uns macht natürlich Sorgen, was da geschieht“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. Die deutsche Wirtschaft mit ihren vielen mittelständischen Firmen und Familienunternehmen brauche starke Banken auf dem Heimatmarkt: „Keine Volkswirtschaft ist so sehr darauf angewiesen, dass Banken ausreichend Darlehen geben.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)
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Ungeachtet der jüngsten Kursturbulenzen sieht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei der Deutschen Bank keinen Geldbedarf. „Die Deutsche Bank hat genügend Kapital“, sagte Schäuble am Freitag nach einem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. Das Geldhaus sei eine „starke Bank“ und habe genug Vorsorge getroffen. Der CDU-Politiker verwahrte sich gegen die Darstellung, dass er mit der Äußerung, er mache sich keine Sorgen um das Institut, die Nervosität an den Finanzmärkten angefacht habe.

Regierungspolitiker
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Am deutlichsten bringt es ein Koalitionspolitiker hinter vorgehaltener Hand auf den Punkt: „Hier geht es nicht um Kapitalismus, sondern um Gesellschaftspolitik.“ Die Deutsche Bank mit ihren bekannten Doppeltürmen in Frankfurt sei ein „Symbol nationaler Identität“. Trotz der Misere gibt es de facto also eine Bestandsgarantie. „Bei einem Übernahmeversuch würde die Regierung intervenieren.“

John Mack, ehemaliger CEO von Morgan Stanley
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Die Deutsche Bank als größter Kreditgeber Deutschlands sollte Anlegern Vertrauen in ihre Fähigkeit geben, Schuldzinsen zu zahlen, sagte John Mack, der ehemalige CEO von Morgan Stanley. „Die Leute reagieren über“, sagt Mack. „Ihr Name ist Deutsche Bank. Sie ist die Deutsche Bank. Wenn es nötig ist, spannt die Regierung ein Sicherheitsnetz.“

Fondsmanager Marc Hellingrath, Union Investment
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“Die Niedrigzinsen lasten schwer auf den Märkten, die Kreditvergabe gerät ins Stocken, und im Wertpapierhandel halten sich die Kunden zurück,” sagte der Fondsmanager Marc Hellingrath von Union Investment.

Christian Gattiker, Chefstratege und Leiter Research bei Julius Bär
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Deutsche Ankündigungen bezüglich der Deutschen Bank hätten ein wenig vom generellen Bedenken am System genommen, sagte Christian Gattiker, Chefstratege und Leiter Research bei Julius Bär. „Investoren drängen auf eine Antwort auf die Fragen des europäischen Bankensystems – zumindest bekamen sie eine Antwort. Es ist nicht eine Wiederholung der Finanzkrise.“

Die hohe Volatilität der Märkte schwingt die Geldhäuser an einem Tag hoch wie ihre Wolkenkratzer ins Plus und rammt sie am nächsten Tag wieder ins Minus. Einige Marktbeobachter fühlen sich wegen der Schwäche der Bankenaktien schon an die Finanzkrise vor sieben Jahren erinnert.
Nicht so die Bundesbank. Andreas Dombret, der bei der Bundesbank für die Bankenaufsicht verantwortlich ist, sagt der Bild-Zeitung, dass sich die Kapitalsituation der deutschen Banken in den vergangen Jahren „stark verbessert“ habe. Die aktuelle Lage sei „nicht im Geringsten mit der Lehman-Krise 2008 vergleichbar.“ Und weiter: „Ich bin heute deutlich entspannter.“
Kaum Sorgen bereitet die aktuelle Situation offenbar auch Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. „Unsere Banken sind in einer deutlich besseren Situation als noch vor ein paar Jahren“, sagte der Niederländer am Donnerstag beim Finanzministertreffen in Brüssel. Es sei viel Eigenkapital aufgebaut und Bilanzen restrukturiert worden. Und diese Prozesse schritten aufgrund der neuen Regeln zur Bankenunion weiter voran.

Der EU-Wirtschaftsminister Pierre Moscovici möchte sich zwar nicht konkret zur Psychologie der Märkte äußern. Er erklärte jedoch, dass die Kommission „besorgte über die Volatilität“ sei. Gleichzeitig habe die Kommission aber eine klare Botschaft: „Die Fundamentaldaten sind ebenso ausreichend solide wie der Bankensektor und die reale Wirtschaft.“ Europa sei nicht auf dem Weg in eine neue Krise. Die EU werde auch nicht in eine ähnliche Situation kommen, da „wir jetzt all die Werkzeuge haben, um jedwede Lage in der Eurozone anzugehen.“ Insgesamt belege aber der Bankenstresstest die Solidität der Branche.

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