Börsenkrise geht an Substanz: Finanzriesen brauchen frisches Geld

Börsenkrise geht an Substanz
Finanzriesen brauchen frisches Geld

Die Börsenkrise geht den großen deutschen Finanzkonzernen an die Substanz. Vor allem durch Abschreibungen auf Aktien ist das Eigenkapital der Konzerne im vergangenen Jahr massiv zusammengeschmolzen.

HB/dpa MÜNCHEN. Sowohl die beiden Versicherungsriesen Münchener Rück und Allianz als auch die HypoVereinsbank müssen sich nun frisches Kapital in Milliardenhöhe beschaffen. Der Zeitpunkt dafür könnte schlechter kaum sein: Angesichts der Unsicherheit über die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten haben Investoren und Anleger wenig Lust auf den Kauf neuer Aktien oder Anleihen. Der Erfolg der Kapitalmaßnahmen ist daher ungewiss.

Die Finanzkonzerne begründeten den Schritt vor allem mit den strengen Kriterien der Rating-Agenturen, die die Bonität der Konzerne bewerten und dabei vor allem die Eigenkapitalbasis prüfen. Bei einer schlechten Bewertung müssen die Unternehmen höhere Zinsen für die Aufnahme von Krediten zahlen. „Die Kapitalanleger verlangen deutlich höhere Eigenkapitalausstattungen, als das früher der Fall war“, sagte HVB-Chef Dieter Rampl am Donnerstag in München.

Den Anfang hatte bereits in der vergangenen Woche die Allianz gemacht. Sie will sich an den Aktien- und Anleihemärkten bis zu fünf Milliarden Euro besorgen. Bei der geplanten Ausgabe neuer Aktien entschied sich der Konzern für eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht der Aktionäre. Dies bedeutet, dass die Anteilseigner zwar eine Verwässerung ihrer Beteiligung hinnehmen müssen, im Gegenzug aber zumindest auch einige der neuen Aktien zu einem niedrigeren Kurs erwerben können.

Auch die HypoVereinsbank hat lange über eine Kapitalerhöhung nachgedacht. Nach Angaben von Rampl braucht das Kreditinstitut etwa 1,7 Milliarden Euro. Berichte über Pläne für eine Zwangswandelanleihe prügelten aber vor einigen Wochen den Kurs nach unten. „Eine solche Kapitalerhöhung würde allerdings zu einer erheblichen Verwässerung künftiger Ergebniserwartungen je HVB-Aktie führen“, meinte Rampl am Donnerstag. Daher entschied sich das Unternehmen nun für eine Kapitalerhöhung durch die Hintertür. Die Tochter Bank Austria wird wieder an die Börse gebracht. 25 Prozent der Anteile will die HypoVereinsbank abgeben. Dazu wird nun die Bank Austria eine entsprechende Kapitalerhöhung vornehmen.

Auch wenn Rampl den geplanten Börsengang als effizient und im Sinne der Aktionäre pries, zeigt der Schritt, wie groß die Probleme im Finanzsektor sind. Denn die HypoVereinsbank trennt sich von Teilen einer Tochtergesellschaft, die zum absoluten Kerngeschäft gehört und ausgesprochen profitabel ist. Mit dem Verkauf rentabler Teile komme zwar Kapital in die Kassen, kommentierte das „Handelsblatt“. „Der Nachteil liegt aber auf der Hand: Die gesamte Rentabilität wird geschwächt, und damit letztendlich auch wieder die Kapitalbasis.“

Hinzu kommt im Fall der HypoVereinsbank, dass der Verkauf eines Viertels der Bank Austria nach optimistischsten Analystenschätzungen bestenfalls bis zu eine Milliarde Euro bringt. Dies bedeutet, dass die HVB sich nach weiteren Geldquellen umschauen muss.

Die Münchener Rück will in der kommenden Woche auf einer Roadshow die Werbetrommel für die Ausgabe einer Anleihe rühren. Um welches Volumen es dabei geht, ließ Vorstand Jörg Schneider noch offen. In Finanzkreisen war über ein Volumen von rund drei Milliarden Euro spekuliert worden. Im vergangenen Jahr war das Eigenkapital der Münchener Rück um mehr als fünf Milliarden Euro auf 14,5 Milliarden Euro zusammengeschmolzen.

Auch wenn Münchener Rück, HypoVereinsbank und Allianz jetzt binnen weniger Tage die Karten auf den Tisch gelegt haben, wird die Ungewissheit bleiben. Die Probleme könnten nicht über Nacht gelöst werden und man sorge sich, dass bei der Allianz noch nicht alle Löcher gestopft seien, schrieb beispielsweise die Investmentbank Merrill Lynch am Donnerstag. Die Experten empfahlen daher weiterhin, die Allianz-Aktie zu verkaufen.

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