Börsenskandal
Abschiedsbrief enthüllt 20 Jahre Schwindel

Der Chef des zusammengebrochenen US-Börsenmaklers Peregrine wollte sich umbringen, wurde aber gerettet. Im Abschiedsbrief gestand er jahrelangen Schwindel, den die US-Aufseher nie bemerkten. Jetzt muss er vor Gericht.
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Cedar Falls/New York/ChicagoAgenten der US-Bundespolizei FBI haben am Freitag den Chef des zusammengebrochenen Börsenmaklers Peregrine Financial Group festgenommen. Die Bundesstaatsanwaltschaft in Cedar Falls im Bundesstaat Iowa wirft Russell Wasendorf Senior vor, die Finanzaufsicht hinters Licht geführt zu haben, indem er die Bestände an Kundengeldern schönte.

Der Börsenmakler Peregrine, der auch als PFGBest auftrat, war am Mittwoch zusammengebrochen. Am Dienstag hatte Peregrine Insolvenz angemeldet, nachdem die Finanzaufsicht CFTC gegen das Unternehmen und gegen Wasendorf eine Klage wegen Veruntreuung eingereicht hatte.

Das Unternehmen machte demnach falsche Angaben zu seinem Guthaben, 215 Millionen Dollar (175 Mio Euro) an Kundengeldern sollen verschwunden sein. Aufgeflogen war das Loch in der Kasse, nachdem Wasendorf am Montag versucht hatte, sich umzubringen. Wasendorf war am Montag leblos in seinem Auto gefunden und in ein Krankenhaus gebracht worden. In einem Abschiedsbrief, der in der Klageschrift nachzulesen ist, räumt der 64-Jährige ein, Kontoauszüge gefälscht und mit dem Geld seine Firma am Laufen gehalten zu haben.

Den Vorwürfen zufolge fälschte Firmenchef Wasendorf jahrelang Unterschriften und simulierte Konten im Schriftverkehr mit den Aufsichtsbehörden. Er habe so sein an Kapitalmangel leidendes Unternehmen vor dem Ruin bewahren wollen, erklärte Wasendorf dem FBI zufolge in seinem Abschiedsbrief. "Mein Ego war zu groß, um ein Scheitern zu akzeptieren." Der im Krankenhaus verhaftete Wasendorf sollte noch am Freitag einem Bundesrichter in Cedar Rapids vorgeführt werden.

Bis zu 25 000 Gläubiger müssen nun um ihr Geld bangen - darunter viele Farmer, die über den Börsenmakler ihre Warentermingeschäfte abgewickelt hatten. Der Schwindel lief laut dem Abschiedsbrief seit fast zwanzig Jahren.

Die Geschichte erinnert an den Kollaps des US-Wertpapierhändlers MF Global im vergangenen Oktober, der die Wall Street erschüttert hatte. MF Global hatte sich mit riskanten Wetten auf europäische Staatsanleihen verzockt. Von einem „Mini-Lehman“ war damals die Rede gewesen in Anspielung auf den Zusammenbruch der US-Investmentbank 2008. Bei MF Global waren Kundengelder von bis zu 1,6 Milliarden Dollar verschwunden.

Der Skandal hatte die Regulierer auf den Plan gerufen. Um ähnliche Fälle künftig zu verhindern, haben die US-Aufsichtsbehörden am Freitag neue Regeln zum Schutz von Broker-Kunden gebilligt. Damit soll unter anderem der Vermischung von Kundenkapital ein Riegel vorgeschoben werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Börsenskandal: Abschiedsbrief enthüllt 20 Jahre Schwindel"

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  • So, so? Ich denke es war ein steter Abstieg. Kohl war schlecht, Schröder schlechter und Merkel addiert beides zu am schlechtesten. Aber gegenüber der nächsten Regierung, die endlich die Bürger voll mit einbezieht bei den Entscheidungen, werden wir uns nur noch voller Grauen an diese ganzen schwarz/roten Führungen zurückerinnern, die alle Probleme nur immer weiter verschleppen.

  • Wenn zuviel Regeln beachtet werden müssen und zuviele Berichte eingehen, lässt sich gar nichts mehr effektiv "beaufsichtigen". Betrug gab es schon immer. Der wirksamste Schutz liegt im Verzicht auf Gier (vielleicht auch mal nur 1 % für's Tagesgeld akzeptieren und nicht zu XY wegen etwas mehr rennen.)

  • Wieso geworden ist? Seit es Geld gibt, versuchen Leute durch Betrug an welches zu kommen. Natürlcih gibt es einen Zusammen hang mit der zunehmenden Geldmenge und den absoluten Höhen der Betrügereien. Dies aber dem "Finanzsystem" anzulasten oder mangelnder Regulierung ist für mich nicht nachvollziehbar. Vermutlich ist es eher die Überregulierung, die ein effektives Bekämpfen von Betrug zum Waten durch Morast und Sumpf macht.

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