Bondemissionen
Unternehmen lieben Anleihen

Darf es etwas mehr sein? Frei nach diesem Motto haben sich deutsche Unternehmen im ersten Halbjahr mit frischem Geld vom Anleihemarkt vollgesogen. Die Konditionen am Markt sind aktuell besonders günstig.
  • 0

FrankfurtAnleihen sind und bleiben beliebt. Mehr als 60 Milliarden Euro haben sich laut Finanzdatenanbieter Dealogic allein die deutschen Firmen mit guter Bonität bei Investoren besorgt – über 70 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2016.

Dabei gab es auch bemerkenswert viele große Einzeltransaktionen. Allen voran kam Volkswagen im Mai mit einer herkömmlichen Anleihe über acht Milliarden Euro, gefolgt von einer hybriden Emission über 3,5 Milliarden Euro im Juni, die der Wolfsburger Autobauer zum Teil auf sein Eigenkapital anrechnen kann. Damit meldete sich VW eindrucksvoll am Anleihemarkt zurück, dem der Konzern nach dem Dieselskandal mehr als anderthalb Jahre ferngeblieben war.

Doch auch Unternehmen wie Siemens, Deutsche Telekom, Daimler, Fresenius oder Eon traten offensiv am Bondmarkt auf und liehen sich auf einen Schlag zwischen 7,5 Milliarden Dollar (Siemens) und zwei Milliarden Euro (Eon). Auffällig ist zudem, dass sich deutsche Unternehmen zunehmend in anderen Währungen als dem Euro – vor allem in Dollar und Pfund Sterling – refinanzieren.

„Teils machen Unternehmen dies, weil sie Geld für Übernahmen oder ihre Aktivitäten in anderen Ländern brauchen, teils um ihre Investorenbasis zu verbreitern und dabei von attraktiven Finanzierungskonditionen über die Märkte hinweg zu profitieren“, erklärt Paula Weißhuber, die bei der BofA Merrill Lynch deutsche Unternehmen bei der Platzierung von Anleihen betreut.

Günstige Konditionen

Auch für das zweite Halbjahr rechnen Banker mit vielen neuen Bonds. Denn noch sind die Refinanzierungskosten für Firmen günstig. Die neuen Ängste um die Euro-Zone sind deutlich gesunken, seit die Rechtspopulisten bei den Wahlen in Frankreich und auch in den Niederlanden deutliche Niederlagen einstecken mussten. Dazu kommt das allgemein immer noch niedrige Zinsniveau. Selbst in den USA, wo die Notenbank die Leitzinsen in diesem Jahr schon zweimal erhöht hat, sind die Anleiherenditen gesunken.

„Investoren und Unternehmen fürchten zumindest auf kurze Sicht keine großen Rückschläge mit steigenden Renditen und Risikoprämien an den Anleihemärkten“, sagt Weißhuber. Dennoch sollten sich ihrer Meinung nach Unternehmen mit absehbarem Finanzierungsbedarf die aktuell sehr attraktiven Konditionen gerade auch in den langen Laufzeiten sichern.

Anders als die Industrieunternehmen mit guter Bonität, hielten sich die Konzerne der Finanzbranche und staatliche Schuldner abseits des Bundes am Bondmarkt etwas mehr zurück als im ersten Halbjahr vergangenen Jahres. Insgesamt liehen sich Schuldner in Deutschland aber viel Geld – laut Finanzdatenanbieter Thomson Reuters waren es 196 Milliarden Dollar.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Bondemissionen: Unternehmen lieben Anleihen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%