Boni
Goldene Zeiten

Wie sich einst die Händler in Zürich die Hände rieben, als die Banker ihre Boni unters Volk brachten.
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ZürichAch - was waren das für Zeiten! Damals im Jahr 2006. Oder nach neuer Zeitrechnung: im Jahr eins vor der Finanzkrise und zwei vor Lehman. So um diese Zeit, wenn sich die großen Geldhäuser dieser Welt anschickten, Bilanz zu ziehen, rieben sich beispielsweise die Händler an der Bahnhofstraße in Zürich, wo sich eine Bank an die andere reiht, die Hände. Sie wussten: Die Boni werden ausbezahlt. Das ist wie Weihnachten im Februar. Die Verkäufer in den Edelboutiquen, die Schmuckhändler und Uhrmacher standen schon in den Startlöchern. Der Lamborghini-Chef aus Italien selbst war angereist, um in Zürich nach dem Rechten zu sehen und auch der Maserati-Vertreter witterte Morgenluft. 2006 ist das Jahr, in dem die Schweiz mit Hongkong an der Spitze bei den Absatzzahlen der italienischen Edelmarke liegt.

Harte Fakten gibt es über die absoluten Spitzenverdiener bei den Banken zu berichten. Beim damaligen UBS-Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel waren es mehr als 26 Millionen Franken, nach heutigem Kurs etwa 20 Millionen Euro, die er mit nach Hause brachte. Axel Weber, der diesen Job als Nachnachnachfolger von Ospel in diesem Frühjahr antritt, dürfte davon nur träumen. Schon der amtierende Präsident Kaspar Villiger musste sich im Jahr 2010 mit vergleichsweise schmalen 1,5 Millionen Franken zufrieden geben. Ospel kaufte sich damals von seinem Geld übrigens keinen Maserati, sondern ließ eine Eigenanfertigung bauen: ein besonders schnelles Sportkombi, das er seltener an der Bahnhofstrasse, aber gerne um den Vierwaldstätter See kutschierte.

Doch es waren nicht nur die Chefs, die die Bahnhofstrasse unsicher machten. Die Boni flossen ebenso an die Angestellten. Auch sie wurden nach Leistung ausbezahlt. Die Zusatzleistungen sind abhängig davon, wie die Bank insgesamt abschneidet, wie erfolgreich der jeweilige Bereich und das jeweilige Team gearbeitet haben und welches Ergebnis jeder einzelne erzielt hat. Nach Angaben von Bankern lag der Bonus bei den Großbanken für Mitarbeiter unterhalb der Direktionsebenen bei bis zu zwei Monatsgehältern.

Personalberater, die Führungsleute vermitteln, berichten noch heute von erheblich höheren Boni, die zwischen einem Drittel und einem ganzen Jahresgehalt liegen konnten. Generell gilt noch immer: Wer direkt im Kontakt mit Kunden steht, hat die Aussicht auf höhere Zusatzvergütungen als jemand, der wie etwa der IT-Fachmann im Hintergrund arbeitet. Im Investment Banking wird mehr leistungsabhängiges Gehalt gezahlt als im Geschäftsbereich, der die Privatkunden bedient.

Und zurück zu Maserati: Dort brach der Umsatz 2009 um 40 Prozent ein. Das war im Jahr zwei, nachdem bei der UBS und anderswo das erste Zittern eine Krise ankündigt hatte, von der sich die Banker, ihre Boni und all diejenigen, bei denen sie ihr Geld ließen, bis heute nicht erholt haben.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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