Bonuszahlungen
Manager wünschen sich höhere Festgehälter

In guten Jahren können sich Manager über dicke Bonuszahlungen freuen. In der Krise wurden diese zum Teil kräftig gestutzt. Um diesen Schwankungen zu entgehen, fordern viele nun höhere Festgehälter.
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Eine wahre Achterbahnfahrt in Sachen Boni haben viele deutsche Manager in den letzten Jahren erlebt. Erhielt zum Beispiel Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann 2007 noch zusätzlich zu seinem Grundgehalt von rund 1,2 Millionen Euro eine üppige Prämie von 12,6 Millionen Euro, brachte er in 2008 gerade mal das Fixum nach Hause. Trotz anhaltender Finanz- und Wirtschaftskrise stieg dann der Bonus des Bankers wieder steil an: Auf 8,2 Millionen Euro belief sich Ackermanns variabler Anteil 2009, in 2010 erhielt er mit 4,65 Millionen Euro dagegen von seiner Vorjahrestantieme nur noch gut die Hälfte. Ein ähnliches Auf und Ab ihrer Boni beobachteten auch Chefs von anderen DAX-Konzernen wie Dieter Zetsche von Daimler oder Martin Winterkorn von VW.

Was Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft erlebten, setzte sich auf den nachgeordneten Management-Rängen fort. Weiter unten in der Managerhierarchie verschärften sich allerdings dadurch mitunter die Existenzbedingungen: So hat Projektmanager Michael Müller* (Name von der Redaktion geändert), der in einem guten Jahr gut 100.000 Euro brutto bei einem großen deutschen Softwareberatungshaus verdient, schon zum zweiten Mal in zehn Jahren nur sein Festgehalt von derzeit rund 55.000 Euro nach Hause gebracht.

Grund für die Beinah-Halbierung des Einkommens: die Kundenaufträge brachen in der Wirtschaftskrise weg, die Auslastung des IT-Spezialisten ließ zu wünschen übrig. Müller erreichte seine Zielvorgabe von 180 Tagen Einsatz bei Kunden nicht. Dementsprechend tendierte sein variabler Gehaltsanteil gegen Null. „Früher machten mir solche Schwankungen nichts aus, ich rechnete nur mit dem Grundgehalt, ein eventueller Bonus floss immer gleich in meine Altersvorsorge“, sagt der 38-Jährige Manager von etwa 20 Mitarbeitern. Aber inzwischen hat der Wirtschaftsingenieur Frau und Kind und denkt auch über einen Hausbau nach, „da brauche ich mehr Kalkulationssicherheit.“

Bei insgesamt 40 Prozent von über 4500 befragten Führungskräften fiel der Bonusanteil wie bei IT-Manager Müller im Jahre 2010 geringer aus als im Vorjahr, als nur ein Viertel von ihnen weniger verdiente. Eine aktuelle Gehaltsstudie durch den Berufsverband „Die Führungskräfte“, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, ergab, dass Bank-Manager besonders gebeutelt waren. Sie mussten im Schnitt Gehaltseinbußen von 23.000 Euro hinnehmen. Auf Platz zwei folgten die Führungskräfte der Autoindustrie mit 19.000 Euro und Stahlmanager mit 16.000 Euro Boni-Einbussen.

„Das Thema Entlohnung ist für viele Unternehmen ein heißes Eisen. Auf breiter Front wird daran gegangen, die Vergütungssysteme neu zu ordnen“, sagt Hans-Georg Blang, Mitglied der Geschäftsleitung der Management-Beratung Kienbaum. Ob Maschinen-, Anlagebau oder Autohersteller – „etwa 70 bis 80 Prozent der klassischen deutschen Industrieunternehmen haben Handlungsbedarf“, schätzt der Experte.

Kommentare zu " Bonuszahlungen: Manager wünschen sich höhere Festgehälter"

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  • @ MaWo,

    "Würden nun die Millionäre noch eingebunden lägen wir sicherlich unter 10%."

    So ist es. Mit welchem Recht drücken sich die Reichen vor SOZIAL-Abgaben? Zumal deren Ausschüttung immer weniger nach Beitragsjahren der Einzahler erfolgt? Mir scheint, unsere Sozial-"Versicherungen" dienen inzwischen eh nur noch dem mühsam zusammen gehaltenem, sozialen Frieden. Sowie der Abmilderung von Folgen einer fortwährenden politischen Flickschusterei.

    Liegt den Vermögenden denn gar nichts am sozialen Frieden im Lande, dass sie nicht bereit sind, dafür ihren Beitrag zu leisten? Bisher haben sie m. M. doch recht gut damit / davon gelebt? Man denke nur an "unsere", im internationalen Vergleich, sehr gemäßigten Gewerkschaften. Offensichtlich recht willige Mittäter bei Reallohnverlust, unterlassenem Mindestlohn, "vergessener", aber schon lange nötiger Arbeitszeit-Verkürzung bei laufend steigender Produktivität der hier lebenden Lohnabhängigen. In nicht geringem Maße auch noch mitschuldig am immer weiteren auseinander Driften einer ehemals funktionsfähigen, europäischen Handels-Union - ohne gemeinsame Währung.

    "Die Politik unterstellt Einkunftsbeziehern oberhalb der sog. Beitragsbemessungsgrenze und Selbständigen grundsätzlich die Befähigung sich eigenverantwortlich um ihre Altersscherung zu kümmern."

    Wir könnten auch sagen - der eigenen Klientel lässt man die FREIE Wahl.

    "Sind nun Politiker und deren Begünstigte für eine solche Befähigung zu unbedarft, da deren Versorgung aus den Staatssäckel kommt?"

    Die Folgerung ist gut :-) - das wird mein Nachdenk-Betthupferl für heute ...

  • @ Sylvia,
    in allem Einverstanden.
    Es müsste keine Deckelung geben. Bei einer Abgabe "in Prozentpunkte vom Einkommen" gibt es halt keine Über- oder Unterforderung.
    Bereits in der 14 Legislaturperiode wurde angedacht, würden Alle bis zur Beitragsbemessungsgrenze eingebunden könnte der Beitragssatz ca. halbiert werden (bei ungeschmälerter Gegenleistung). Also von ca. 40% auf ca. 20% der Sozialabgaben.
    Würden nun die Millionäre noch eingebunden lägen wir sicherlich unter 10%.
    Ein weiterer Aspekt:
    Die Politik unterstellt Einkunftsbeziehern oberhalb der sog. Beitragsbemessungsgrenze und Selbständigen grundsätzlich die Befähigung sich eigenverantwortlich um ihre Altersscherung zu kümmern.
    Sind nun Politiker und deren Begünstigte für eine solche Befähigung zu unbedarft, da deren Versorgung aus den Staatssäckel kommt?

  • Mag sein.

    Aber - ist es denn das Problem der Allgemeinheit, wenn sich ein System-Gläubiger derartige Verpflichtungen selbst an's Bein gebunden hat? Weil er lockerflockig dachte, glaubte, rechnete ... IHN würden Krisen niemals treffen ?

    Sorry @ Neid, dass in diesem System seit Jahren etwas schief läuft (z. B. mit den Null-Finanzierungen, Hausverkäufe ohne Eigenkapital, Schulden immer mehr, immer höher, dafür sinkende Zinsen für konservative Sparanlagen) habe ich als piepnormale Kauf- und Hausfrau gefühlt. Seit dem offenen Ausbruch der Krise (Dotcom-Blase + 2008) schwant mir auch zunehmend mehr, woran das System krankt.

    Und das sollen also deutlich besser Gebildete so absolut nicht erkannt haben? Um für den evtl. Einbruch ihrer Einkommen vorzusorgen? Ganz schön blauäugig, finde ich.

    Otto Normalo muß seit Jahrzehnten mit den plötzlichen Wegfall seines Arbeitsplatzes rechnen. Immer öfter ohne Aussicht auf Wiederanstellung, ohne berufliche Persepktive. Und seit HartzV mit seinem, - VERSICHERUNGs-Beitrags-unabhängigem !!! - zügigem Absturz. Der sogar die mühsam ersparten Rücklagen aus versteuertem Einkommen eines Arbeitslebens angreifen darf.

    Neiddebatte? Nöö, Leute, inzwischen packt auch die, die sich in diesem System ach so sicher fühlten, die Angst, der das gemeine Volk (trotz Aus- und Weiterbildung) seit Langem ausgesetzt ist.

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