Bonuszahlungen

Manager wünschen sich höhere Festgehälter

In guten Jahren können sich Manager über dicke Bonuszahlungen freuen. In der Krise wurden diese zum Teil kräftig gestutzt. Um diesen Schwankungen zu entgehen, fordern viele nun höhere Festgehälter.
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Die Freude über Bonuszahlungen ist nicht bei allen Managern groß. Laut einer Studie lehnen 84 Prozent der Führungskräfte eine Anhebung des Bonusanteils auf Kosten des Festgehalts ab. Quelle: Nils Fliegner

Die Freude über Bonuszahlungen ist nicht bei allen Managern groß. Laut einer Studie lehnen 84 Prozent der Führungskräfte eine Anhebung des Bonusanteils auf Kosten des Festgehalts ab.

(Foto: Nils Fliegner)

Eine wahre Achterbahnfahrt in Sachen Boni haben viele deutsche Manager in den letzten Jahren erlebt. Erhielt zum Beispiel Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann 2007 noch zusätzlich zu seinem Grundgehalt von rund 1,2 Millionen Euro eine üppige Prämie von 12,6 Millionen Euro, brachte er in 2008 gerade mal das Fixum nach Hause. Trotz anhaltender Finanz- und Wirtschaftskrise stieg dann der Bonus des Bankers wieder steil an: Auf 8,2 Millionen Euro belief sich Ackermanns variabler Anteil 2009, in 2010 erhielt er mit 4,65 Millionen Euro dagegen von seiner Vorjahrestantieme nur noch gut die Hälfte. Ein ähnliches Auf und Ab ihrer Boni beobachteten auch Chefs von anderen DAX-Konzernen wie Dieter Zetsche von Daimler oder Martin Winterkorn von VW.

Was Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft erlebten, setzte sich auf den nachgeordneten Management-Rängen fort. Weiter unten in der Managerhierarchie verschärften sich allerdings dadurch mitunter die Existenzbedingungen: So hat Projektmanager Michael Müller* (Name von der Redaktion geändert), der in einem guten Jahr gut 100.000 Euro brutto bei einem großen deutschen Softwareberatungshaus verdient, schon zum zweiten Mal in zehn Jahren nur sein Festgehalt von derzeit rund 55.000 Euro nach Hause gebracht.

Grund für die Beinah-Halbierung des Einkommens: die Kundenaufträge brachen in der Wirtschaftskrise weg, die Auslastung des IT-Spezialisten ließ zu wünschen übrig. Müller erreichte seine Zielvorgabe von 180 Tagen Einsatz bei Kunden nicht. Dementsprechend tendierte sein variabler Gehaltsanteil gegen Null. „Früher machten mir solche Schwankungen nichts aus, ich rechnete nur mit dem Grundgehalt, ein eventueller Bonus floss immer gleich in meine Altersvorsorge“, sagt der 38-Jährige Manager von etwa 20 Mitarbeitern. Aber inzwischen hat der Wirtschaftsingenieur Frau und Kind und denkt auch über einen Hausbau nach, „da brauche ich mehr Kalkulationssicherheit.“

Auf Achterbahnfahrt- Bonusentwicklung für Abteilungsleiter von 2008 bis 2011.

Auf Achterbahnfahrt- Bonusentwicklung für Abteilungsleiter von 2008 bis 2011.

Bei insgesamt 40 Prozent von über 4500 befragten Führungskräften fiel der Bonusanteil wie bei IT-Manager Müller im Jahre 2010 geringer aus als im Vorjahr, als nur ein Viertel von ihnen weniger verdiente. Eine aktuelle Gehaltsstudie durch den Berufsverband „Die Führungskräfte“, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, ergab, dass Bank-Manager besonders gebeutelt waren. Sie mussten im Schnitt Gehaltseinbußen von 23.000 Euro hinnehmen. Auf Platz zwei folgten die Führungskräfte der Autoindustrie mit 19.000 Euro und Stahlmanager mit 16.000 Euro Boni-Einbussen.

„Das Thema Entlohnung ist für viele Unternehmen ein heißes Eisen. Auf breiter Front wird daran gegangen, die Vergütungssysteme neu zu ordnen“, sagt Hans-Georg Blang, Mitglied der Geschäftsleitung der Management-Beratung Kienbaum. Ob Maschinen-, Anlagebau oder Autohersteller – „etwa 70 bis 80 Prozent der klassischen deutschen Industrieunternehmen haben Handlungsbedarf“, schätzt der Experte.

Unzulängliche Gehaltssysteme
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13 Kommentare zu "Bonuszahlungen: Manager wünschen sich höhere Festgehälter"

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  • @ MaWo,

    "Würden nun die Millionäre noch eingebunden lägen wir sicherlich unter 10%."

    So ist es. Mit welchem Recht drücken sich die Reichen vor SOZIAL-Abgaben? Zumal deren Ausschüttung immer weniger nach Beitragsjahren der Einzahler erfolgt? Mir scheint, unsere Sozial-"Versicherungen" dienen inzwischen eh nur noch dem mühsam zusammen gehaltenem, sozialen Frieden. Sowie der Abmilderung von Folgen einer fortwährenden politischen Flickschusterei.

    Liegt den Vermögenden denn gar nichts am sozialen Frieden im Lande, dass sie nicht bereit sind, dafür ihren Beitrag zu leisten? Bisher haben sie m. M. doch recht gut damit / davon gelebt? Man denke nur an "unsere", im internationalen Vergleich, sehr gemäßigten Gewerkschaften. Offensichtlich recht willige Mittäter bei Reallohnverlust, unterlassenem Mindestlohn, "vergessener", aber schon lange nötiger Arbeitszeit-Verkürzung bei laufend steigender Produktivität der hier lebenden Lohnabhängigen. In nicht geringem Maße auch noch mitschuldig am immer weiteren auseinander Driften einer ehemals funktionsfähigen, europäischen Handels-Union - ohne gemeinsame Währung.

    "Die Politik unterstellt Einkunftsbeziehern oberhalb der sog. Beitragsbemessungsgrenze und Selbständigen grundsätzlich die Befähigung sich eigenverantwortlich um ihre Altersscherung zu kümmern."

    Wir könnten auch sagen - der eigenen Klientel lässt man die FREIE Wahl.

    "Sind nun Politiker und deren Begünstigte für eine solche Befähigung zu unbedarft, da deren Versorgung aus den Staatssäckel kommt?"

    Die Folgerung ist gut :-) - das wird mein Nachdenk-Betthupferl für heute ...

  • @ Sylvia,
    in allem Einverstanden.
    Es müsste keine Deckelung geben. Bei einer Abgabe "in Prozentpunkte vom Einkommen" gibt es halt keine Über- oder Unterforderung.
    Bereits in der 14 Legislaturperiode wurde angedacht, würden Alle bis zur Beitragsbemessungsgrenze eingebunden könnte der Beitragssatz ca. halbiert werden (bei ungeschmälerter Gegenleistung). Also von ca. 40% auf ca. 20% der Sozialabgaben.
    Würden nun die Millionäre noch eingebunden lägen wir sicherlich unter 10%.
    Ein weiterer Aspekt:
    Die Politik unterstellt Einkunftsbeziehern oberhalb der sog. Beitragsbemessungsgrenze und Selbständigen grundsätzlich die Befähigung sich eigenverantwortlich um ihre Altersscherung zu kümmern.
    Sind nun Politiker und deren Begünstigte für eine solche Befähigung zu unbedarft, da deren Versorgung aus den Staatssäckel kommt?

  • Mag sein.

    Aber - ist es denn das Problem der Allgemeinheit, wenn sich ein System-Gläubiger derartige Verpflichtungen selbst an's Bein gebunden hat? Weil er lockerflockig dachte, glaubte, rechnete ... IHN würden Krisen niemals treffen ?

    Sorry @ Neid, dass in diesem System seit Jahren etwas schief läuft (z. B. mit den Null-Finanzierungen, Hausverkäufe ohne Eigenkapital, Schulden immer mehr, immer höher, dafür sinkende Zinsen für konservative Sparanlagen) habe ich als piepnormale Kauf- und Hausfrau gefühlt. Seit dem offenen Ausbruch der Krise (Dotcom-Blase + 2008) schwant mir auch zunehmend mehr, woran das System krankt.

    Und das sollen also deutlich besser Gebildete so absolut nicht erkannt haben? Um für den evtl. Einbruch ihrer Einkommen vorzusorgen? Ganz schön blauäugig, finde ich.

    Otto Normalo muß seit Jahrzehnten mit den plötzlichen Wegfall seines Arbeitsplatzes rechnen. Immer öfter ohne Aussicht auf Wiederanstellung, ohne berufliche Persepktive. Und seit HartzV mit seinem, - VERSICHERUNGs-Beitrags-unabhängigem !!! - zügigem Absturz. Der sogar die mühsam ersparten Rücklagen aus versteuertem Einkommen eines Arbeitslebens angreifen darf.

    Neiddebatte? Nöö, Leute, inzwischen packt auch die, die sich in diesem System ach so sicher fühlten, die Angst, der das gemeine Volk (trotz Aus- und Weiterbildung) seit Langem ausgesetzt ist.

  • @ MaWo,

    "warum muss das in eine Neiddebatte münden?
    Ein ordentliches Gehalt von dem Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden - dann wäre doch alles in Ordnung."

    1.) Ich habe absolut nichts gegen ein ordentliches Gehalt, gemessen an Zeit- und Geld-Investitionen in Ausbildung, Zusatz-Qualifikationen, Engagement und Einsatzbereitschaft für die Firma, Erfahrung o. Ä.

    2.) Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem ordentlichen Gehalt im Großkonzern, im Mittelstand und bei Eigentümern kleinerer Betriebe. Wobei ich inzwischen glatt vermuten würde, das muss NICHT an der mitgebrachten Qualifikation o. Ä. liegen? Und auch nicht am Dr.-Titel ;-). Lukrative Global-Player-Pöstchen verteilen elitäre Klüngel nämlich m. M. nur zuu gerne unter sich. Gibst Du mir, geb' ich Dir ...

    2.) Sozialabgaben auf hohe und immer höhere Einkommen sind gedeckelt: http://de.wikipedia.org/wiki/Beitragsbemessungsgrenze

    3.) der offizielle Steuersatz kann in diesem Kreisen munter nach unten schön gerechnet werden. Davon lebt eine ganze Branche gut.

    4.) Zusätzlich verfügen diese Kreise über rege globale Beziehungen, die ihnen immer noch so einige Wege zur Steuerpflicht frei halten dürften.

    Darin kann ich persönlich eher eine politisch gewollte, grundsätzliche Schieflage im System, denn eine Neiddebatte erkennen.

    Der viel-strapazierte Begriff "Neiddebatte" scheint mir im Übrigen inzwischen arg abgenutzt, so als bequemes Abwehrmittel bei den anstehenden, auch nur etwas kritischeren System-Diskussionen ...

  • Aber ja - natürlich.

    Spielen diese "elitären" Bisher-Profiteure jetzt Alle nur noch zu Lasten der Endkunden <ich wünsch' mir 'was> oder <wie es mir gefällt>???

    Sie wollten Boni, sie haben Boni. Und davon zu viele und auf Basis doch recht dubioser Berechnungs-Praktiken.

    Zusätzlich gab es seit mindestens 10, 20 Jahren völlig überzogene Zuwächse der Manager-Gehälter, die sich von der allgemeinen Lohnentwicklung massiv losgelöst und die soziale Schere immer weiter geöffnet haben.

    Außerdem liest man, dass sogenannte "deutsche" Konzerne über relativ wenig Eigenkapital verfügen und daher arg abhängig von einem funktionierenden Kapitalmarkt sein sollen.

    Da schlage ich doch vor, statt der Produktion höherer Fixkosten / Fixgehälter vorsorglich das Eigenkapital der Konzerne zu erhöhen. Oder soll der Steuerzahler nach der zweiten Bankenrettung auch noch die eport-fixenden Global Player retten müssen?

  • Ich wünsche mir doppelte Rente und für jedes Jahr das ich überlebe einen Bonus von 50 000 €.

  • Schon mal nach einem neuen Job umgeschaut wenn es bei der Firma so sch... ist

  • @Phiipp
    Stimmt mit dem Jammern auf hohem Niveau!
    Bitte aber nicht vergessen, dass jemand der jahrelang ein solches Einkommen hatte, oft auch hohe Fixkosten pro Monat hat. Die dann wirklich wehtun, wenn nur noch das Grundgehalt kommt. Dann kann es passieren, dass das "freie Geld" niedriger ist als bei dem sog. Normalverdiener.

  • Auch ich habe seit Jahren Lohneinbußen von 23%. Während sich in der gleichen Zeit die Führungsebene unseres Hauses reichlichst selbst belohnt hat. Hat einer von denen vielleicht gefragt wie ich seit nun einmal mehr als 5 Jahren mit diesem fehlenden Geld zu kämpfen habe? Das interessiert auch keinen von diesen Herren. Aber die eigene Tasche sitzt bekanntlich am nächsten und wenn es da auf einmal weh tun soll ist das Geschrei groß!

  • Es ist vollkommen klar das jemand der jahrelang studiert hat und/oder eine entsprechende Position inne hat ein dementsprechendes Gehalt bekommt, hat er sich auch in meinen Augen völlig verdient.
    Aber in diesem Fall ist das für mich jammern auf hohem Niveau, immerhin wurden hier "nur" Zulagen gekürzt, das Grundgehalt hat sich ja nicht verändert.

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