Boxclever-Affäre Ex-Starbankerin kauft sich frei

Die frühere Londoner WestLB-Starbankerin Robin Saunders lässt es sich eine Million Euro kosten, aus der Affäre um den Milliardenkredit für den gescheiterten britischen TV-Geräteverleiher Boxclever ohne Gerichtsverfahren herauszukommen. Ihr einstiger WestLB-Chef Jürgen Sengera will lieber vor den Kadi treten.
Die Ex-WestLB-Investmentbankerin Robin Saunders. Foto: dpa

Die Ex-WestLB-Investmentbankerin Robin Saunders. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Montag mitteilte, hat sie das Ermittlungsverfahren gegen Saunders wegen Beihilfe zur Untreue mit Zustimmung des Düsseldorfer Landgerichts gegen Zahlung von einer Million Euro eingestellt. Zwei weitere ehemalige Mitarbeiter der Londoner WestLB-Niederlassung zahlten für die Einstellung der Verfahren gegen sie 270 000 und 90 000 Euro. Saunders hatte den Kredit an Boxclever als Chefin der Londoner WestLB-Abteilung Principal Finance eingefädelt.

Sengera, der eine Verfahrenseinstellung gegen Geldzahlung abgelehnt hat, klagt die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben vom Montag wegen Untreue an. Der frühere Spitzenmanager sei in seiner Zeit als Vorstandsmitglied der WestLB für einen Schaden von 427 Millionen Euro verantwortlich, der der Landesbank durch den geplatzten Kredit an den britischen Fernseherverleiher Boxclever entstanden sei. Sengera habe den Kredit über 1,35 Milliarden Euro ohne ausreichende Risikoprüfung bewirkt. Boxclever war mit der Geschäftsidee gescheitert, Elektrogeräte wie Fernseher an die Kunden zu vermieten.

Sengeras Verteidiger Christian Richter warf den Anklägern vor, „einen strafrechtlichen Vorgang zu konstruieren“. Der Vorstand habe dem Kredit einstimmig zugestimmt. Die Kriminalisierung dieser Entscheidung sei zum Scheitern verurteilt, erklärte der Kölner Anwalt. Sengera habe es deshalb abgelehnt, einen Strafbefehl zu akzeptieren und das Verfahren damit ohne Strafprozess zu beenden.

Über die Eröffnung der Hauptverhandlung gegen Sengera muss nun Richterin Brigitte Koppenhöfer am Düsseldorfer Landgericht entscheiden. Koppenhöfer hatte den Mannesmann-Prozess in erster Instanz geleitet und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die übrigen Angeklagten freigesprochen. Ein zweiter Prozess gegen Ackermann und andere frühere Vorstände und Aufsichtsräte des Unternehmens wurde gegen Zahlung hoher Geldsummen an die Staatskasse und an gemeinnützige Einrichtungen eingestellt.

Die WestLB hatte in den Jahren 2002 und 2003 insgesamt rund 3,6 Milliarden Euro Verlust verbuchen müssen. Boxclever gilt als das verheerendste Kreditgeschäft der ehemaligen Landesbank. Nachdem die Bankenaufsicht Bafin nach einer Prüfung des Geschäfts „Zweifel an der fachlichen Eignung und Zuverlässigkeit der zuständigen Vorstandsmitglieder“ geäußert hatte, trat Sengera am 23. Juni 2003 zurück. Der frühere Handball-Nationaltorhüter Sengera hatte den Vorsitz im WestLB-Vorstand 2001 von Friedel Neuber übernommen.

Die Finanzaufsicht hatte dem Management 2003 gravierende Mängel attestiert und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Risikokontrolle sei unzureichend gewesen und habe wegen organisatorischer Defizite nicht gegriffen. Zudem sei der Kreditausschuss vom Vorstand in wesentlichen Teilen über das Boxclever-Geschäft unzutreffend informiert worden.

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