Branche arbeitet an Quotenverordnung: Versicherer wollen mehr Spielraum bei Gewinnverteilung

Branche arbeitet an Quotenverordnung
Versicherer wollen mehr Spielraum bei Gewinnverteilung

Künftig sollen die Kunden nicht mehr jährlich 90 Prozent der Kapitalerträge erhalten.

DÜSSELDORF. Die deutschen Lebensversicherer rütteln an der vorgeschriebenen Gewinnbeteiligung ihrer Kunden. Sie wünschen sich eine größere Flexibilität bei der Verteilung der Gewinne zwischen Kunde und Aktionär.

Konkret geht es um eine Änderung der gesetzlichen ZR-Quotenverordnung; nach der müssen bisher 90 % der Überschüsse aus der Kapitalanlage den Kunden gutgeschrieben werden. Ziel ist, in schlechten Jahren weniger zahlen zu müssen. In guten Jahren soll dagegen mehr als bisher ausgeschüttet werden, so dass am Ende der Versicherte keinen Schaden hat.

„Ich weiß, dass es solche Überlegungen gibt“, sagte Heinz-Peter Roß, Vorstand bei der Axa, dem Handelsblatt. Seiner Ansicht nach würden Kunde und Aktionär von einer Änderung profitieren: Sowohl die Überschussbeteiligung der Versicherten als auch die Renditen der Aktionäre würden sich über die Jahre verstetigen. Auch Michael Rosenberg, Chef der Victoria, bestätigt Gespräche der Branche.

Die Hintergründe für die Überlegungen sind vielschichtig: Vor allem leidet die Ertragskraft der Versicherer seit gut drei Jahren unter extrem niedrigen Zinssätzen und bis März 2003 unter schwachen Börsen. Viele der rund 120 deutschen Lebensversicherer haben an den Kapitalmärkten nicht mal mehr die den Kunden versprochenen Garantien erwirtschaften können. Sie mussten ihre Reserven angreifen. Die sind nun mehr oder weniger aufgebraucht. In den fetten Jahren war an den Kapitalmärkten locker das Doppelte des Garantieniveaus rauszuholen. Und zehn Prozent von der den Garantiezins übersteigenden Rendite war für die Eigentümer auskömmlich, zumal die Produkte als risikolos galten und von daher nur wenig Eigenkapital beanspruchten. Inzwischen hat sich gezeigt, wie riskant langlaufende Garantieprodukte wie Lebensversicherungen bei sinkenden Kapitalmarktrenditen sind. Außerdem ist das Zinsniveau drastisch eingebrochen.

Schützenhilfe kommt von offizieller Seite: So sieht der Internationale Währungsfonds die Widerstandskraft der deutschen Lebensversicherer nachhaltig geschwächt und fordert eine engere Beaufsichtigung sowie die Verbesserung der Fähigkeit zur Eigenkapitalbildung. In ihrem Bericht über den Finanzplatz Deutschland monierten die Währungshüter Ende 2003 eine zu geringe Eigenkapitalausstattung: „Der hohe Anteil der Gewinne, der an die Versicherten ausgeschüttet werden muss, reduziert die Flexibilität der Unternehmen.“ Die Regierung solle die Branche deshalb von der Vorschrift befreien, 90 % ihrer Gewinne an die Kunden zu verteilen. In anderen europäischen Ländern wie Italien oder Großbritannien gelten flexiblere Regelungen. Auch in der deutschen privaten Krankenversicherung müssen nur 80 % ausgeschüttet werden.

Von einer Änderung würden die deutschen Lebensversicherer auch im Zuge der Umstellung auf internationale Bilanzierungsregeln profitieren. Hier erwarten Experten einen wachsenden Eigenkapitalbedarf für die Versicherer. Immer weniger Gesellschaften können aber ihr Kapital selbst erwirtschaften. So ist die Umsatzrendite der Lebensversicherer nach Auskunft der Axa im Zeitraum von 1998 bis 2002 von im Schnitt 1,4 auf nunmehr 0,4 % gesunken.

Es liegt nahe, dass die Versicherer nach Wegen suchen, um für Investoren interessanter zu werden. Dabei kommt ihnen die seit 1994 geltende Überschussregelung schon etwas entgegen. Sie besagt im Grunde, dass die 90 %-Regelung nur auf Kapitalerträge angewandt werden muss. Viele Versicherer erwirtschaften aber auch aus ein bis zwei anderen Quellen Gewinne, beispielsweise aus niedrigeren Verwaltungskosten. Hier verlangt die Aufsicht aber nur eine „angemessene“ Beteiligung. In der Regel schütten die Unternehmen aus diesen Quellen die Hälfte an die Versicherten aus.

In den vergangenen Jahren haben die Versicherungen ihre Kunden bereits kontinuierlich weniger an den Gewinnen beteiligt. Vorher hatten sie auf einen Großteil ihrer eigenen Ansprüche – die gesetzlich erlaubten zehn Prozent – zu Gunsten der Kunden verzichtet.

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