Branche eilt von Rekord zu Rekord, doch Verbraucherschützer beschweren sich über mangelnden Wettbewerb: „Britische Banken verdienen zu viel“

Branche eilt von Rekord zu Rekord, doch Verbraucherschützer beschweren sich über mangelnden Wettbewerb
„Britische Banken verdienen zu viel“

Schwierigkeiten wie diese dürften sich die deutschen Banken wünschen: Die britischen Kreditinstitute kommen wegen ihrer hohen Gewinne unter Druck. Der heimische Verbraucherverband wirft den „großen vier“ – also den Schwergewichten HSBC, Royal Bank of Scotland, Barclays und Lloyds TSB – vor, ihre Gewinne auf dem Rücken der immer stärker verschuldeten Privatverbraucher zu erwirtschaften. „Die Konkurrenz im Finanzsektor läuft überhaupt nicht“, sagt Mick McAteer, Principal Policy Advisor der Verbraucherschützer. Service und Preis seien „fürchterlich“.

LONDON. Die aktuelle Diskussion entsteht vor dem Hintergrund der Jahresergebnisse der Royal Bank of Scotland. Vorstandschef Fred Goodwin dürfte Analystenschätzungen zufolge morgen einen Rekordgewinn von sechs Mrd. Pfund (knapp neun Mrd. Euro) vor Steuern für das Jahr 2003 vorlegen. Die Debatte könnte aber genauso gut durch die anderen Institute ausgelöst werden. Fakt ist, dass die „großen vier“ auf einen Marktanteil jenseits der 70 % kommen und damit praktisch unter sich sind. Allzu hart war der Konkurrenzkampf zuletzt offenbar wohl nicht: Erst in der vergangenen Woche hatte die drittgrößte Bank Barclays einen gegenüber dem Vorjahr um 20 % verbesserten Vorsteuergewinn von gut 3,8 Mrd. Pfund vorgelegt. Zu dem Barclays-Ergebnis trugen fünf der sieben Sparten mit Rekordzahlen bei. Auch Lloyds TSB mit einem erwarteten Ergebnis vor Steuern von mehr als 4,4 Mrd. Pfund und HSBC mit geschätzten fast 13 Mrd. Pfund dürften in den kommenden Wochen ein optimales Geschäftsjahr 2003 vermelden.

Die Verbraucherschützer erzürnt, dass die Briten trotz eines riesigen Schuldenbergs zum Konsum animiert werden. Im Dezember vergangenen Jahres hatte jeder Verbraucher Angaben der Bank von England zufolge ungesicherte Rückstände von mehr als 3 600 Pfund – zusätzlich zu seinem Hypothekenkredit. In Großbritannien besitzt die Mehrheit der Privatpersonen eine oder mehrere Immobilien. Im Gegensatz zu Hauskrediten sind die durch Kreditkarten und Kontoüberziehung verursachten, „ungesicherten“ Schulden für Verbraucher deutlich unangenehmer, weil sie darauf Zinsen um 15 % zahlen. Die britischen Währungshüter sehen die Verschuldung (noch) nicht als Problem an – auch weil nur etwa ein Zehntel der Haushalte sie als „starke Bürde“ bezeichnet. Doch selbst wenn die Zentralbank den Verschuldungsdrang der Bevölkerung verhindern wollte – ihre Mittel bleiben vorerst limitiert. Die Bank von England stellte in ihrem jüngsten Inflationsreport Mitte Februar fest, dass die Zinserhöhung im November „die Nachfrage der Verbraucher nicht signifikant beeinflusst“ hat. Im Februar stiegen die Zinsen erneut um 25 Basispunkte auf 4,0 %.

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