Brexit

Deutsche Städte ringen um Londoner Firmen

Die Marketinggesellschaft Frankfurts will in London auf Werbetour gehen. Doch internationale Topbanker mäkeln an Frankfurt herum – und für den „talk of town“ in London sorgt Berlin. Dank Werbehilfe der FDP.

Finanzplatz Frankfurt nach dem Brexit - Warten auf die große Chance

Finanzplatz Frankfurt nach dem Brexit - Warten auf die große Chance

Frankfurt An eines glauben alle: Frankfurt wird vom Brexit-Votum profitieren, der Finanzstandort an Bedeutung gewinnen. So groß das Bedauern darüber ist, dass die Briten die EU verlassen – so groß ist auch die Hoffnung auf einen neuen Schub. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erkennt eine „Boomsituation“ für die Stadt und die Region. Er meint sogar, es werde künftig schwierig, in Frankfurt arbeitslos zu sein.

Mehr als 10.000 neue Jobs – manche Schätzungen reichen bis 20.000 – könnten in der deutschen Finanzmetropole entstehen. Denn viele Londoner Finanzhäuser dürften Arbeitsplätze in andere Städte verlagern, weil ein Sitz außerhalb eines EU-Staats künftig von Nachteil sein kann. Dublin, Luxemburg, Paris und eben Frankfurt gelten als mögliche Ziele.

Werbetouren an der Themse

Mehrere Werbetouren an der Themse planen Frankfurt in Hessen, in Kürze soll es bereits losgehen. „Wir‎ sind schon kräftig dabei und wir werden die nächsten Wochen nutzen, um Entscheider in London gezielt anzusprechen: im direktem Gespräch, in Briefen und auch in Anzeigen“, sagt der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne).

Der Wettbewerb ist voll entbrannt. Denn während Frankfurt noch plant, wird in Berlin schon gefeiert. Die FDP setzte am Dienstag auf Guerilla-Werbung zugunsten der Hauptstadt. Sie schickte einen Lkw durch die britische Hauptstadt. Aufschrift: „Keep calm and move to Berlin.“

Was den Londoner Banken vor allem schaden dürfte, ist der Verlust der sogenannten Passport-Rechte. Bisher gilt: Wenn ein Institut in Großbritannien eine Banklizenz hat, kann es in allen anderen EU-Mitgliedstaaten ohne weitere Prüfungen Firmen an die Börse bringen, bei der Ausgabe von Anleihen beraten oder Zertifikate verkaufen. Das macht London für US-Banken so reizvoll und hat dazu beigetragen, dass die britische Hauptstadt zu einer der führenden Finanzmetropolen aufstieg. Jetzt müssen vor allem die US-Geldhäuser Alternativen suchen und sich in einem anderen EU-Land eine Banklizenz besorgen.

Diese Städte wollen das nächste London sein
Dublin
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Die irische Hauptstadt lockt vor allem mit niedrigen Steuersätzen für Unternehmen. Damit hat Irland bereits große US-Konzerne überzeugt – und zugleich Kritik auf sich gezogen. Der IT-Riese Google zum Beispiel muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er den deutschen Fiskus austrickst.

Dublin
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Um sich dem Zugriff des Staates zu entziehen, verschieben einige Unternehmen über ihre Niederlassungen in Irland Gewinne in andere Steueroasen. Punkten kann Dublin natürlich auch damit, dass Englisch gesprochen wird. Gegen den Standort spricht aber, dass er nicht gerade zentral in der EU liegt und auch nicht gerade viele Banker unbedingt dort hinziehen werden.

Paris
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Der französische Staatschef François Hollande hat gleich Paris als Alternative zu London ins Spiel gebracht – und Banken Hoffnungen auf Steuererleichterungen gemacht. Die Regierung müsse daher „unsere Regeln, darunter die fiskalischen, anpassen, um den Finanzplatz Paris attraktiver zu machen“, sagte Holland. Paris hat als Bankenstadt bereits eine Bedeutung – allein schon, weil die großen französischen Banken dort ihren Hauptsitz haben.

Paris
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Und wenn es um Kultur, Lifestyle und Nachtleben geht, hängt Paris sowieso alle anderen Städte ab. Die Attraktivität Paris‘ ist zugleich ein Manko. Die Stadt ist extrem teuer, die Wege sind weit.

 

Luxemburg
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Dass Luxemburg ein wichtiger Finanzplatz in der EU ist, ist unbestritten. Viele Banken, Fondsgesellschaften und Dienstleister haben dort große Büros. Der Großteil der Fonds, die in Deutschland verkauft werden, wurde nach den Luxemburger Regeln gestartet.

Luxemburg
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Und ähnlich wie Dublin hat auch das Großherzogtum Unternehmen mit geringen Steuersätzen angelockt. Diese Praxis ist aber mehr denn je hochumstritten. Zudem ist die Stadt mit rund 110.000 Einwohnern alles andere als groß. Fraglich wäre, ob dort einfach tausende weiterer Banker hinziehen könnten.

New York
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New York ist das globale Finanzzentrum. Viele Banken aus aller Welt haben ohnehin einen großen Standort dort. Deshalb dürfte in einigen Fällen – wenn es nicht um das Europageschäft geht – naheliegend sein, Jobs von London nach New York zu verlagern. In einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group nannten Topbanker von sich aus New York als beste Alternative zu London.

Eine enorme Chance für Frankfurt. Den ersten Schock über das Abstimmungsergebnis hat der Oberbürgermeister verdaut und setzt darauf, „dass wir gemeinsam das Beste daraus machen.“ Gemeinsam, denn die Wirtschaftsförderung und Marketinggesellschaft von Stadt sowie Region sind längst dabei, Londoner Bankern Frankfurt als Alternative schmackhaft zu machen.

Dabei geht es auch um die Frage, womit sich die Banker locken lassen und welche Informationen sie brauchen. „Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“, sagt Eric Menges, der Chef der Marketinggesellschaft Frankfurt Rhein Main. Auch wenn keiner mit dem Brexit-Votum gerechnet hat – eine Internetseite „Welcome to Frankfurt Rhein Main“ war wenige Minuten nach dem offiziellen Ergebnis des Referendums live geschaltet.

„Wir sind gerne auf Platz eins“
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