Brexit-Sorge
Deutsche Bank fällt auf Rekordtief

Die Angst vor einem Brexit lässt die Kurse von Europas Banken einbrechen. Aber es sind auch hausgemachte Probleme, die den Investoren des Frankfurter Geldhauses große Sorgen bereiten.
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FrankfurtAm Mittwoch Abend hielt Paul Achleitner, der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, eine Rede in New York. Sein wichtigstes Anliegen: „Ein Brexit wäre ein ökonomisches Desaster für Großbritannien und eine politische Katastrophe für die EU“. Was Achleitner nicht erwähnte: Auch für die Deutsche Bank wäre der Ausstieg der Briten aus der EU ein schwerer Rückschlag.

Denn es ist vor allem die Angst der Investoren vor einem Brexit, die die Deutsche-Bank-Aktie am Donnerstagmorgen auf einen neuen Tiefstand fallen ließ. Nur noch 12,84 Euro wollten die Anleger für die Papiere bezahlen. Das ist noch einmal weniger als im Februar. Damals war die Aktie auf 13,03 Euro eingebrochen. Die Investoren hatten sich Sorgen gemacht, ob die Deutsche Bank genügend Geld verdienen kann, um die Zinsen für ihre riskantesten Schulden zu bezahlen.

Auch andere europäische Bankaktien leiden unter der Brexit-Angst. Der europäische Bankenindex ist in den vergangenen zwei Wochen bereits um mehr als zwölf Prozent eingebrochen. Andere Großbanken wie die italienische Unicredit oder die portugiesische Millenium BCP sackten ebenfalls auf neue Allzeittiefs.

Hinter der Brexit-Angst stecken kurzfristige und langfristige Faktoren. In den vergangenen Tagen haben die britischen EU-Gegner in den Umfragen deutlich Boden gut gemacht. Sollte es bei der Volksabstimmung am 23. Juni tatsächlich zu einem Brexit kommen, befürchten Experten heftige Kursausschläge an den Devisen-, Anleihe- und Aktienmärkten, die zu einer Belastungsprobe für die Stabilität des Finanzsystems und damit für die Banken werden könnten.

Aber selbst wenn sich die Märkte irgendwann wieder beruhigt haben, droht den Geldhäusern Ungemach. London ist eines der wichtigsten Nervenzentren der globalen Finanzwelt. Viele internationale Banken steuern ihr Europageschäft von dort aus, weil sie dank EU-Mitgliedschaft Großbritannien problemlos als Sprungbrett für den Kontinent nutzen können.

Diese Konstellation hat entscheidend zum rasanten Aufstieg der Londoner City beigetragen, die zum Beispiel im Devisen- und Derivatehandel die unangefochtene Nummer eins der Welt ist. Sollten sich die Briten nun für einen Ausstieg aus der EU entscheiden, geriete dieses Gleichgewicht aus der Balance. Dem Herz der europäischen Finanzindustrie würden gefährliche Rhythmusstörungen drohen. Da überrascht es nicht, dass die Nervosität an den Märkten proportional zum Erstarken der Europa-Gegner in den Umfragen wächst.

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Viele hausgemachte Probleme der europäischen Banken

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  • Teil III
    "Die EU ist eine wirtschaftliche und demokratische Katastrophe. Der Euro hat schon Millionen von Menschen in Schwierigkeiten gebracht. In Zukunft werden Hunderte Millionen betroffen sein, weil das ganze Projekt auf einer Lüge beruht."
    [Nigel Farage - britischer Politiker und seit 1999 Mitglied des Europäischen Parlaments]

    Verfassungsnotstand - Rechtsbruch am Fließband!
    12.07.2012. Paul Kirchhof zur Krise der EU: Die EU steckt in der Krise, weil Recht mit Füßen getreten wurde und wird. Und wir spielen weiter mit dem Feuer: Eine Instabilität des Rechts wiegt schwerer als eine Instabilität der Finanzen. Wer das nicht begreift, dem hilft auch keine Zentralgewalt mehr.

    Kapitulation vor dem Monopoly-Monster . Kampf um neue Finanzarchitektur, 22.12.2009.
    Es ist der Skandal des Jahres: Die Investment-Banker, die fast die Welt in den finanziellen Abgrund gerissen hätten, spielen wieder ihr Billionen-Monopoly. Wir erleben jetzt den Showdown zwischen einer globalen Geld-Oligarchie und der Politik - in dem die USA, Großbritannien und China eine fatale Rolle spielen. Die Politiker schauen dem Treiben zu.
    Geradezu absurd, dass die Verursacher der Krise nun die dicken Gewinner sind. Sie profitieren von dem Notenbankgeld, das es für sie praktisch zum Nulltarif gibt. Sie sind es, die all die Schuldscheine der Regierungen an die Investoren weiterreichen und satte Provisionen bei diesem Geschäft einstreichen.

    Kurze Zusammenfassung: Der Brexit wäre ein Segen für die Bürger Europas. Ob die Deutsche Bank und andere „Geldhäuser“ dann kollabieren ist absolut unwichtig. Die müssen es dann halt mal mit Arbeiten versuchen und nicht die Sparanlagen ihrer Kunden plündern. Straffrei natürlich!

  • Banken verursachen Schäden, für die wir alle bezahlen
    Bankenregulierung 04.03.2010
    Die Staatshilfen für Banken haben einen fünfstelligen Milliardenbetrag erreicht - und das ist noch nicht alles. Wie die Banken zum eigenen Vorteil Werte vernichten und was noch auf uns zukommt.

    Die Wert-Zerstörer
    04.03.2010. Banker, die in der Londoner City arbeiten und jährlich zwischen 500.000 und zehn Millionen Pfund einstreichen, zerstören für jedes Pfund Sterling, das sie an Wert schaffen, sieben Pfund Gemeinschaftsvermögen, heißt es in einer Studie des britischen Thinktanks nef.

    Das Experiment mit der Währungsunion. Prof. Nölling:
    „Was die Politik bewirkt, ist, dass in Europa die Hülle Währungsunion aufrechterhalten wird, bei gleichzeitiger Zerstörung des wirtschaftlichen und sozialen Kerns dieser Wirtschaftsordnung, mit unabsehbaren Folgen auch für das friedliche Neben- und Miteinander in dieser Zone. Man hatte uns ja versprochen, dass dies alles besser wird, dass die europäische Solidarität in dem Masse nicht gefordert würde, wie sie heute gefordert und durchgesetzt wird, dass es ein friedliches Neben- und Miteinander auf Dauer geben wird.
    Wir müssen befürchten, dass gerade das Umgekehrte eintreten wird. Dies ist auch ein wesentlicher Grund dafür, wieso wir besorgt sind über die Entwicklung die eingeleitet worden ist durch die Bundesregierung, die unterstützt hat, was handstreichartig wie ein Putsch in Brüssel ausgeheckt worden ist. Vielen Dank“

    Merkel nimmt für Europa sogar 60 Prozent Arbeitslose in Kauf
    Madame Murksel zu Nigel Farage: „Es ist uns völlig egal, ob die Jugendarbeitslosigkeit die 60-Prozent-Marke erreicht. Es ist uns völlig egal, ob 25 Prozent der Privatunternehmen zusammenbrechen. Es ist offen gesagt sogar egal, ob ganz Griechenland zusammenbricht, solange wir das europäische Projekt erhalten.“

  • Ein Brexit wäre der schon längst überfällige Anfang des Experiments, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war: Das uneffektive und nur auf sein eigenes Wohl bedachte Brüssel mit all seinen Vasallen und Nutznießern – die EU und der Euro.

    Ein Brexit wäre der Anfang einer Kettenreaktion auf dem Weg zum friedlichen Europa, zurück zur EWG, zurück zu den Landeswährungen, zurück zu Wohlstand und Vollbeschäftigung. Also genau das Gegenteil von dem was seit ein paar Jahren die Bürger Europas auseinanderdividiert. Und dieser Reinigungsprozess würde sich bis in die hintersten Bankbilanzen fortsetzen, zum Wohle der Bürger Europas.

    LONDON im Zentrum des Betrugs
    06.10.2012. London entwickelte sich in den vergangenen Jahren von der einstigen Vorzeige-Metropole zum Hauptschauplatz für Zinsmanipulationen und Anlagebetrug. Um diese Wandlung zu verstehen, muss man ein paar Jahre zurückblicken.
    Kriminalität wie im Fall Libor gebe es an vielen Stellen: "Viele Leute sagen mir, man kann fast jedes Geschäftsfeld nehmen - wenn man lange genug bohren würde, stieße man überall auf ähnliche Machenschaften". Oft schaue das Führungspersonal in den Geldinstituten ganz bewusst weg und dulde Aktionen am Rande des Erlaubten oder darüber hinaus. Außerdem gebe es in der Geldbranche kaum Loyalität. "Nicht gegenüber der eigenen Bank, nicht gegenüber den Kollegen und nicht gegenüber den Kunden."

    Bankster kassieren so viel wie nie
    140 MILLIARDEN DOLLAR GEHÄLTER AN DER WALL STREET 07.04.2010
    Es macht sprachlos und wütend: Die internationalen Bank-Manager kassieren schon wieder ab. Und zwar so viel wie noch nie! Trotz Staatshilfen in Milliardenhöhe und weltweiter Wirtschaftkrise!
    140 Milliarden Dollar überweisen die führenden 38 Banken an der New Yorker Wall Street an Gehältern. Das ist Rekord! Zur Erinnerung: Der amerikanische Staat bewahrte 2008 die Finanzhäuser an der Wall Street mit Hilfen über 700 Milliarden Dollar vor dem Aus.

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