Briefkastenfirmen

Warum Panama uns näher liegt, als wir dachten

Die „Panama Papers“ enthalten nichts Neues, sagen Kritiker. Sie liegen falsch. Das zeigt allein schon die Reaktion der deutschen Banken, die Kunden den direkten Draht in die Steueroase geboten haben. Eine Replik.
Stadtpanorama von Panama City: Wachstum als Steueroase. Quelle: Reuters
Skyline

Stadtpanorama von Panama City: Wachstum als Steueroase.

(Foto: Reuters)

FrankfurtWie viele Offshore-Firmen dürfen es denn heute sein: zwei, drei oder vier? Mitarbeiter deutscher Banken haben offenbar jahrelang bei der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca für ihre Kunden Briefkastenfirmen geordert – fast so, als gehe es um eine Bestellung beim China-Lieferdienst. Die Firma Nummer Drei ist aus? Dann bitte die Fünf und die Dreizehn obendrauf – aber bitte ohne scharf.

So ähnlich lesen sich die Mailwechsel zwischen Mitarbeitern deutscher Banken und Mossack Fonseca, aus denen die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert hat. Dass wir überhaupt wissen, welchen freundschaftlichen Ton deutsche Banker mit den Briefkastenkönigen pflegten, haben wir den „Panama Papers“ zu verdanken – und vieles mehr. Trotzdem ließ die Kritik nicht lange auf sich warten: „Das wussten wir doch schon vorher!“, kommentieren manche Journalisten. „Das ist alles nicht verboten!“, verteidigen sich die Banker. „Das ist alles nur Inszenierung!“, sagen Politiker. Sie alle liegen falsch.

Diese Banken sind in die Panama-Affäre verwickelt
Der Sitz von Mossack Fonseca in Panama
1 von 11

Ein internationales Recherchenetzwerk hat Daten der Kanzlei „Mossack Fonseca“ aus Panama ausgewertet, die sogenannten Offshore-Firmen in Steueroasen registriert. Im Auftrag von Banken hat die Kanzlei für viele Kunden solche Konstrukte angelegt, die oftmals der Steueroptimierung dienen.
Laut Georg Mascolo, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung seien auch deutsche Banken in die Geschäfte verwickelt. Er sagte am Sonntagabend: „Wenn Sie mich fragen würden, welche der deutschen Banken eigentlich nicht dabei gewesen ist, Kunden zu helfen, zu „Mossack Fonseca“ zu gehen, müsste ich lange nachdenken, ob mir überhaupt eine einfällt.
Die Commerzbank hatte beispielsweise im vergangenen Jahr bereits 17 Millionen Euro Bußgeld wegen umstrittener Geschäfte in Panama und Luxemburg gezahlt.

Platz 10: Rothschild Trust
2 von 11

Die Funktionsweise von Mossack Fonsecas Geschäft: Für nur wenige Tausend Dollar bekommt der Kunde eine anonyme Firma. Die Kanzlei stattet die Firma mit Scheindirektoren aus und verschleiert damit den wahren Eigentümer. Dieses Geschäftsmodell ist moralisch zweifelhaft, sie sind aber nicht per se illegal. Der ausgewertete Datensatz zeigt, welche Institute über die Kanzlei in Panama die meisten Schattenfirmen registrierten. Auf Platz 10 landet die Investmentbank Rothschild, eine Tochtergesellschaft des Unternehmens registrierte für seine Kunden 378 Offshore-Unternehmen.

Quelle: ICIJ

Platz 9: Landsbanki Luxembourg
3 von 11

Die Landsbanki Luxembourg ließe den Daten zufolge 404 Schattenfirmen registrieren.

Platz 8: Société Générale
4 von 11

Die Luxemburg-Tochter der französischen Großbank Société Générale hat 465 Offshore-Unternehmen für seine Kunden registriert.

Platz 7: Coutts
5 von 11

Die britische Privatbank kommt auf eine Zahl von 487 Schattenfirmen, die für ihre Kunden registriert wurden.

Platz 6: UBS
6 von 11

Die Schweizer Großbank UBS ließ im Auftrag seiner Kunden 579 Schattenfirmen registrieren.

Platz 5: HSBC Schweiz
7 von 11

Die Schweiz-Tochter der britischen Großbank HSBC wickelte Deals mit 733 Schattenfirmen ab. Fasst man alle HSBC-Töchter zusammen, landet die britische Bank sogar auf Rang 1 der Geschäftspartner von Mossack Fonseca – mit mehr als 2.300 registrierten Firmen.

Als die „Panama Papers“ veröffentlicht wurden, ließ die Kritik an den Recherchen nicht lange auf sich warten. Von „zweifelhaftem Erkenntniswert“ war die Rede. Vertraute von Vladimir Putin verschoben Milliarden über Offshore-Firmen? So what! Dass Diktatoren, Fußballstars und Staatschefs korrupt sein könnten, haben schließlich alle irgendwie geahnt. Wer so argumentiert, hat längst aufgegeben. Oder frei nach Helge Schneider: „Die Welt ist krank, und der Arzt hat frei“. Aufgabe von Journalisten ist es, trotzdem auf verdächtige Geschäfte hinzuweisen, in der Hoffnung, dass die Welt dadurch ein kleines bisschen weniger schlimm wird.

Natürlich wäre es schön, wenn die Dokumente der panamaischen Kanzlei auf einen Schlag das Rätsel um die CDU-Spendenaffäre, die Vergabe der Fußball-WM 2006 und den Verbleib des Bernsteinzimmers aufklären könnten. Aber der Datensatz enthält trotz seiner enormen Größe eben nur das Wissen eines einzigen Anbieters von Offshore-Firmen. Die Daten sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Realität, ein Fenster zum Hof.

Doch manchmal sind es eben solche Kleinigkeiten, die große Unterschiede machen. Zum Beispiel dann, wenn die Frau des isländischen Premierminister David Gunnlaugsson in den Verdacht gerät, Anleihen isländischer Banken zu halten, während ihr Gatte über die Rettung der Banken entscheidet. Wie mag sich Familie Gunnlaugsson wohl beim Abendbrot unterhalten haben? („Wie war dein Tag, Schatz!“ – „Das wird dich freuen. Du kriegst dein Geld zurück, aber du hast meine Entscheidung nicht beeinflusst!“)

„Es sei denn, man verdient sein Geld als Anwalt“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%