Britische Großbank
HSBC besänftigt Investoren mit Aktienrückkauf

Die britische Großbank HSBC bereitet sich auf eine anhaltende Phase der Unsicherheit vor. Der Quartalsgewinn bricht um mehr als 40 Prozent ein. HSBC-Chef Gulliver gibt ein wesentliches Ziel auf.

LondonDer Vorsteuergewinn der britischen Großbank HSBC hat sich im zweiten Quartal fast halbiert: Er lag bei 3,6 Milliarden Dollar (umgerechnet 3,2 Milliarden Euro) – nach 6,6 Milliarden Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Geldhaus am Mittwochmorgen bekannt gab. HSBC-Chef Stuart Gulliver erklärte das teilweise mit sinkenden Erträgen im Asiengeschäft der Bank sowie den Niedrigzinsen, die die Privatkundensparte belasten.

Der Überschuss fiel damit niedriger aus als erwartet. Der Aktienkurs an der Hongkonger Börse stieg dennoch leicht, weil die HSBC von Einschnitten bei der Dividende absieht. Das hatten Investoren angesichts des schrumpfenden Gewinns befürchtet.

Das Finanzinstitut hat statt dessen angekündigt, die Ausschüttung auf dem derzeitigen Niveau zu belassen. Zudem will die Bank eigene Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Dollar zurückkaufen und dies mit dem Einnahmen finanzieren, die der Verkauf des Brasiliengeschäfts der HSBC einbrachte. Das war Teil des Schrumpfprogramms, den Gulliver dem Institut verordnet hat, um Kosten zu senken, die Rendite zu steigern und auf die trüberen Konjunkturaussichten zu reagieren.

Ein wesentliches Ziel, das mit diesem Projekt verbunden war, hat Gulliver jetzt allerdings aufgegeben: Angesichts der geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten sei eine Eigenkapitalrendite von mehr als zehn Prozent bis Ende 2017 nicht mehr erreichbar, sagte er. Grundsätzlich werde man dieses Ziel aber nicht aus den Augen verlieren, aber nicht innerhalb des zunächst avisierten Zeitraums schaffen.

Was die Unsicherheit für die Bank erhöht, sind die Folgen des britischen Brexit-Votums. Ende Juni entschieden die Briten mehrheitlich, der EU den Rücken zu kehren. Es sei derzeit aber noch zu früh, um zu sagen, welche Geschäftsteile dies treffen werde und in welchem Ausmaß, sagte Gulliver.

Vor dem Referendum hatte die Bank gewarnt, dass man im Fall eines EU-Austritts des Landes etwa 1000 Investmentbankjobs von London nach Paris verlagern würde. Verwaltungsratschef Douglas Flint betonte aber am Mittwoch, dass die Zentrale der Bank weiterhin in London bleiben würde – auch dann, wenn Großbritannien nicht mehr Teil der Staatengemeinschaft sei.

Andere britische Banken, allen voran die Lloyds Banking Group, hatten zuletzt mit einem verschärften Sparprogramm auf das Brexit-Referendum reagiert und die Schließung von 200 Filialen sowie den Abbau von weiteren 3000 Jobs angekündigt.

HSBC hat im abgelaufenen Quartal mit einigen Kennzahlen aber auch positiv überrascht. So hat die Bank ihre harte Eigenkapitalquote gegenüber dem Vorquartal auf 12,1 Prozent erhöht. Auch in der Investmentbanksparte hat das Geldhaus Fortschritte gemacht und seinen Vorsteuergewinn um zehn Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres erhöht.

Der Aktienkurs der Bank hat sich in diesem Jahr deutlich besser entwickelt als der Kurs der Konkurrenten. HSBC-Titel sind seit Jahresanfang nur leicht gesunken, während der Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks im gleichen Zeitraum um mehr als 28 Prozent einbrach.

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