Britische Großbank
HSBC könnte bis zu 14.000 weitere Stellen abbauen

Zwei bis drei Milliarden Dollar sollen in den nächsten zwei Jahren eingespart werden. Ein dicker Batzen für die britische Großbank HSBC. Dabei könnten bei Europas größtem Geldhaus weitere Stellen wegschrumpfen.
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LondonEuropas größte Bank HSBC setzt trotz zuletzt sprunghaft gestiegener Gewinne erneut den Rotstift an. In den nächsten Jahren könnten noch einmal bis zu 14.000 Stellen wegfallen, teilte das britische Institut am Mittwoch mit. Im Rahmen des 2011 gestarteten Konzernumbaus sind schon 46.000 Jobs gestrichen worden. Wo genau gekürzt wird, ließ das Londoner Geldhaus aber offen. In Deutschland dürfte jedoch alles beim Alten bleiben: Die Düsseldorfer Tochter HSBC Trinkaus will im hart umkämpften Geschäft mit Mittelständlern wachsen und plant keinen Abbau von Arbeitsplätzen, wie ein Sprecher sagte.

Mit den neuen Kürzungen will HSBC-Chef Stuart Gulliver weitere zwei bis drei Milliarden Dollar pro Jahr einsparen. Dies sei deutlich mehr als erwartet, weil die Bank die Kosten bereits um vier Milliarden Dollar reduziert habe, sagte Mediobanca-Analyst Chris Wheeler. Branchenkenner hatten nur mit einer Ausweitung des Sparprogramms um mindestens eine Milliarde Dollar gerechnet. Experte Wheeler ergänzte, neben den Kostensenkungen sei entscheidend, wie sich die Einnahmen entwickelten.

Wegen der Euro-Krise haben hier viele Banken momentan Probleme. HSBC ist traditionell in Asien stark vertreten, wo rund zwei Drittel des Gewinns erzielt werden. Der frühere Investmentbanking-Chef Gulliver räumte ein, dass die Bank bei den Kosten zwar vorankomme, wegen konjunkturell bedingt schwacher Einnahmen aber bei der Rentabilität Abstriche machen müsse. Er gab den Plan auf, die Kosten auf unter 52 Prozent des Umsatzes zu drücken. Als neues Ziel wurden rund 55 Prozent ausgegeben - das entspricht dem Niveau von 2010. Dies sei realistischer und im Vergleich mit den US-Banken JPMorgan und Citigroup oder den heimischen Rivalen Standard Chartered und Barclays noch gut, so Gulliver. Die Wettbewerber kämen allesamt auf Werte um die 60 Prozent.

HSBC hat früher als andere Institute auf Sparen umgeschaltet, um sein Kapitalpolster aufzubessern und profitabler zu werden. 52 Geschäftsbereiche wurden geschlossen oder verkauft, darunter eine Minderheitsbeteiligungen an dem chinesischen Versicherer Ping An. Gulliver sagte, die Bank werde voraussichtlich kein Extra-Geld für größere Zukäufe ausgeben. Es werde eher Verkäufe geben. So könnte das acht Prozent große Paket an der Bank of Shanghai mit einem Wert von 500 bis 600 Millionen Dollar abgestoßen werden.

Weltweit wurden in der Banken-Branche in den vergangenen Jahren mehr als 100.000 Stellen gestrichen. Denn die Finanzkrise, die Rezession in vielen Ländern der Euro-Zone und die schärfere Regulierung machen den Geldhäusern zu schaffen. So fallen bei der Deutschen Bank mehr als 2000 Jobs weg, bei der Commerzbank sind es 4000 bis 6000. Sobald bei HSBC alle bislang geplanten Verkäufe und Kürzungen umgesetzt sind, hat das Geldhaus weltweit noch 254.000 Mitarbeiter. Diese Zahl könnte dann den neuen Ankündigungen zufolge von 2014 bis 2016 auf 240.000 bis 250.000 sinken.

An der Börse haben HSBC-Aktien seit Anfang 2011 rund 13 Prozent an Wert gewonnen, während der europäische Banken-Index um neun Prozent gefallen ist. Am Mittwoch ging es für HSBC gut ein Prozent nach oben.

Die Bank, deren Gewinn sich im ersten Quartal 2013 auf 8,4 Milliarden Dollar fast verdoppelt hatte, kündigte zudem an, mehr Kapital gegen potenzielle Krisen vorzuhalten. Zudem soll die Dividende angehoben und ein Programm zum Aktienrückkaufprogramm aufgelegt werden. Als Eigenkapitalrendite werden weiter mindestens zwölf Prozent angepeilt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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