Britische Großbank: Lloyds macht über vier Milliarden Euro Verlust

Britische Großbank
Lloyds macht über vier Milliarden Euro Verlust

Der leichte Gewinn in 2010 sollte für die britische Großbank Lloyds kein Vorbote auf Besserung sein. Mit 3,54 Milliarden Pfund steht sie 2011 in den roten Zahlen. Und Bankenchef Horta-Osorio wagt keine Positiv-Prognose.
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LondonDie teilweise verstaatlichte britische Großbank Lloyds hat nach einem Milliardenverlust ihre Anleger auf schwierige Zeiten eingestimmt. Wegen schwacher Wirtschaftsaussichten, verschärfter Regulierung, Unsicherheiten im Bankensektor sowie Risiken durch die Euro-Schuldenkrise bleibe das Geschäftsumfeld auch 2012 „herausfordernd“, erklärte Lloyds-Chef Antonio Horta-Osorio. Im abgelaufenen Jahr machte die Bank einen Verlust von 3,54 Milliarden Pfund (4,12 Milliarden Euro) nach einem Gewinn von 281 Millionen im Vorjahr. Für 2012 sei mit niedrigeren Einnahmen zu rechnen. Lloyds gehört zu 40 Prozent dem britischen Staat, der die im Zuge der Finanzkrise 2008 wankende Bank mit seinem Einstieg stützte.

Lloyds-Chef Horta-Osorio hatte im Januar angekündigt, auf seinen Millionen-Bonus für das abgelaufene Jahr zu verzichten. Der Banker begründete den ungewöhnlichen Schritt mit seiner krankheitsbedingten zweimonatigen beruflichen Auszeit sowie den schwierigen wirtschaftlichen Zeiten für die Bank und ihre Kunden. Sein Bonus hätte sich vermutlich auf umgerechnet rund 2,8 Millionen Euro belaufen, sein Basisgehalt liegt bei 1,3 Millionen Euro.

Bereits gestern gab schlimme Nachrichten aus der europäischen Bankenbranche: Die Verluste von Dexia, Credit Agricole und der Royal Bank of Scotland summierten sich 2011 auf sage und schreibe 15,5 Milliarden Euro. Die europäischen Großbanken wurden allesamt von der Euro-Schuldenkrise kalt erwischt. Abschreibungen auf Staatsanleihen europäischer Schuldenstaaten belasten die Bilanzen. Vor allem griechische Papiere reißen große Löcher in die Kassen die Geldhäuser. Zudem bauen die Banken ihr Geschäft um – einmalige Abschreibungen sind die Folge.

Beteiligt an den Verlusten sind indirekt auch die Steuerzahler. Die belgisch-französische Dexia ist teilverstaatlicht. Milliardengarantien von Belgien, Frankreich und Luxemburg hatten die Bank im Dezember vorerst gerettet. Ein Rettungsplan war im Oktober aufgestellt worden. Die Royal Bank of Scotland gehört nach der 46-Milliarden-Pfund-Rettungsaktion 2008 sogar zu mehr als 80 Prozent dem britischen Steuerzahler.

Die Dexia verbucht nun einen Rekordverlust. 11,6 Milliarden Euro Minus stehen für 2011 in den Büchern. Analysten hatten mit einem Verlust in dieser Größenordnung gerechnet. Der Finanzkonzern und Kommunalfinanzierer gilt als das erste Opfer der Euro-Schuldenkrise. Dexia war die erste europäische Bank, die im Zuge der Schuldenkrise gerettet werden musste.

Das gesunde belgische Filialgeschäft wurde für vier Milliarden Euro vom belgischen Staat mit Steuergeldern übernommen, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Der Verkauf belastet die Bilanz ebenso wie griechische Anleihen. Die Trennung vom Geschäft der Kommunalfinanzierung in Frankreich machte eine weitere Milliarden Euro Verlust aus.

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Tiefrote Zahlen auch bei der RBS

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  • Da ist mir klar, warum die Bank of Scotland die zu Lloyds gehört, so hohe SparZinsen den Privatkunden zahlt, sonst kommen die kaum noch an Geld...

    Wolfgang

  • Anstelle Boni-Verzicht sollte man Antonio Bankrotto wg. Unfähigkeit fristlos feuern.
    Eine Bank dieser Größe kann auch keinen 2monatigen Ausfall ihres Chefs verkraften.
    Also weg mit ihm.

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