Britische Großbank: Schwache Investmentsparte belastet Barclays

Britische Großbank
Schwache Investmentsparte belastet Barclays

Barclays hat das schwächste Quartal seit drei Jahren verzeichnet. Die britische Bank wurde vor allem durch ein maues Investment-Banking belastet. Der Euro-Schuldenkrise sei Dank.
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LondonDie Euro-Schuldenkrise hat das Investmentbanking des britischen Geldhauses Barclays am Jahresende ausgebremst und dem Institut das schwächste Quartal seit drei Jahren eingebrockt. Die Großbank wies am Freitag für das Gesamtjahr vor Steuern einen Gewinnrückgang von drei Prozent auf 5,9 Milliarden Pfund aus, weil die Krise schwer auf dem Anleihehandel lastete. Vorstandschef Bob Diamond räumte ein, dass Barclays das selbst gesteckte Ziel einer Eigenkapitalrendite von 13 Prozent möglicherweise noch nicht wie geplant im nächsten Jahr erreichen wird.

Mit dem Ergebnis verdiente das Institut 2011 etwas weniger als Branchenexperten ihm zugetraut hatten. Die Einnahmen in der Investmentsparte Barclays Capital brachen im vierten Quartal zum Vorquartal um fast 20 Prozent auf 1,8 Milliarden Pfund ein. Gegenüber dem Vorjahr betrug das Minus hier sogar fast 50 Prozent. Barclays legte als erste der großen britischen Banken Geschäftszahlen vor und gab gleichzeitig bekannt, die Boni bei Barclays Capital um ein Drittel gekürzt zu haben.

Die Eigenkapitalrendite sank 2011 auf 5,8 Prozent von 7,2 Prozent 2010 und erreichte damit noch nicht einmal die Hälfte des Soll-Wertes von 13 Prozent. „13 Prozent bleibt genau das richtige Ziel und ist absolut erreichbar“, beharrte Diamond. „Aber wir werden es 2013 vielleicht wegen des äußeren Umfeldes nicht erreichen.“

Die Barclays-Aktie legte in London trotz des Gewinnrückgangs nach anfänglichen Verlusten rund vier Prozent zu. Händler führten dies darauf zurück, dass die Anleger nach einem ersten Schreck über die Schwäche im Investmentbanking Trost in dem soliden Abschneiden des traditionellen Bankgeschäftes gefunden hätten.

Die britischen Banken wurden zuletzt von einem Skandal um die Manipulation eines der wichtigsten Referenzzinssätze am globalen Finanzmarkt erschüttert. Mittlerweile ermitteln die internationalen Aufsichtsbehörden wegen illegaler Absprachen bei der Festsetzung der London Interbank Offered Rate (Libor) und der Tokyo Interbank Offered Rate (Tibor) nicht nur gegen einige der bedeutendsten Großbanken, sondern auch gegen führende Brokerhäuser.

In seinem jüngsten Geschäftsbericht bestätigte der weltgrößte Interbankenbroker Icap, dass die Behörden „Informationen von einzelnen Mitarbeitern angefordert haben“. Die Londoner Firma betonte, dass sie voll mit den Ermittlern kooperiere; im Moment lasse sich nicht absehen, welche Folgen die Untersuchung haben werde.

Darüber hinaus verstärken die Ermittler nach Informationen aus Finanzkreisen den Druck auf die verdächtigen Banken. Mehrere Institute, darunter die Deutsche Bank, hätten bereits Händler suspendiert, hieß es. Der Zeitung „Financial Times“ zufolge haben auch Icap, die Royal Bank of Scotland, JP Morgan und die Citigroup verdächtige Mitarbeiter entlassen oder beurlaubt. Keines der Geldhäuser wollte die Informationen kommentieren.

Die London Interbank Offered Rate (Libor) ist ein täglich vom britischen Bankenverband errechneter Zins, an dem sich Kreditinstitute weltweit orientieren, wenn sie sich gegenseitig Geld leihen. Seit 1986 befragt der Verband die am Finanzplatz London ansässigen Banken, zu welchem Zins sie sich zuletzt untereinander Geld geliehen haben.

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