Britische Großbank
Standard Chartered in Iran-Geschäfte verwickelt

Ein US-Ableger der britischen Großbank Standard Chartered ist ins Visier der Finanzaufsicht von New York geraten. Der Vorwurf: Die Bank soll illegale Transaktionen im Iran getätigt haben.
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New YorkEine Tochter der britische Großbank Standard Chartered Plc hat offenbar gegen das US-Geldwäschegesetz vestoßen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg soll die Bank illegale Geschäfte im Wert von mehr als 250 Milliarden Dollar im Iran ausgeführt haben. Über fast zehn Jahre habe die Bank rund 60.000 geheime und vor der Bankenaufsicht verborgene Transaktionen getätigt.

Der Verstoß gegen das Geldwäschegesetz wurde offenbar bewusst in Kauf genommen, um Gebühren in Höhe von hunderten Millionen Dollar zu verdienen. Das teilte Benjamin Lawsky vom New York State Departement of Financial Services (DFS) am Montagabend mit.

Die Bank steht nun vor rechtlichen Schwierigkeiten in Amerika. Das DFS hat jetzt ein Untersuchung eingeleitet. Damit droht Standard Chartered nun der Verlust ihrer Zulassung im Staat New York.

Bereits vor sechs Jahren, soll dem US-Chef von Standard Chartered klar gewesen sein, dass das Geschäftemachen mit dem Iran rechtliche Konsequenzen für die Bank haben könnte. Er warnte seine Vorgesetzten vor massiven Reputationsschäden, falls die Geschäfte ans Licht kommen sollten. Doch die britische Unternehmensspitze wischte seine Bedenken bei Seite.

Ein Sprecher von Standard Chartered wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern. Erst vor wenigen Tagen hatte die Bank bekanntgegeben, die Einhaltung von US-Gesetzen überprüfen und mit Regulierungsbehörden sprechen zu wollen.

Das Finanzhaus, dessen Zentrale sich in London befindet, ist auf das Geschäft in Schwellenländern spezialisiert. Es erwirtschaftet 70 Prozent ihrer Gewinne und ihres Umsatzes in Asien, in Afrika und im Nahen Osten. Die Aktie von Standard Chartered brach am Montagabend kurz nach dem Bekanntwerden der Nachricht um sechs Prozent ein.

Annika Reinert
Susanne Koch
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Britische Großbank: Standard Chartered in Iran-Geschäfte verwickelt"

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  • warum wundert das niemanden.
    Gibt es eigentlich noch eine Bank, die keinen Skandal hatte.
    Zu mir sagte einmal ein Banker der Deutschen Bank: Sie haben leider eine negative Auskunft !
    Darauf habe ich geantwortet: Sie doch auch !

  • Ach was!
    Als 2008 die Lehmann-Pleite die amerikanische Finanzwirtschaft erschütterte, zeigte sich die Palästinensische Hamas plötzlich verhandlungsbereit. Die Taliban an der Afganisch-Pakistanischen Grenze fuhren ihre Aktionen zurück und in Somalia platzte zufällig ein Waffendeal. Alles Zufall? Es würde mich doch stark verwundern, würden unsere allseits so gehätschelten "Märkte" sich nicht an Waffenschmuggel, Geldwäsche und Drogenschmuggel beteiligen. Irgendwo müsssen die Renditen ja herkommen.

  • Interessant, dass hier die Bankenaufsichtsbehoerde das Staates New York durchgreift. Die Einhaltung von Sanktionen und Geldwaeschevorschriften fuer nicht-US Finanzinstitute ist also nicht nur Aufgabe des Bundes (Federal Government), sondern kann auch einzelne Bundesstaaten auf den Plan rufen.

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