Britische Großbank
Umstrittene Produkte brocken Lloyds Verluste ein

Britische Bankenbranche unter Druck: Wegen umstrittener Finanzprodukte muss die Großbank Lloyds 1,9 Milliarden Pfund Entschädigung zahlen. Daher erzielt das teilverstaatlichte Haus einen Verlust von 570 Milliarden Pfund.
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LondonMilliardenschwere Belastungen wegen des Verkaufs umstrittener Finanzprodukte haben der britischen Großbank Lloyds im vergangenen Jahr erneut einen Verlust eingebrockt. Das in der Finanzkrise mit Steuergeldern gerettete und teilverstaatlichte Geldhaus musste den Angaben von Freitag zufolge 1,9 Milliarden Pfund zur Entschädigung von Kunden zurückstellen. Dies habe zu einem Vorsteuerverlust von 570 Millionen Pfund (rund 660 Millionen Euro) geführt. 2011 war noch ein Fehlbetrag von 3,5 Milliarden Pfund angefallen. An der Börse kam die Bilanz der größten Privatkundenbank des Landes nicht gut an: Lloyds-Aktien gaben fast fünf Prozent nach.

Bei den umstrittenen Finanzprodukten geht es um von vielen Kunden gar nicht benötigte Restschuldversicherungen. Für diese Fälle hat Lloyds nach mehreren Aufstockungen mittlerweile eine Vorsorge von 6,8 Milliarden Pfund gebildet und bereits 4,3 Milliarden ausgezahlt - so viel wie keine andere Bank auf der Insel. Solche Milliarden-Lasten schlagen auch bei Barclays, der Royal Bank of Scotland und HSBC ins Kontor.

Insgesamt belaufen sich die Rückstellungen der Branche bereits auf 14 Milliarden Pfund - 25 Milliarden könnten es Insidern zufolge noch werden. Außerdem haben Lloyds & Co komplexe Zinswetten an Mittelständler verkauft, die bei kleinen Firmen zum Teil zu existenzgefährdenden Verlusten führten.

Die britische Regierung hatte 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 20 Milliarden Pfund in die Rettung des Instituts gesteckt und dafür 39 Prozent der Anteile übernommen. Bankchef Antonio Horta-Osorio sagte, er sei sehr zuversichtlich, dass der Steuerzahler sein Geld zurückbekomme. Dies sei sein Hauptziel in den nächsten Jahren, woran auch Sonderzahlungen geknüpft seien.

Die Bank will ihrem Chef einen Bonus von 1,5 Millionen Pfund gewähren, sollte sich der Aktienkurs gut entwickeln oder der Staat einen Teil seines Aktienpakets zu Preisen oberhalb des Einstiegsniveaus loswerden. Von den angestrebten Kursen ist die Aktie allerdings noch ein gutes Stück entfernt.

Lloyds verwies zudem auf operative Fortschritte. So stieg der um Sonderlasten bereinigte Gewinn auf 2,6 Milliarden Pfund, nachdem es 2011 nur 638 Millionen waren. Diese Zahlen lagen über den Analystenerwartungen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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