BSI-Übernahme

Privatbank EFG kämpft mit Gegenwind

Mehr als 1,2 Milliarden Euro will die Schweizer Privatbank EFG für den Konkurrenten BSI bezahlen – doch Turbulenzen beim eigenen Aktienkurs nagen an der Liquidität. Klappt die Kapitalerhöhung?
Analysten begrüßen, dass sich die Eigentümerfamilie Latsis finanziell stärker an dem Deal beteiligen will. Quelle: Reuters
EFG in Zürich

Analysten begrüßen, dass sich die Eigentümerfamilie Latsis finanziell stärker an dem Deal beteiligen will.

(Foto: Reuters)

ZürichDer Hauptaktionär der Schweizer Privatbank EFG International muss für die Übernahme des Rivalen BSI tiefer in die Tasche greifen als ursprünglich vorgesehen. Die von der griechisch-schweizerischen Familie Latsis kontrollierte EFG Group steuert zur geplanten Kapitalerhöhung 271 Millionen Franken statt der ursprünglich angepeilten 125 Millionen Franken bei, wie EFG am Donnerstag mitteilte. Insgesamt will die Privatbank mit der Transaktion 500 Millionen Franken einsammeln. Ob die Minderheitsaktionäre allerdings die immer noch bestehende Lücke stopfen, ist ungewiss. Denn nach dem Einbruch des Aktienkurses können die Investoren die EFG-Titel günstiger über die Börse als über die Kapitalerhöhung kaufen.

EFG will für die Tessiner BSI, eine Tochter der brasilianischen Investmentbank BTG Pactual, 1,3 Milliarden Franken (1,2 Milliarden Euro) auf den Tisch legen. Aus dem Zusammenschluss der beiden etwa gleich großen Banken würde der fünftgrößte Vermögensverwalter der Schweiz entstehen.

Kern der Finanzierung ist die Kapitalerhöhung. „Wir begrüßen das verstärkte Engagement der Latsis-Familie bezüglich der Ausübung ihrer vollen Zeichnungsrechte“, erklärte Vontobel-Analyst Andreas Venditti. An der Börse kletterten die EFG-Titel um 13,5 Prozent auf 5,90 Franken, blieben damit allerdings immer noch unter dem Bezugspreis der Kapitalerhöhung von 6,12 Franken. Es sei möglich, dass die Bezugsrechtsemission nicht erfolgreich sein werde, erklärte Venditti.

So sehr schmieren Investmentbanken weltweit ab
Investmentbanken mit extremem Durchhänger
1 von 14

Die Kursturbulenzen im ersten Quartal haben den Einnahmen von Investmentbanken immens geschadet. Zum Jahresbeginn waren die Kurse an den Aktienmärkten weltweit eingebrochen, Firmenübernahmen und Börsengänge wurden aufs Eis gelegt, Bankkunden handelten wegen der immensen Kursschwankungen weniger mit Wertpapieren.

Frankfurter Skyline
2 von 14

Nach Daten des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters fielen die Erträge im Investmentbanking weltweit um 28,5 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro – ein schwächeres Quartal hatte es zuletzt Anfang 2009 gegeben. Goldman Sachs hat den Spitzenplatz abgeben müssen.

Das Ranking umfasst aber nur das Geschäft mit der Ausgabe neuer Wertpapiere wie Aktien, Anleihen, Krediten sowie der Beratung bei Fusionen und Übernahmen – nicht etwa das Handelsgeschäft, in dem etwa die Deutsche Bank sehr stark ist.

Platz 15: Rothschild
3 von 14

Traditionell ist das erste Quartal das stärkste für die meisten Investmentbanken, daher schlägt der Umsatzrückgang besonders ins Kontor. Unter den Top-20-Banken weltweit findet sich nur eine, die bei den Erträgen im 1. Quartal 2016 zulegen konnte.

Laut Thomson Reuters betrugen die Einnahmen von Rothschild 234 Millionen Dollar, ein Plus von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – dadurch sprang die Bank um sieben Plätze im Ranking nach oben.

Platz 12: UBS
4 von 14

Die Schweizer Großbank UBS erwischte ein Quartal, in dem es noch stärker abwärts ging als im Branchenschnitt: Die Einnahmen im Investmentbanking schrumpften um 39,1 Prozent auf 279 Millionen Dollar. Damit konnte die Bank Platz 12 verteidigen, knapp vor HSBC (minus 41,9 Prozent) und BNP Paribas (minus 30,8 Prozent).

Platz 10: RBC Capital Markets
5 von 14

Die kanadische Investmentbank RBC Capital Marktes (Foto: Werbestand auf einer Automesse) ist das erste Institut in den Top 10, mit knappem Vorsprung vor der Mizuho Financial Group auf Rang 11. Bei RBC schrumpfte das Geschäfts so stark wie der Gesamtmarkt (minus 28,5 Prozent) auf 345 Millionen Dollar.

Platz 9: Wells Fargo
6 von 14

Die Bank mit Sitz in Kalifornien hält mit Erträgen von 401 Millionen Dollar (minus 34,3 Prozent) ihren Platz und liegt nur knapp hinter der größten deutschen Investmentbank.

Platz 8: Deutsche Bank
7 von 14

Das Geschäft der Deutschen Bank schrumpft unter den Top 10 der Investmentbanken am stärksten: minus 44,5 Prozent. Die Einnahmen von 498 Millionen Dollar stammen fast zur Hälfte aus dem Anleihegeschäft. Die Bank büßt zwei Plätze auf Rang acht ein.
Einer Analyse des Marktbeobachters Coalition Group zufolge war die Deutsche Bank im vergangenen Jahr – inklusive des Handelsgeschäfts – die fünftgrößte Investmentbank der Welt, in dieser Rangliste ging es ebenfalls zwei Plätze abwärts.
Hier lesen Sie eine Analyse zur Lage des Investmentbankings der Deutschen Bank.

Ein anderer Finanzmarkt-Experte kann sich nicht vorstellen, dass genügend Minderheitsaktionäre einspringen. Dass EFG die Vereinbarung mit einer Gruppe von Investmentbanken beendete, Aktien im Volumen von 375 Millionen Franken zu übernehmen, deute ebenfalls darauf hin, dass die Bank vom ursprünglichen Plan abrücke. Falls EFG nicht genügend Aktien bei den Minderheitsaktionäre platzieren kann, springt BTG Pactual ein. Die Brasilianer sind bereit, neue Aktien und Hybridkapital von EFG zu kaufen. Über die geplante Kapitalerhöhung entscheiden die EFG-Aktionäre auf der Generalversammlung vom 29. April.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: BSI-Übernahme - Privatbank EFG kämpft mit Gegenwind

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%