Buchvorstellung
Eine Streitschrift ohne großen Streit

„Zerschlagt die Banken“ - fordert Rudolf Hickel in seinem neuen Buch. Bei dieser Forderung ist ihm Beifall gewiss - sie ist aber weder neu noch strittig. Und: Wie genau soll das geschehen?
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DüsseldorfZerschlagt die Banken - das verlangt Rudolf Hickel in seinem neuen Buch, das er als "Streitschrift" bezeichnet. Bei dieser Forderung ist ihm Beifall gewiss. Nur: Wie genau soll das geschehen? In dem Punkt hat das Buch nicht viel zu bieten. Im Grunde fordert der profilierte linke Theoretiker weniger eine Zerschlagung als eine strengere Regulierung. Und darüber muss er sich heute allenfalls noch mit den Lobbyisten der Branche streiten.

Hickel analysiert sehr genau und zutreffend die Gründe und Hintergründe der großen Finanzkrise. Aber seine Forderungen gehen kaum über das hinaus, was inzwischen ohnehin schon in die Wege geleitet worden ist. So verlangt er, möglichst alle Finanzgeschäfte über Börsen abzuwickeln. Dafür hat sich aber vor Jahren auch schon Lloyd Blankfein, der Chef von Goldman Sachs, ausgesprochen. Er plädiert für die Rückkehr zum traditionellen Bankgeschäft - das ist heute weitgehend Konsens.

Dann heißt es: "Systemrelevante Banken, die über ihre Einlagen- und Kreditgeschäfte stark vernetzt sind, darf es nie wieder geben." Der Wunsch ist nachvollziebar. Aber wie will man diese Vernetzung verhindern? Soll die Europäische Zentralbank bis in alle Ewigkeit den Interbanken-Markt ersetzen? An der Stelle wäre es erst spannend geworden.

Hickels Buch kommt ein paar Jahre zu spät - noch später als die "Occupy"-Bewegung, die eigentlich auch schon der Entwicklung hinterherläuft. Er selbst räumt das ein mit der Bemerkung: "Wer heute die Zerschlagung der Größe sowie der wahnwitzigen Spekulationsgeschäfte der Banken fordert, hat das Gesetz schon jetzt auf seiner Seite." Anders gesagt: Fast alles, was er fordert, passiert schon.

Ungewollt zeigt das Buch, dass es keine Alternative zum real existierenden Kapitalismus gibt. Denn die Befürworter und Gegner des Systems argumentieren inzwischen ganz ähnlich.

Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken“, Econ-Verlag Berlin 2012, 224 Seiten, 14,99 Euro

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