Bundesbank und Bafin
Stresstest für kleine Banken angekündigt

Die deutschen Finanzaufseher wollen erneut kleinere Banken und Sparkassen auf den Zahn fühlen. Mit einem abgespeckten Stresstest wollen sie prüfen, was für Belastungen die niedrigen Zinsen mit sich bringen.

FrankfurtNach dem europaweiten Fitnesscheck für Großbanken kommt auch auf kleinere deutsche Institute ein abgespeckter Stresstest zu. Die Bundesbank will im kommenden Jahr zusammen mit der Finanzaufsicht BaFin prüfen, wie 1500 kleine und mittelgroße Banken in der Bundesrepublik mit den Belastungen durch rekordniedrige Zinsen zurechtkommen. Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) mahnt dabei Augenmaß an. Für kleinere Banken sei ein solcher Test mit hohem Aufwand verbunden, sagte BVR-Vorstand Gerhard Hofmann am Montag der Nachrichtenagentur Reuters: „Insofern müssen Nutzen und Kosten sorgfältig abgewogen werden.“

Die EU-Bankenbehörden EBA will die Ergebnisse des Stresstests für große Geldhäuser am Freitagabend veröffentlichen. Belastungen durch eine langanhaltenden Niedrigzinsphase wurden dabei jedoch nicht simuliert, was bei vielen Experten auf Unverständnis stößt. Die Leitzinsen im Euro-Raum liegen schließlich schon länger auf einem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem müssen Finanzinstitute Strafzinsen bezahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Vielen Häusern fällt es deshalb zunehmend schwer, im Kreditgeschäft auskömmliche Erträge zu erwirtschaften.

Die Behörden hatten Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen und kleine Privatbanken bereits 2015 einem Mini-Stresstest unterzogen. Die nun anstehende Überprüfung soll auf den Geschäftszahlen der Institute 2016 basieren. Die Test-Ergebnisse sollen im zweiten Halbjahr 2017 veröffentlicht werden. „Wir wollen damit die Widerstandskraft der Banken und Sparkassen im Niedrigzinsumfeld überprüfen“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret der Deutschen Presse-Agentur. Bei der vorangegangen Prüfung waren die Bankenwächter zu dem Schluss gekommen, die allermeisten Institute könnten die niedrigen Zinsen trotz massiver Gewinneinbußen verkraften.

„Die Aufsicht sollte Fehler und Ungereimtheiten ihres Tests von 2015 bereinigen, die Verständlichkeit der geforderten Abfragen erhöhen und zudem prüfen, inwieweit ein geringerer Datenumfang genügt, um ihr Aufsichtsziel zu erreichen“, fordert BVR-Vorstand Hofmann. Er weist darauf hin, dass die BaFin kleinere Banken derzeit bereits im Rahmen des sogenannten „Supervisory Review and Evaluation Process“ (SREP) durchleuchtet – und ihnen anschließend eine individuelle Mindestkapitalquote vorgibt. Kleine Änderungen im Vergleich zum Test 2015 seien denkbar, sagte ein Bankenaufseher Reuters. Die Ergebnisse des Mini-Stresstests würden dann berücksichtigt, wenn die Aufsicht Mindestkapitalquoten für Banken festlege.

Grundsätzlich dürften kleine deutsche Banken nicht härter rangenommen werden als Konkurrenten in anderen Staaten, fordert Hofmann, der auch Präsident des Europäischen Verbandes der Genossenschaftsbanken ist. „Leider ist nicht erkennbar, dass andere Länder des Euro-Währungsgebietes der deutschen Aufsicht folgen und ebenfalls die Auswirkungen der Niedrigzinsphase auf die Banken untersuchen. Die Ergebnisse der Niedrigzinsumfrage dürfen daher nicht zu Nachteilen deutscher Institute gegenüber anderen Ländern der Bankenunion führen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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