Bundeskartellamt gibt grünes Licht
Paydirekt darf Handy-zu-Handy-Zahlen anbieten

Das Bundeskartellamt macht den Weg frei für eine gemeinsame Handy-zu-Handy-Zahlfunktion innerhalb von Paydirekt. Nach Anfangsschwierigkeiten könnte das eine echte Chance für den Paypal-Konkurrenten der Banken sein.
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FrankfurtDas könnte der Durchbruch sein. Am Mittwoch hat sich das Bundeskartellamt dazu geäußert, wie es die Einführung einer Handy-zu-Handy-Zahlfunktion (P2P) innerhalb des Internet-Bezahlverfahrens Paydirekt bewertet. Ergebnis: Das Amt hat keine Einwände. Gut möglich, dass sich Bankkunden über die Paydirekt-App schon bald gegenseitig kleine Geldbeträge überweisen können. Zum genauen Starttermin gab es zunächst keine Informationen. Eine Paydirekt-Sprecherin sagte dem Handelsblatt: „Wir freuen uns über die positive Entscheidung des Bundeskartellamts und werden uns kurzfristig mit unseren Eigentümern abstimmen, wann wir mit P2P live gehen.“

Die Einschätzung des Bundeskartellamts ist von den Banken bereits lange ersehnt worden, im vergangenen November hatten sie das Amt über ihre Pläne informiert. Das Ergebnis ist keinesfalls selbstverständlich. Eigentlich wollten die Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbank sowie einige Privatbanken unter dem Namen „Geldbote“ schon im vergangenen Jahr eine solche Zahlungsfunktion anbieten. Dem hatte das Bundeskartellamt aber einen Riegel vorgeschoben. Danach haben die Sparkassen innerhalb ihrer Banking-App mit „Kwitt“ ein eigenes Angebot gestartet, ähnlich auch die Volks- und Raiffeisenbanken mit „Geld senden & anfordern“.


Über Paydirekt als gemeinsames Vehikel soll es nun mit der bankenübergreifenden P2P-Funktion klappen. Aktuell bietet dieses Gemeinschaftsunternehmen der Banken und Sparkassen in Deutschland eine ähnliche Online-Bezahlfunktion wie der US-Bezahldienst Paypal. Bisher hatte das Angebot aber Startschwierigkeiten. So sind zwar 730 Onlinehändler angebunden, aber der Anteil der ganz großen Shops ist gering. Und nach Handelsblatt-Informationen liefen bis Ende 2016 weniger als 100.000 Transfers.

Ein bankenübergreifendes Handy-zu-Handy-Bezahlsystem könnte die Attraktivität von Paydirekt womöglich steigern. Eine App hat das Unternehmen schon, die zeigt aber bisher nur die über Paydirekt abgewickelten Zahlungen an. Neben Paypal sowie den Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken bieten auch schon zahlreiche Finanztechnologie-Start-ups (Fintechs) sogenannte P2P-Zahlungsfunktionen an, so etwa Lendstar, Cringle und Tabbt.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, stellte in einer Mitteilung klar: „Wir haben keine Einwände gegen diese Kooperation eines wesentlichen Teils der Kreditinstitute in Deutschland im Bereich der mobilen Bezahlverfahren.“ Die neue Kooperation bringe „eine Verbesserung der Wettbewerbsverhältnisse auf dem Markt für Internet-Bezahlverfahren“. Mit der Umsetzung dieses Vorhabens könne Paydirekt sein Internet-Bezahlverfahren um eine mobile Funktion ergänzen, die der Marktführer Paypal und viele weitere Wettbewerber schon seit geraumer Zeit anböten.

Offen ist noch, wie genau die P2P-Funktion der Paydirekt-App aussehen wird und ob ein Zugriff womöglich auch über die Banking-Apps der einzelnen Institute möglich sein wird. Ein Sprecher des Sparkassen- und Giro-Verbands (DSGV) sagte dem Handelsblatt: „Eine P2P-Funktion bei Paydirekt ist ein weiteres starkes Argument für das Online-Bezahlverfahren der Banken und Sparkassen in Deutschland und wird die Durchsetzung von Paydirekt im Markt beschleunigen.“

Von Kwitt wollen sich die Sparkassen aber wohl nicht mehr trennen. „Mit Kwitt haben wir daneben mit über 362.000 registrierten Nutzern bereits nach wenigen Monaten ein etabliertes mobiles Bezahlverfahren der Sparkassen, zu dem die P2P-Funktion auf der Paydirekt-App eine sinnvolle Ergänzung ist“, so der Sprecher. Ziel der Sparkassen sei es, „Kwitt mittelfristig möglichst mit allen kreditwirtschaftlichen Verbünden kompatibel zu machen, um eine Interoperabilität zwischen allen Verfahren sicher zu stellen“.

Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • Das dürfte die Lizenz zum Scheitern sein: "Händler sollen ihre Gebühren direkt mit den teilnehmenden Banken und Sparkassen verhandeln."

    Kaum ein Händler dürfte Interesse daran haben, mit jeder Bank eigene Konditionen auszuhandeln, wenn er auch einfach die SEPA-Lastschrift und PayPal anbieten kann. Um so ein Bezahlsystem zum Erfolg zu führen, muss es geschlossen auftreten und sich als eigenständiger Geschäftspartner präsentieren.

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