Carsten Kengeter
Vorstandschef in der Warteschleife

Der Vertrag von Carsten Kengeter wurde noch nicht verlängert. Der Grund: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen den Börsenchef wegen des Verdachts des Insiderhandels. Der Manager muss sich in Geduld üben.
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FrankfurtAls Carsten Kengeter in der Führungsetage der Deutschen Börse einzog, wollte er den Konzern auf Tempo trimmen. Aber nun hängt der Marathon-Manager in der Warteschleife: Obwohl der Vertrag des Vorstandschefs zum 31. März des kommenden Jahres endet, wurde er noch nicht verlängert. Als Grund dafür wird in Finanzkreisen das laufende Ermittlungsverfahren gegen Kengeter angeführt. Zuerst hatte der „Platow-Brief“ darüber berichtet.

Kengeter war im April 2015 in den Vorstand der Deutschen Börse eingezogen. Sein Vertrag läuft zunächst für drei Jahre, danach steht bei der Börse typischerweise eine Verlängerung um fünf Jahre an. Dabei gilt in Frankfurt als ungeschriebenes Gesetz, dass der Vertrag des Vorstandschefs ein Jahr vor dessen Ablauf verlängert wird, um erst gar keine Unsicherheit in der Nachfolgefrage aufkommen zu lassen. Doch zu diesem Schritt konnte sich der Aufsichtsrat der Börse bislang offenbar nicht durchringen.

Das Problem: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen den Börsenchef wegen des Verdachts des Insiderhandels. Im Dezember 2015 hatte sich der Manager im Rahmen eines Vorstandsvergütungsprogramms mit Aktien der Börse eingedeckt – rund zwei Monate bevor die Pläne für eine Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) bekannt wurden. Kengeter erwarb damals Aktien für 4,5 Millionen Euro – und erhielt vom Konzern sogenannte Performance-Aktien obendrauf.

Die Ermittler prüfen, ob Kengeter bei seinem Aktienkauf von den Plänen für eine Fusion mit London wusste. Kengeter und die Börse hatten angekündigt, dass sie in vollem Umfang mit der Staatsanwaltschaft kooperieren wollen, um die Vorwürfe auszuräumen. Auch Aufsichtsratschef Joachim Faber hatte Kengeter in Schutz genommen und die Vorwürfe als „haltlos“ bezeichnet.

Kengeters Pläne für eine Fusion mit der LSE waren Ende März an der EU-Kommission gescheitert. Das Aus hatte sich aber schon zuvor angekündigt, nachdem sich die LSE geweigert hatte, eine Auflage der Brüsseler Kommission zu erfüllen. Als Ursache galten unvereinbare Positionen bei der Frage, wo der Sitz der Gemeinschaftsbörse angesiedelt werden soll.

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