Cerberus
Finanzinvestor prüft Einstieg bei Commerzbank

Der US-Finanzinvestor Cerberus soll seine Fühler nach der Commerzbank ausgestreckt haben. Die Spekulationen beflügeln den Aktienkurs der Bank. Doch der Einstieg ist alles andere als ausgemacht.
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FrankfurtDie Investmentgesellschaft Cerberus prüft offenbar einen Einstieg bei der Commerzbank. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Demnach erwägt der Finanzinvestor eine Minderheitsbeteiligung an Deutschlands zweitgrößtem börsennotierten Geldhaus. Cerberus habe allerdings noch keine Entscheidung über die Höhe der Beteiligung getroffen. Es sei auch noch möglich, dass Cerberus von einem Engagement Abstand nehme. Die Commerzbank lehnte eine Stellungnahme ab, auch ein Sprecher von Cerberus wollte den Vorgang nicht kommentieren.

Cerberus ist in der griechischen Mythologie ein mehrköpfiger Höllenhund, der vor der Pforte zur Unterwelt wacht. Für einen Finanzinvestor ist das ein Name, der nicht auf Zimperlichkeit schließen lässt. In der Aktionärsstruktur der Commerzbank träfe der Höllenhund auf einen eher gemäßigten Großinvestor – den deutschen Staat. Denn noch immer ist der Bund seit dem Rettungseinstieg während der Finanzkrise größter Aktionär der Frankfurter Bank.

Angesichts der Einstiegsgerüchte legte die Commerzbank-Aktie am Donnerstag zu. Die Titel gewannen bis zu 2,6 Prozent auf 11,12 Euro und waren damit zeitweise so teuer wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. Ein Einstieg von Cerberus bei der Bank könne der Aktie zusätzlichen Schub verleihen, sagte ein Händler. „Der Bankensektor ist angesichts steigender Zinsen ohnehin gerade en vogue.“ Auch Marktanalyst Heino Ruland von Rulandresearch betonte: „Es gibt viele große Finanzinvestoren, die Interesse an der Commerzbank haben.“ Offenbar trauen viele Börsianer Cerberus durchaus zu, bei der Commerzbank einzusteigen. Der Finanzinvestor hält in Europa beispielsweise die Mehrheit an der österreichischen Bank Bawag.

Cerberus besitzt eine Vorliebe für schwierige Fälle: Der Finanzinvestor, der von dem ehemaligen US-Finanzminister John Snow geführt wird, investiert traditionell in angeschlagene Firmen, versucht sie zu sanieren und verkauft sie dann weiter. Cerberus investiert aber auch wie ein klassischer Hedgefonds in Wertpapiere. In der deutschen Finanzwelt ist Cerberus spätestens seit 2007 ein Begriff. Damals hatte der Investor die Mehrheit am US-Autobauer Chrysler übernommen und so das Ende des deutsch-amerikanischen Autogiganten Daimler-Chrysler endgültig besiegelt.

„Cerberus schaut sich derzeit in Deutschland vieles im Finanzbereich an“, heißt es in Finanzkreisen. Angeblich interessiere der Investor sich auch für die HSH. Mit der Commerzbank soll Cerberus schon vor mehreren Jahren im Gespräch gewesen sein. Dass der Expansionsdrang ungebremst ist, hatte Cerberus bereits im Mai dieses Jahres bewiesen. Da griff die österreichische Bawag, die mehrheitlich Cerberus gehört, bei der Südwestbank zu.

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  • Die Handelsumsätze mit Commerzbankaktien waren in den letzten12 Monaten ohne entsprechend prosperierende Nachrichten bei stark steigenden Kursen deutlich erhöht.
    Das waren sicher nicht die Kleinaktionäre sondern eher große Fische, die sich mit Aktien eingedeckt haben. Bis zur Meldeschwelle von 3% geht das unauffällig.

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