Chancen auf Antonveneta-Übernahme ABN Amro darf wieder hoffen

Im Kampf um die Übernahme der italienischen Banca Antonveneta hat der niederländische Finanzkonzern ABN Amro überraschend wieder Aussicht auf Erfolg.

HB PADUA. Am Mittwoch hatten die Antonveneta-Aktionäre einen der ABN Amro nahe stehenden Verwaltungsrat gewählt und damit die Position der niederländischen Gruppe gegen ihren Bieterkonkurrenten Banca Popolare Italiana (BPI) gestärkt. Der Übernahmekampf um die Banca Antonveneta wächst sich offenbar auch zu einer Affäre aus, bei der jetzt auch Notenbank-Präsident Antonio Fazio unter Druck gerät.

Am Montag hatte es noch ausgesehen, als ob ABN Amro den Kampf um Antonveneta verloren hätte, nachdem die Offerte des niederländischen Konzerns nur von wenigen Antonveneta-Aktionären angenommen worden war. Kurz vor der Hauptversammlung hatten allerdings die Aufsichtsbehörden wegen Unregelmäßigkeiten die Stimmrechte von BPI und des Geschäftsmannes Stefano Ricucci eingefroren. Da damit etwa 34 % der gesamten Stimmrechte bei der Abstimmung nicht zum Zuge kamen, konnte ABN Amro mit seinem 30-Prozent-Anteil am Unternehmen seine Kandidaten für den Verwaltungsrat durchsetzen. Insgesamt hätten nur 45 % des Antonveneta-Kapitals an der Abstimmung teilgenommen. Mit der Kontrolle des Verwaltungsrats könne die niederländische Gruppe jede Übernahmeinitiative von BPI erschweren, hieß es.

Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft Justizkreisen zufolge wegen vermuteter Unregelmäßigkeiten die Antonveneta-Anteile von acht BPI--Investoren beschlagnahmt. Die Ermittler vermuteten illegale Vereinbarungen zur Abwehr der ABN-Offerte.Die Zeitung „Il Giornale“ hatte am Dienstag Fazio belastende Auszüge aus einem von der italienischen Finanzpolizei mitgeschnittenen Telefonat abgedruckt. Diese signalisierten, dass der Notenbank-Chef offenbar weiterhin die italienischen Wettbewerber um Antonveneta unterstützte. Der Chef der italienischen Opposition und Ex-EU-Präsident Romano Prodi, Verbraucherschützer und die Gewerkschaft der Notenbank forderten daraufhin Fazios Rücktritt. Der Chef der italienischen Notenbank ist der einzige Zentralbank-Präsident der G-8-Länder, dessen Amtszeit unbefristet ist. Auch hat er bereits mehrere Skandale überstanden, wie etwa die Finanzkrisen der Nahrungsmittelkonzerne Parmalat und Cirio.

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