Chaos vor griechischen Banken
„Gebt mir meine Rente, Ihr Schufte!“

Viele griechische Rentner nutzen keine Kontokarten und waren zuletzt von der Bargeldversorgung abgeschnitten. Jetzt öffnen Filialen für sie die Türen. Das Gedränge ist riesig – und längst nicht alle kommen heute dran.
  • 18

AthenPanajota Lappa dachte, sie wäre die erste. Aber als die 66-Jährige am Mittwochfrüh um kurz nach sechs vor der Filiale der National Bank of Greece im Athener Stadtteil Ilioupolis aufkreuzte, wartete dort schon mehr als ein Dutzend Menschen auf die für 8.00 Uhr angesetzte Öffnung der Bank. Panajota Lappa hatte vorsorglich ein Klappstuhl mitgebracht, auf dem sie sich niederlassen konnte. „Man muss Geduld haben“, sagte die Rentnerin schicksalsergeben.

Seit Montag sind die griechischen Banken geschlossen. Am Mittwoch öffneten rund tausend Zweigstellen der fünf größten Kreditinstitute, damit Renten an jene Pensionäre ausgezahlt werden können, die nicht über Bankkarten verfügen und somit keinen Zugang zu Geldautomaten haben.

Aber nicht alle Wartenden sind so gelassen wie Panajota Lappa. „Ich will meine Rente, gebt mir meine Rente, ihr Schufte!“, kreischt erregt eine alte Frau und schwing die Faust. „Da drin ist mein Geld, und man gibt es mir nicht“, ruft ein anderer und schlägt mit der Faust gegen die immer noch geschlossene Tür der Filiale. „Ein Leben lang haben wir gearbeitet, Beiträge gezahlt – und jetzt das!“ Die Nerven liegen blank, die Stimmung ist explosiv.

Vor den meisten Zweigstellen sind Polizisten mit schusssicheren Westen im Einsatz – falls es zu Unruhen kommen sollte. 8.000 Beamte seien landesweit zum Schutz der Banken eingesetzt, berichtete die Zeitung „Kathimerini“. Tatsächlich ist die Aufregung vielerorts groß. Denn Tausende sind an diesem Mittwochmorgen vergeblich zu den Banken gekommen.

Erst spät in der Nacht beschlossen die Geldinstitute, die Kunden nun in alphabetischer Reihenfolge abzufertigen. Am Mittwoch sind jene an der Reihe, deren Nachnamen mit Alpha bis Iota beginnt. Am Donnerstag kommen die Buchstaben Kappa bis Mi an die Reihe und am Freitag Ni bis Omega.

Seite 1:

„Gebt mir meine Rente, Ihr Schufte!“

Seite 2:

„Wie Vieh behandelt“

Kommentare zu " Chaos vor griechischen Banken: „Gebt mir meine Rente, Ihr Schufte!“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ahnliche Szenen haben wir vor -zig Jahren in Polen erlebt, unter Kommunismus. Es kann selbstverstandlich noch schlimmer kommen, beispielsweise solche Schlangen nach Brot und Butter. Die Griechen wissen noch nicht was Kommunismus heisst. Jetzt haben sie Gelegenheit das zu lernen. Dabei war es nicht unsere Schuld dass wir Kommunismus hatten. Die aber haben solche Spassparteien selbst gewahlt. Gute Unterhaltung liebe Griechen.

  • Die Hauptverantwortlichen sind dennoch die Griechen selbst.

  • "Was hat die EU damit zu tun? "

    Irgendjemand hat nicht aufgepasst, wer in den Club der Euro-Länder kommt. Und irgendjemand hat nicht aufgepasst, dass die Griechen statt das Land kaputt zu sparen, etwa Strukturreformen umsetzen. Wir sind verantwortlich, weil wir wider besseres Wissen zugesehen haben, wie eine politische Elite ein Land in den Ruin führt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%