Chef der Berenberg Bank: „Wir haben nicht mal Anleihen aus Frankreich“

Chef der Berenberg Bank
„Wir haben nicht mal Anleihen aus Frankreich“

In seinem Ausbau des Investment-Bankings sieht Hans-Walter Peters, Chef der Berenberg Bank, kein Risiko. Trotz Kritik einiger Mitbewerber ist Peters überzeugt: Seine Bank hat sich eine gute Position erarbeitet.
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Handelsblatt: Herr Peters, wir machen uns Sorgen um die Berenberg Bank.

Hans-Walter Peters: Wie kommen Sie denn darauf? Wir stehen für unabhängige Beratung und Dienstleistungsgeschäft. Dadurch hatten wir in allen Jahren der Finanzkrise einen hohen Zuwachs an Kunden, konnten in den letzten fünf Jahren eine Eigenkapitalrendite von durchschnittlich 46 Prozent erzielen, haben die Zahl unserer Mitarbeiter allein 2011 um 14 Prozent gesteigert. Ich glaube, diese „Sorgen“ hätten andere gern.

Wenn eine vergleichsweise kleine Privatbank wie die Ihre groß im Investment-Banking mitmischen will, geht das meist daneben.

Die Notwendigkeit unabhängiger Beratung ist gerade in der Krise größer geworden. Berenberg ist daher personell gewachsen. Dieses Wachstum ging aber stets mit einem entsprechend höheren Geschäftsvolumen einher. Wir waren 2011 bei allen größeren Börsengängen in Deutschland vertreten - übrigens als einzige Bank. Bei der Definition von Investment-Banking muss man sehr genau unterscheiden. Bei uns ist das im Wesentlichen Dienstleistungsgeschäft. Also Research, Sales und Brokerage. Dazu noch das klassische Kapitalmarktgeschäft - Börsengänge und Kapitalerhöhungen - sowie die Beratung bei Fusionen und Übernahmen. Berenberg geht nicht selbst ins Risiko.

Kein Eigenhandel?

Bei Derivaten machen wir gar nichts. Im Aktienhandel sind wir reiner Broker. Klassischer Handel findet lediglich im Renten- und Devisenbereich statt. Und dies auch nur mit sehr niedrigen Limiten.

Wie niedrig?

Der sogenannte tägliche Value-at-Risk lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 1,7 Millionen Euro.

Keine Griechenlandanleihen im Eigenbestand?

Nein, nicht eine einzige. Auch aus den anderen sogenannten „PIGS“-Staaten nicht. Wir haben nicht einmal Anleihen aus Frankreich im Bestand.

Sie sprachen zuvor das Kapitalmarktgeschäft an. Bei Aktienplatzierungen entstehen sehr wohl Risiken für die Berenberg Bank.

Bei Börsengängen gibt es gar kein Risiko, sie erfolgen auf sogenannter Best-Effort-Basis. Wenn Banken Unternehmen bei Kapitalerhöhungen begleiten, geben sie den Unternehmen über Garantien Transaktionssicherheit. Wegen unserer sehr engen Kontakte zu den Investoren stellt dies aber kein Risiko für uns dar.

Und doch gibt es sehr viele Mitbewerber, die bei passender Gelegenheit dezent darauf hinweisen, die Berenberg Bank ginge ein sehr hohes Risiko ein mit ihrer expansiven Geschäftspolitik. Was sagen Sie zu diesen Geschichten?

Der Markt ist sehr umkämpft, und wir haben uns eine gute Position erarbeitet. Aber glauben Sie mir: Kunden honorieren nicht, wenn man schlecht über Wettbewerber redet, statt mit eigener Leistung zu überzeugen.

Trotzdem fragt man sich, warum Sie Ihr Investment-Banking so stark aufbauen. Mit Research lässt sich doch nichts verdienen. Viele international tätige Banken streichen diesen Bereich gerade radikal zusammen.

Da täuschen Sie sich aber! Wir analysieren 400 europäische Aktien - von kleinen Unternehmen bis zu den Topkonzernen. Mittlerweile haben wir 70 Analysten und wollen sogar auf 100 aufstocken. Aufgrund der Qualität im Research kommen wir auf die Brokerlisten der Investoren; wir konnten unser Volumen 2011 um 15 Prozent steigern, weil die Kunden unsere Qualität honorieren. Zudem bauen wir keine eigenen Positionen auf und haben dadurch keine Interessenkonflikte; anders als Institute mit ausgeprägtem Eigenhandel, die daher im ständigen Konflikt mit Kunden stehen.

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„Wir wollen aus eigener Kraft wachsen“

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  • Die Eigenkapitalrendite einer Bank ist mE bei Weitem nicht so aussagekräftig wie bei einem Industrieunternehmen, das eine viel höhere Eigenkapitalquote benötigt. Ich muss allerdings zugeben. dass mich das Geschäftsmodell der Berenberg Bank beeindruckt.

  • Wann kommen endlich redaktionelle Nachfragen, wenn wieder so ein Bankenonkel mit der "Eigenkapitalrendite" prahlt.
    Rechnerisch läßt sich eine hohe Eigenkapitalrendite auf zwei fatal verschiedenen Wegen ausweisen:
    Einmal durch hohe Gewinne, aber leider auch durch Herunterfahren des Eigenkapitals.
    Dies weil die Eigenkapitalrendite rechnerisch als "Gewinn / Eigenkapital" dargestellt wird.
    Ist das Eigenkapital auf "Null" heruntergewirtschaftet, während alle Erträge nur noch auf Pump erwirtschaftet werden, dann erzielt ein Unternehmen selbst mit nur einem Cent Gewinn eine unendlich hohe (!) Eigenkapitalrendite ( =1/0)
    Die "Eigenkapitalrendite" , ist längst kein Ausdruck mehr von geschicktem Wirtschaften, sondern häufig eher Ausfluss eines geringen Eigenkapitals bei hohem Fremdkapitaleinsatz:
    Die Gesamtkapitalrendite trennt hier die Spreu vom Weizen.

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