Chef-Gehälter
Der Sparkassenrebell

Fast alle Vorstandschefs der öffentlich-rechtlichen Sparkassen in Schleswig-Holstein haben sich gefügt und ihre Gehälter veröffentlicht. Einer verweigerte den Blick auf den Gehaltszettel.

BerlinAm vergangenen Freitag ging der Sparkassenverband im hohen Norden in die Offensive. Er veröffentlichte früher als erwartet die Vergütung der Vorstandschefs und der Vorstandsmitglieder der zehn öffentlich-rechtlichen Sparkassen. Gesetzliche Grundlage dazu ist das Vergütungsoffenlegungsgesetz der Küsten-Koalition.
Den Namen des Vorstandschefs der Sparkasse Holstein, Martin Lüdiger, suchte man vergeblich auf der Liste. Auf Nachfrage bei dem Institut hieß es, es gebe keine Verpflichtung zur Veröffentlichung der Vergütung. Aber natürlich halte man sich bei der Gesamtvergütung an die Empfehlungen des Verbands. Weniger zurückhaltend sind übrigens Lüdigers Vorstandskollegen Michael Ringelhann und Joachim Wallmeroth, die auf ein Jahreseinkommen von knapp 340.000 und 420.000 Euro kommen. Der Vorstandschef wird darüber liegen, so viel ist klar.

Der 58-jährige Lüdiger hat die Sparkasse Holstein seit Übernahme des Vorstandsvorsitzes im Jahr 2006 zu einem sehr erfolgreichen Institut geformt. Das ist in einem Bundesland, das drei Stützungsfälle zählte, alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Mit einer Bilanzsumme von 5,7 Milliarden Euro gehört die Sparkasse, deren Einzugsgebiet von der Insel Fehmarn bis in den Speckgürtel Hamburgs grenzt, zu den größten Instituten des Bundeslandes. Und mit einem Betriebsergebnis vor Bewertung von knapp 72 Millionen, was 1,25 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme entspricht, zählt das Institut sogar bundesweit unter den rund 400 Sparkassen zu den Top-Verdienern. Lüdiger gilt zwar als Sparfuchs, agiert aber durchaus unkonventionell. Während viele Sparkassen Filialen schließen, ist die Sparkasse dabei, in Hamburg weitere zu eröffnen. Das ist trotz Regionalprinzips nach der Sparkassen-Satzung erlaubt. Der Expansionsdrang hat Lüdiger im Handelsblatt bereits die Schlagzeile „Der Napoleon von der Küste“ eingebracht.
Grenzen kennt Lüdiger nur, was die Transparenz seines Gehalts angeht. Und wie sieht die Kieler Finanzministerin Monika Heinold das Gehaltsgebaren des Vorstandschefs? „Das Gesetz umfasst nur die Neuverträge. Das war eine bewusste Entscheidung, um Rechtssicherheit zu haben“, erklärte sie gegenüber dem Handelsblatt. Bei bestehenden Verträgen habe das öffentlich-rechtliche Unternehmen auf eine Vertragsanpassung hinzuwirken. Zugleich verteidigt die Ministerin noch einmal den Vorstoß, für den Land Nordrhein-Westfalen Pate stand: „Transparenz ist ein unverzichtbares Element einer demokratischen Gesellschaft. Nun ist das Feld frei, um die Argumente über die Angemessenheit von Gehältern und Altersbezügen auszutauschen.“
Der Träger der Sparkasse stützt die Position Lüdigers. Das Gesetz sehe weder eine persönliche Pflicht zur Veröffentlichung vor. Auch greife es nicht in laufende Verträge ein, die eine Offenlegungspflicht bisher nicht enthalten, sagte der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Holstein, Reinhard Sager, dem Handelsblatt. Von Blockade kann aber keine Rede sein. „Bei neuen Verträgen werden wir als Träger darauf hinwirken, dass eine entsprechende Offenlegung Vertragsbestandteil wird“, sagte Sager, der in Personalunion auch Präsident des Deutschen Landkreistages ist.

Der Präsident des Sparkassenverbandes von Schleswig-Holstein, Reinhard Boll, hält mit seinem Ärger nicht hinterm Zaun, dass die Sparkassen die einzige Institutsgruppe im Bundesland sei, die die Vergütung offenlegen müsse. Und das gilt nicht mal für alle. Die drei Sparkassen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft sind von dem Transparenzgebot ausgenommen. Es gilt nur für öffentlich-rechtliche Institute. Und wann wird sich der Schleier über dem Gehalt von Vorstandschef Lüdiger lüften? Es wird noch dauern. Der Vertrag des Sparkassenchefs endet am 31.12.2020. Er wurde erst kürzlich verlängert.

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