Chef von JP Morgan
„Händler verstanden die Risiken nicht“

Am heutigen Mittwoch muss sich Jamie Dimon vor dem Bankenausschuss des US-Senats verantworten. Den milliardenschweren Spekulationsverlust wird der Bankchef als Einzelfall darstellen.
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WashingtonJP Morgan-Chef Jamie Dimon will das Milliarden-Spekulationsdesaster der US-Großbank mit einer schlechten Überwachung der Händler und deren Ahnungslosigkeit begründen. Die Verantwortlichen hätten mit komplexen Finanzpapieren eigentlich die Gefahren für das Geldhauses reduzieren wollen und dabei ihre eigene Strategie nicht ganz verstanden, räumt Dimon ein. Dies geht aus einem vorab verbreiteten Text einer Rede ein, die Dimon heute vor dem Bankenausschuss des US-Senats halten will.

Er beschreibt darin die Verluste als „isoliertes Ereignis“ - ansonsten befinde sich die Bank in hervorragender Verfassung und werde im laufenden Quartal trotz allem einen soliden Gewinn verbuchen. Die Fehler seien im Zusammenhang mit dem Vorhaben entstanden, das gemessen am Anlagevermögen größte Institut der USA auf die verschärften internationalen Kapitalregeln (Basel III) vorzubereiten. Die Größe des Finanzkonzerns sei nicht das Problem, sondern eine Stärke von JPMorgan, erklärte Dimon und begegnete damit Forderungen von Kritikern, die eine Aufspaltung fordern.

Dimon räumt jedoch ein, dass Fehleinschätzungen und gravierende Management-Fehler den Spekulationsverlust mitverursacht hätten. Die Bank hätte natürlich einfach gefährliche Papiere verkaufen können, um ihr Risiko zu verringern. Stattdessen sei in London die Entscheidung gefallen, diese Risiken mit dem Kauf komplexer Absicherungsgeschäfte auszugleichen. „Diese Strategie wurde weder genau analysiert, noch einem rigorosen Stress-Test unterworfen, noch außerhalb des Londoner Chief Investment Office geprüft“, so Dimon. In dieser Abteilung, die für die Absicherung von Risiken zuständig ist, sind die Verluste angefallen. „Im Nachhinein ist klar, dass es den Händlern an dem erforderlichen Verständnis für die Risiken mangelte, die sie eingingen.“

Dimon nennt keine neue Summe für den Gesamtschaden, den er auf „mindestens“ zwei Milliarden Dollar beziffert hat. Einige Branchenexperten schätzen auf Basis von Marktgerüchten über die Geschäfte, dass der Verlust noch auf fünf Milliarden Dollar anschwellen könnte. Aber auch dies würde JPMorgan noch lange nicht das Genick brechen - die Bank verdiente allein im vergangenen Jahr 19 Milliarden Dollar. Der Vorsitzende des Bankenausschusses, Tim Johnson, stellte laut Redetext die Gegenfrage: „Wie ist es möglich, dass eine Bank viel zu hohe Risiken bei dem Versuch eingeht, die Risiken zu reduzieren?“ Er vermutete, dass die wahre Motivation hinter den Geschäften das Geldverdienen gewesen sei und nicht die Vermeidung von Gefahren.

JPMorgan Chase ist die Nummer eins unter Amerikas Banken und gehört zu den Gewinnern der Finanzkrise. Durch die missglückten Finanzwetten bekommen nun die Befürworter einer strengeren Regulierung der gesamten Branche Auftrieb.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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