Chefwechsel bei ING Diba: „Es gab nie ein besseres Jahr, um zu gehen“

Chefwechsel bei ING Diba
„Es gab nie ein besseres Jahr, um zu gehen“

Führungswechsel bei Deutschlands viertgrößter Privatkunden-Bank. Roland Boekhout löst seinen erfolgreichen Vorgänger Ben Tellings an der Spitze der Ing Diba ab. Im Doppelinterview ziehen die Bankmanager gemeinsam Bilanz - und verraten ihre Pläne nach der Krise.
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Handelsblatt: Herr Boekhout, was unterscheidet Sie als neuen Chef der ING-Diba von Ihrem Vorgänger Ben Tellings?

Roland Boekhout (grinst) …
Ben Tellings (lacht): Er ist jünger.
Boekhout: Das wollte ich auch sagen. Ich habe es mir aber verkniffen.

Wir wollten eher wissen, ob Sie diplomatischer sind. Herr Tellings hat die Konkurrenz und vor allem den Sparkassen-Sektor regelmäßig attackiert. Sind Sie defensiver?

Boekhout: Ganz bestimmt nicht. Geben Sie mir etwas Zeit, um meine neue Rolle auszufüllen. Aber wir sind von je her transparent und ehrlich. Heißt das, man muss ständig die Konkurrenz herausfordern? Nein. Heißt das, man darf Missstände beim Namen nennen? Sicher!

Herr Tellings hat die Bank sieben Jahre lang geführt und aus dem Nichts zur viertgrößten deutschen Privatkundenbank aufgebaut. Welche neuen Akzente wollen Sie da noch setzen?

Boekhout: Mein Ziel ist gar nicht Veränderung. Dafür ist die ING-Diba zu erfolgreich. Ich trete hier an und lerne. Es wird keine Überraschungen geben. Wir wollen das Wachstum fortsetzen. Dafür brauchen wir übrigens auch keine neuen Produkte, schon gar keine komplexeren. Unser Marktanteil im Einlagengeschäft oder bei der Baufinanzierung liegt noch jeweils unter fünf Prozent. Da ist Potenzial genug. Zumal wir attraktivere Konditionen bieten als die meisten Sparkassen oder Genossenschaftsbanken.

Das klingt schwammig. Ist es nicht doch so, dass die Zeiten rasanten Wachstums auch bei Ihnen vorbei sind? 2009 haben Sie gerade noch 200 000 Kunden gewonnen – früher waren es 500 000 und mehr pro Jahr.

Tellings: Dazu muss ich jetzt auch was sagen, schließlich bin ich noch bis zum Monatswechsel da. Unser Geschäftsvolumen ist in den letzten fünf Jahren im Schnitt um 14 Prozent jährlich gewachsen. Das hat sich 2009 fortgesetzt. Sie haben Recht, Neukunden zu gewinnen ist deutlich schwerer geworden. Das liegt an dem Niedrig-Zinsumfeld. Auch wir können für Tagesgeld keine Zinssätze von drei oder fünf Prozent mehr bieten. Doch mit steigenden Zinsen wird sich das wieder ändern.

Es sieht aber nicht danach, als ob die Zinsen so bald wieder steigen würden...

Tellings: Vorerst sicher nicht. Aber dann ist das Kundenwachstum eben geringer. Solange das Geschäftsvolumen weiter kräftig zulegt, ist das nicht schlimm.

Das mit dem Volumen ohne Kunden müssen Sie uns erklären...

Tellings: Haupttreiber ist für uns momentan die Baufinanzierung. Hier haben wir beim Bestand erst kürzlich die Marke von 50 Mrd. Euro überschritten. Außerdem machen die Kunden, die bereits bei uns sind, immer mehr Geschäft mit uns.

Dann wird es für Ihren Nachfolger ja auch sicherlich kein Problem sein, Ihre Ankündigung zu erfüllen, binnen zehn Jahren das Geschäft zu verdoppeln...

Tellings (zögert)…
Boekhout: Ja, das ist sicherlich eine große Herausforderung. Aber durchaus möglich.

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