Chinesische Großbank: ICBC wildert bei internationalen Rivalen

Chinesische Großbank
ICBC wildert bei internationalen Rivalen

Die nach Marktwert größte Bank der Welt, ICBC aus China, sucht dringend nach kompetenten Investmentbankern – und will verstärkt Personal von ihren globalen Wettbewerbern abwerben.
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PekingDie chinesische Großbank ICBC nutzt derzeit ihre großen Geldreserven und starke Basis im Heimatmarkt für eine gezielte Internationalisierung. Vor allem die weltweit operierende Wertpapier- und Investment-Banking-Sparte des chinesischen Marktführers sucht Manager mit Erfahrung bei weltweit tätigen Wettbewerbern wie Morgan Stanley oder UBS. "Wir internationalisieren unsere Belegschaft", sagt Mary MacLeod, Vizechefin von ICBC International Holdings mit Sitz in Hongkong.

MacLeod selbst hat das asiatische Investment-Banking für die Deutsche Bank geleitet, bevor sie zu ICBC International gewechselt ist. "Unsere Kundenbasis und Marktpräsenz dehnen sich über China hinaus weltweit aus", sagt die Managerin. "Wir müssen sicherstellen, dass unsere Banker den nötigen Hintergrund haben, um im globalen Rahmen zu handeln."

Vor drei Wochen erst hatte die ICBC auf sich Aufmerksam gemacht, als sie erste Übernahme einer westlichen Geschäftsbank angekündigt hat. Für den Kauf der US-Tochter der Bank of East Asia geben die Chinesen zwar nur 140 Millionen Dollar aus, doch das soll erst der Anfang sein. ICBC International beispielsweise will sein Personal in den kommenden Jahren kräftig ausbauen, sagte MacLeod der Nachrichtenagentur Reuters.

Bisher waren chinesische Banken für westliche Manager komplett unattraktiv - sie haben nur geringe Gehälter geboten. Der Chef der ICBC, Jiang Jianqing, verdient beispielsweise nur wenig mehr als 100 000 Euro im Jahr. Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank verdient knapp alle drei Tage so viel. 

Doch zwei Trends spielen den chinesischen Instituten nun in die Hände: Einerseits niedrigere Boni bei vielen westlichen Instituten, die den Abstand zumindest etwas verringern. Dazu kommt bei den chinesischen Staatsbanken die Einsicht, dass sich Top-Personal nur mit guten Angeboten ködern lässt. Im chinesischen Stammhaus wird es weiter nur bescheidene Gehälter geben - doch in den internationalen Töchtern sollen offenbar künftig konkurrenzfähige Summen möglich sein.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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