Christian Noyer
EZB-Banker für Staatsanleihekäufe

Der EZB-Banker Christian Noyer setzt sich für vorsorgliche Staatsanleihekäufe durch die EZB ein. Nach Meinung des Franzosen könnte so die Deflationsgefahr gemildert werden. Unkonventionelle Mittel scheinen willkommen.
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ParisZentralbanken sollten nach Einschätzung des französischen Notenbank-Gouverneurs Christian Noyer vorsorglich auf den Kauf von Staatsanleihen vorbereitet sein. Damit könnten sie auf Deflationsrisiken oder auf stark steigende Zinsen von Staatsanleihen reagieren, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag in Paris. Die Bemerkung lässt aufhorchen. Denn EZB-Chef Mario Draghi hatte erst am Donnerstag mitgeteilt, dass der Stab der Zentralbank vorsorglich den Einsatz weiterer unkonventioneller Mittel vorbereite. Um die Geldschleusen weiter zu öffnen, hält sich Draghi bei Bedarf den Ankauf privater oder staatlicher Anleihen in großem Stil offen - um so die lahmende Wirtschaft mit billigem Geld anzuschieben.

Der Rat hat zudem die gemeinsame Erwartungshaltung, dass die Bilanz der Notenbank auf das Niveau von Anfang 2012 aufgebläht werden kann. Dies entspricht einer Ausweitung um rund eine Billion Euro. Mit den Käufen von Pfandbriefen und bald auch Kreditverbriefungen wird diese Summe nach Ansicht von Experten jedoch bei weitem nicht erreicht werden. Die EZB stemmt sich mit den Maßnahmen gegen das unerwünscht niedrige Preisniveau in der Euro-Zone. Die Inflationsrate lag zuletzt nur bei 0,4 Prozent und damit weit unter dem Ziel der Notenbank von knapp zwei Prozent.

Sinken die Preise auf breiter Front, droht eine Abwärtsspirale, weil sich Konsumenten dann mit Käufen zurückhalten - in der Erwartung, Produkte bald noch billiger zu bekommen. Auch Löhne sinken dann und Firmen schieben Investitionen auf. Einige Länder der Euro-Zone wie etwa Griechenland und Spanien kämpfen bereits mit sinkenden Preisen. Zugleich können sich aber viele ehemalige Krisenstaaten der Währungsunion nach dem Abebben der Euro-Krise zu relativ günstigen Zinsen am Kapitalmarkt Geld besorgen.

Noyer warnte, extrem niedrige Zinsen könnten zur Illusion führen, dass Regierungen ihre Haushalte nicht in Ordnung bringen müssten. Es gebe Situationen, in denen Notenbanken dann eingreifen sollten: „In außergewöhnlichen Umständen sollten Zentralbanken die Folgen eines Vertrauensschocks auf Renditen von Staatsanleihen mildern, indem sie Staatspapiere kaufen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Christian Noyer: EZB-Banker für Staatsanleihekäufe"

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  • Ein Vorschlag zur Güte:

    Die Diäten und Pensionen der Politiker sollten in besagten Staatsanleihen angelegt werden.

  • Die Schweden haben auch Nullzinsen und sind nicht im Euro.
    Die Schweizer haben auch Nullzinsen und sind nicht im Euro
    Die Schweizer haben ihren Franken an den Euro gekoppelt
    Die Japaner haben auch Nullzinsen und sind nicht im Euro
    Die Briten haben auch Nullzinsen und sind nicht im Euro
    Die USA haben auch Nullzinsen und sind nicht im Euro.

    Meinen Sie nicht, dass die Problemursache woanders als im Euro läge....

    Moral Hazard findet sich in jedem Land und er gibt sich aus der Macht, welche aus Abhängigkeiten entsteht.

    Mit einer Währung hat dieses Problem wohl wirklich nichts zu tun.

  • Der €. Ein Notfall nach dem anderen. Schon klar. Der € - der Katalysator für den Kollaps des Papiergeldsystems. Besser als mit dem € kann moral hazard nicht funktionieren. Wenigstens wird der € zum Kollaps der EU führen. Das ist der einzige Trost. Allerdings kann das noch Jahrzehnte dauern - die USSR bestand auch unnötigerweise ziemlich lange.

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