Citigroup
Aktionäre kippen Vorstands-Boni

Der Citigroup-Verwaltungsrat muss eine Niederlage hinnehmen. Die Aktionäre lehnen auf der Hauptversammlung die Vorschläge zur Vorstandsvergütung ab. Doch zumindest die Ernennung des neuen Verwaltungsratschefs gelingt.
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New York/DallasDer Verwaltungsrat der Citigroup hat auf der Hauptversammlung der US-Großbank eine herbe Schlappe hinnehmen müssen. Die Aktionäre des Instituts stimmen mehrheitlich gegen die Pläne des Aufsichtsgremiums für die Bezahlung des Topmanagements.

Eine solche Abstimmungsniederlage gilt in den USA als absolute Ausnahme. Lediglich 45 Prozent der Aktionäre hätten den Vorschlägen der Verwaltung in puncto Bezahlung zugestimmt, teilte der Syndikus der Bank, Michael Helfer mit. Der bisherige Verwaltungsratschef Richard Parsons nannte die Entwicklung eine „ernste Angelegenheit“ und kündigte an, man werde das Gespräch mit den Aktionären suchen.

Möglicherweise waren die Aktionäre mit dem Gehalt von Vorstandschef Vikram Pandit nicht einverstanden, der im vergangenen Jahr 14,8 Millionen Dollar erhalten hatte. 2010 hatte sein Gehalt einen symbolischen Dollar betragen, 2009 lag es bei 128.714 Dollar. Im vergangenen Monat war die Citigroup eine der wenigen Großbanken, die bei den Stresstests der US-Notenbank durchfiel.

Bislang hatten US-Firmen im Großen und Ganzen selten Probleme, die Zustimmung ihrer Aktionäre zu erhalten. Im vergangenen Jahr, als die Abstimmung erstmals verpflichtend war, passiert das nur einer Handvoll von Firmen, darunter dem IT-Giganten Hewlett-Packard.

Die Hauptversammlung fand dieses Jahr in Dallas, Texas, statt und es kamen weit weniger Aktionäre als im vergangenen Jahr in New York. Allerdings stimmen in den USA traditionell sehr viele Aktionäre bereits im Vorfeld per Briefwahl ab. Die Abstimmung über die Gehälter, die von den Regulierern gefordert ist, ist nicht bindend. Eine solche Niederlage gilt aber als Misstrauensvotum.

Unproblematisch verlief jedoch die Berufung eines neuen Vorsitzenden für den Verwaltungsrat. Aus der Mitte des Gremiums der drittgrößten US-Bank wurde Michael O'Neill zum Vorsitzenden ernannt. O'Neill, der bereits seit 2009 Mitglied des Vorstands ist, löst Parsons ab, dessen Weggang bereits im vergangenen Monat angekündigt worden war. O'Neill war von 1995 bis 1999 Vizepräsident und Finanzvorstand der Bank of Amerika. Erst am Montag hatte Citigroup besser als zuvor erwartete Quartalszahlen veröffentlicht.

Die US-Großbank Citigroup hat im abgelaufenen Quartal einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Netto habe das Institut im ersten Vierteljahr 2,93 Milliarden Dollar (rund 2,2 Milliarden Euro) verdient, nach 2,99 Milliarden Dollar vor Jahresfrist, teilte der Konzern am Montag mit. Für das Schlussquartal 2011 hatte die Citigroup noch einen massiven Gewinneinbruch verzeichnet, nachdem die Finanzmärkte wegen der Probleme in Europa in eine Art Schockstarre verfallen waren.

Ohne Sonderposten nannte das landesweit der Bilanzsumme nach drittgrößte Geldhaus einen Gewinn pro Aktie von 1,11 Dollar für das erste Quartal 2012, inklusive Sonderposten von 0,95 Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 1,00 Dollar gerechnet. Unter anderem schlug die Neuaufstellung des Geschäfts-Portfolios aufgrund der Finanzkrise zu Buche. Auch die Einnahmen sanken im Vergleich zum Vorjahresquartal um zwei Prozent auf 19,4 Milliarden Dollar.

Mit Material von dapd.

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