Citigroup zuversichtlich
Ende ohne Schrecken

Die Milliardenstrafe kostet die Citigroup fast den kompletten Gewinn im Vergleich zum Vorjahr. Doch die Bank kann sich glücklich schätzen: Das ist nicht so schlimm, wie einige Experten erwartet hatten.
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San FranciscoZuerst die schlechte Nachricht: Sieben Milliarden Dollar wird die Citibank als Strafe für massive Verfehlungen bei der Ausgabe der berüchtigten verbrieften Ramschhypotheken bezahlen. Das verkündete die US-Bank am frühen Montag in einer separaten Mitteilung. Dann die gute Nachricht hinterher: Die Quartalszahlen fallen nicht so schlecht aus wie befürchtet. Am Ende des Tages verbleibt trotz des Keulenschlags des Justizministeriums ein kleiner Nettogewinn von 181 Millionen Dollar. Trotzdem: Das ist ein Einbruch um 96 Prozent von 4,2 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Die Aktie sprang daraufhin im frühen Handel um gut vier Prozent. Die Botschaft ist klar: Die Strafe war einmalig und erscheint gemessen an dem gewaltigen volkswirtschaftlichen Schaden, den die Bank angerichtet hat, geradezu gering. Bereinigt um die Strafzahlung lag der Gewinn im zweiten Quartal 2014 mit 1,24 Dollar pro Aktie nur geringfügig unter den 1,34 Dollar des Vorjahres. Die Aktionäre setzen auf eine schnelle Rückkehr zu den üblichen Milliardengewinnen.

Der Wirtschaftssender CNN berichtet unter Berufung nicht näher identifizierter Kreise, die mit den Verhandlungen vertraut seien, die Bank habe bis zuletzt auf volles Risiko gesetzt. Zu Beginn der Verhandlungen seien gerade mal 363 Millionen Dollar an Strafe angeboten worden. Erst als das Justizministerium die Bank informiert habe, man werde jetzt die Klage vorbereiten und vor Gericht ziehen, hätte der Vorstand eingelenkt.

Es stand auch eine Menge auf dem Spiel: Die Staatsanwaltschaft unter Eric Holder sparte am Montag nicht mit harscher Kritik: „Trotz der Tatsache, dass Citigroup über die ernsten und weitverbreiteten Probleme mit den zunehmenden riskanten Anleihen Bescheid wusste, haben Bank und Mitarbeiter diese Probleme verschleiert“, heißt es in einem Statement. Durch diese Lügen über die finanzielle Stabilität ihrer Produkte habe die Bank ihre eigene Situation verbessern können. Das habe sie auf Kosten von „Millionen von einfachen Amerikanern, Investoren, anderen Bankinstituten, Universitäten und Pensionsfonds“ getan. Die bleiben jetzt alle auf ihren Milliardenverlusten sitzen.

Für Citi geht es jedoch wieder aufwärts. Die Riesenstrafe trifft den Bankriesen nicht wirklich bis ins Mark: „Trotz der signifikanten Auswirkungen auf unseren Nettogewinn hat sich unsere Kapitalposition verbessert“, freut sich Citibank-Geschäftsführer Michael Corbat. Die Kernkapitalquote stieg von zehn Prozent im Vorjahr auf 10,6 Prozent. Niemand will offenbar eine erneute Destabilisierung des Sektors riskieren. Aber ganz ungeschoren sollte die Bank auch davonkommen.

Von der Gesamtsumme streicht vier Milliarden Dollar das Justizministerium ein, 500 Millionen Dollar gehen an die Staatsanwaltschat und die staatliche Einlagenversicherung. 2,5 Milliarden werden dafür aufgewandt, überschuldeten Hausbesitzer zu helfen.

Was das generelle Geschäft angeht, zeigte sich die Bank robuster als von Analysten befürchtet. Der Quartalsumsatz lag mit 19,3 Milliarden Dollar um sechs Prozent schwächer als ein Jahr zuvor. Aber unter Ausklammerung der Strafzahlungen, die mit 3,7 Milliarden Dollar im abgelaufenen Quartal eingebucht wurden, sanken gleichzeitig die operativen Ausgaben um drei Prozent. Das federt den Verlust etwas ab.

Die Einnahmen aus dem Handel mit Festverzinslichen sanken um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren brach um 26 Prozent ein. Zusammengenommen lag der Rückgang mit 15 Prozent aber niedriger als von Citibank noch im Mai befürchtet. Im eigentlichen Kerngeschäft einer Bank, der Vergabe von Krediten, ging es dagegen mit acht Prozent aufwärts.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Die Manager haben vorsätzlich geggen die Bankkunden gehandelt und sich dafür noch Boni genommen. Warum muss der Bankkunde die Strafe zahlen und die Manager dürfen ungestraft weitermachen?? Normal und richtig wäre. Die Bankmanager allein zahlen die Strafe!!

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