CO2-Skandal
Deutsche-Bank-Mitarbeiter müssen zum Haftrichter

Nach der Razzia wächst die Kritik an der Deutschen Bank. Heute entscheidet das Amtsgericht, ob fünf Mitarbeiter weiter in Haft bleiben müssen. Vorstandschef Fitschen erhält derweil Unterstützung von Aktionärsseite.
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FrankfurtDie Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank gehen mit Hochdruck weiter. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt beschuldigt nach einer Großrazzia vom Mittwoch weiterhin 25 Beschäftigte des Instituts verschiedener Delikte wie Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung. Nach dpa-Informationen handelt es sich unter anderem um Händler, Fachleute für Steuerrecht und IT-Spezialisten. Auch Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause sind ins Visier der Justiz geraten.

Für fünf Beschuldigte ist für den Mittag eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Frankfurt geplant, wie Oberstaatsanwalt Günter Wittig am Donnerstag erklärte. Der Haftrichter muss entscheiden, ob weiterhin die Gefahr besteht, dass die Beschuldigten Beweise gegen sie verdunkeln. Dann müsste er eine weitere Haft verfügen.

Die Verhandlung muss routinemäßig und zwingend am Tag nach der Festnahme stattfinden, um die vor der Razzia ausgestellten Haftbefehle zu überprüfen. Zu weiteren Einzelheiten der Ermittlungen wollte sich Wittig unter Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Gegen Fitschen und Finanzchef Krause laufen Ermittlungen, weil beide den Angaben der Bank zufolge die Umsatzsteuererklärung des Instituts für das Jahr 2009 unterschrieben haben. Sie soll laut Medienberichten rund 300 Millionen Euro zu Unrecht erstattete Umsatzsteuer aus illegalen Handelsgeschäften mit Umweltzertifikaten enthalten haben. Die Deutsche Bank vertritt die Meinung, dass man die Erklärung rechtzeitig korrigiert habe. Deutschland-Chef Fitschen führt den Konzern gemeinsam mit Anshu Jain seit Juni 2012.

Die Deutsche Schutzvereinigung Wertpapierbesitz (DSW) fordert von der Deutschen Bank bessere Vorkehrungen gegen Betrug. „Man muss eben in der Lage sein, das Treiben von einigen wenigen, die möglicherweise gegen Regeln verstoßen, früher festzustellen“, sagte Vize-Präsident Klaus Nieding im ZDF-„Morgenmagazin“. Der von Fitschen und Jain angekündigte Kulturwandel sei auch daher notwendig.

„Es scheint ja so zu sein, dass in der Tat verschiedene Dinge in der Deutschen Bank anders, besser gemacht werden müssen“, sagte Nieding. Man solle Fitschen aber die Chance geben, den von ihm angekündigten Kulturwandel auch durchzusetzen. Nieding zeigte aber Verständnis für die Unterschrift Fitschens auf der fragwürdigen Steuererklärung. Es gebe die Gesamtverantwortung des Vorstands im Aktienrecht, sagte Nieding. „Auf der anderen Seite muss man auch hier die Kirche im Dorf lassen.“

Für ihn scheine klar zu sein, dass bei einem Unternehmen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von über zwei Billionen Euro „im Vertrauen auf die Fachabteilungen so was unterschrieben wird“.

Dass der Steuerskandal mit Fitschen und Krause nun den Vorstand der Deutschen Bank erreicht hat, alarmierte auch die Berliner Politik. „Es ist an der Zeit, dass nun endlich bei der Deutschen Bank nachgeguckt wird“, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. „Bei jedem Finanzskandal ist die Deutsche Bank dabei.“ Die Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundestags, Birgit Reinemund, äußerte sich ebenfalls kritisch. Selbstverständlich stehe der Unterzeichner einer Steuererklärung in der Verantwortung, sagte die FDP-Politikerin.

 
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Hosiana... sie schreiben hier von der Deutschen Bank als ob sie heilig wäre und das nicht verdient hätte.

    Für mich ist diese Bank einer der verantwortungslosesten Banken auf unserer Welt.

    Sie ist/war extrem in der US-Immobilienkrise involviert und hat mit gefälschten Unterschriften Tausende von Häuslebesitzer auf die Strasse setzten lassen. Selbst solche, die zahlen wollten.
    Die Bank ist im Libor Skandal verwickelt, spekuliert massiv mit Nahrungsmittel auf dem Rohstoffmarkt, sicher ist ja erlaubt, aber das zeigt Ihre nicht vorhandene Moral.

    Auch im Waffenhandel ist sie ein grosses Licht und nicht zu vergessen das Ackermann Ziel von 25% Rendite.

    Und die für uns teure Griechenland-Rettung, war federführend ein geschickter Coup der Deutschen Bank.

    Ackerman hat uns 1:1 die Gesetztesvorlage zur Vorlage diktiert...

    Haben sie wohl schon vergessen. Weg mit dem Dreck!

  • nieding soll seine geschäftsbeziehungen zur deutschen bank offenlegen.

    dann sollen die dsw gremien überlegen,ob hier ein frosch im sumpf quakt

  • Wenn man die wiederholten Angriffen auf der Deutschen Bank sieht, muss diese Frage stellen: "Wer hat Interesse an die Vernichtung der Deutschen Bank?" Die Politik? Die interne oder externe Konkurrenz? usw. Was die Deutsche Bank macht, ist es bei ALLEN Banken üblich, nur keiner will zuschauen. Man sollte mit ähnlichen Vorgängen sehr vorsichtig umgehen! In einem globalisierten Unternehmen, wie die Deutsche Bank, gilt nicht nur die deutsche Gesetzgebung.

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