Coalition-Ranking Deutsche Bank fällt aus Top fünf der Investmentbanken

Die Deutsche Bank gehört nicht mehr zu den fünf größten Investmentbanken der Welt. Nach einer Branchenauswertung verlor das Geldhaus vor allem im Rohstoff- und Devisenhandel. Die Bank selbst zeigte sich wenig überrascht.
Vorstandschef John Cryan hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Quelle: dpa
Hauptversammlung Deutsche Bank

Vorstandschef John Cryan hat mit vielen Problemen zu kämpfen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/LondonDie Deutsche Bank zählt neuesten Erhebungen zufolge nicht mehr zu den Top 5 der weltgrößten Investmentbanken. Nach Daten des Branchendienstes Coalition vom Freitag rutschte das Institut im internationalen Ranking zum Ende des ersten Halbjahres 2016 auf Platz 6 ab, nach Platz 3 vor Jahresfrist.

Damit kommen in der für die Branche wichtigen Rangliste nun erstmals seit mindestens sechs Jahren alle Banken auf den Plätzen 1 bis 5 aus den USA. Branchenführer gemessen en den Einnahmen ist weiterhin JPMorgan, gefolgt von Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und Morgan Stanley. Hinter der Deutschen Bank folgen Barclays, Credit Suisse, UBS, HSBC, BNP Paribas und Societe Generale.

Die Daten beinhalten die Erträge der Bank aus Marktaktivitäten wie Aktien- und Anleihehandel, aber auch klassische Investmentbanking-Tätigkeiten wie das Beraten von Kunden und die Unterstützung bei Finanzierungsfragen.

Die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben wegen ihres Umbaus zuletzt bewusst auf Geschäft verzichtet, sodass das Abrutschen auf den sechsten Platz nicht überraschend kommt. Die aktuellen Daten zeigen, dass das Geldhaus am meisten im Währungs- und Rohstoffhandel sowie bei Anleihegeschäft verloren hat. Die Deutsche Bank sagte der „Financial Times“, dass das Rankingergebnis die Strategie des Geldhauses widerspiegele. Die Bank bleibe dennoch die größte Investmentbank außerhalb der USA. Credit Suisse, die andere große europäische Investmentbank ist vom siebten auf den achten Platz gefallen. Das schweizerische Geldhaus befindet sich ebenfalls in einem grundlegenden Umbau.

Nachdem in der vergangenen Woche bekannt geworden war, dass das US-Justizministerium eine zweistelligen Milliardenstrafe von der Deutschen Bank fordert, steht das Geldhaus noch weiter unter Beobachtung. Der Aktienkurs nährte sich zuletzt wieder dem Allzeittief an, auch die Sorgen aus der Politik werden größer. Finanzpolitiker der Sozialdemokraten sollen sich in einer internen Sitzung mit der Finanzlage der größten Bank des Landes beschäftigt haben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag.

Gute Banken, schlechte Banken
Dunkler Himmel über den Banken in Frankfurt
1 von 11

Europas Banken stecken in der Krise – das wussten Marktbeobachter schon vor dem großen Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere. Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Das KBV liegt bei fast allen Geldhäusern unter 1. Das bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen als von der Fortführung des Geschäfts – oder dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 2. Quartal 2016.

Platz 8: Deutsche Bank
2 von 11

Nettogewinn: 447 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 14,1 Prozent

KBV: 0,48

Platz 9: Credit Suisse
3 von 11

Nettogewinn: 280 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 4,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,3 Prozent

KBV: 0,88

Platz 10: Commerzbank
4 von 11

Nettoverlust: 643 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: –3,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 13 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,50

(Quelle: Bloomberg)

Platz 6: Unicredit
5 von 11

Nettogewinn: 975 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 8,2 Prozent

Eigenkapitalquote: 12,8 Prozent

KBV: 0,70

Platz 6: UBS
6 von 11

Nettogewinn: 943 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 7,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 15 Prozent

KBV: 0,88

Platz 5: Barclays
7 von 11

Nettogewinn: 992 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,8 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,6 Prozent

KBV: 0,41

Nach Angaben von Teilnehmern zeigten sich die SPD-Abgeordneten besorgt über die angedrohte Höhe der Strafe von 14 Milliarden Euro, da sich die Rückstellungen des Instituts für alle laufenden Rechtsstreitigkeit lediglich auf etwa 5,5 Milliarden Euro summieren. Zudem äußerten sie sich kritisch über die vorzeitige Veröffentlichung des angedrohten Strafmaßes.

Die Sorgen von Investoren um die Finanzausstattung der Bank haben längst auch Berlin erreicht. Bei dem Treffen der SPD-Arbeitsgruppe wurden staatliche Hilfen für den in Frankfurt ansässigen Finanzkonzern nicht diskutiert. Die SPD-Finanzpolitiker hoffen, dass ein Vergleich der Deutschen Bank mit dem US-Justizministerium zu einer geringeren Strafe führen wird. Berlin erwartet bei den Vergleichsverhandlungen ein “faires Ergebnis”, erklärte Friederike von Tiesenhausen, die Sprecherin des Bundesfinanzministeriums, am vergangenen Freitag.

Die Deutsche Bank hatte vor einer Woche bestätigt, dass das US-Justizministerium in den Verhandlungen über einen Vergleich im Hypothekenstreit eine Strafzahlung von 14 Milliarden Dollar einfordert. Dabei werden dem Institut unzulässige Geschäftspraktiken auf dem Immobilienmarkt vorgeworfen. Die Deutsche Bank erwartet nach eigenen Angaben ein Verhandlungsergebnis, das im Bereich ihrer Wettbewerber liegt, die sich mit dem US-Justizministerium bereits auf deutlich niedrigere Beträge geeinigt haben.

  • jut
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