Coba-Investmentbanker: Eltern reagierten ungläubig auf Bonuskürzung

Coba-Investmentbanker
Eltern reagierten ungläubig auf Bonuskürzung

Seit Jahren kämpfen Investmentbanker der ehemaligen Dresdner Kleinwort um ihre Millionen-Boni, die von der neuen Mutter Commerzbank drastisch gekürzt worden waren. Nun machte einer von ihnen in London seine Aussage.
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LondonIm Prozess um nicht gezahlte Millionen-Boni bei der Commerzbank hat am Mittwoch erstmals einer der betroffenen Investmentbanker ausgesagt. Steven Garrett berichtete vor dem High Court in London, Leute außerhalb der Bank, vor allem seine Eltern, hätten ungläubig reagiert, als er ihnen erzählte, dass er nur zehn Prozent der versprochenen Sonderzahlung tatsächlich bekommen sollte. Garrett hatte bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort 2008 ein Gehalt von 120.000 Pfund bekommen. Dazu hatte er nach den Versprechungen von Investmentbank-Vorstand Stefan Jentzsch einen Bonus von 1,6 Millionen Euro erwartet - doch nach der Übernahme durch die Commerzbank wurden nur 160.000 Euro davon ausgezahlt.

„Die meisten haben mir gesagt: „Steve, das muss ein Fehler sein. Du musst durchhalten und das intern ausfechten'“, sagte Garrett aus. „Ich war natürlich sehr verärgert, dass ich nicht entlohnt wurde“, sagte der damalige Leiter des Geschäfts mit Zinsoptionen, die Hände unter dem Tisch verschränkt. Jentzsch hatte seiner Mannschaft insgesamt 400 Millionen Euro an Boni zugesagt, nachdem Dresdner Kleinwort ein Exodus drohte, als der bevorstehende Verkauf ruchbar wurde.

„Er hat im Grunde gesagt: „Ihr könnt es hier aushalten... konzentriert euch, arbeitet weiter, und denen, die gute Leistung zeigen, wird es gutgehen“, beschrieb Garrett die Versammlung, in der Jentzsch zur Belegschaft gesprochen hatte. Doch als Garrett die Aufzeichnung von Jentzschs Rede noch einmal ansehen wollte, sei sie im Intranet der Bank gelöscht gewesen. Und als er sich darüber beschweren wollte, habe man ihm gedroht, ihn wegen Belästigung zu melden.

Im Februar 2009 wurden die Boni radikal zusammengestrichen, einige Investmentbanker erhielten nur ein Zehntel von dem, was ihnen versprochen worden war. Dresdner Kleinwort hatte in der Finanzkrise einen Verlust von mehr als sechs Milliarden Euro erwirtschaftet. Blessing hatte den Schritt am Montag vor dem Londoner Gericht verteidigt. Die Krise habe sich so beschleunigt und verschärft, dass er die Zahlungen gekürzt habe. Er habe die Boni in dieser Höhe im Übrigen schon immer für unklug und überzogen gehalten. Der Commerzbank-Vorstand selbst muss sich seit 2008 mit einem Grundgehalt von 500.000 Euro begnügen, nachdem der deutsche Staat der Bank mit 18 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen hat. Boni sind für die Führungsspitze daher derzeit verboten.

In dem Londoner Prozess wollen 104 Banker die Nachzahlung von 52 Millionen Euro an Boni erstreiten - die Forderungen der einzelnen Mitarbeiter reichen von 15.000 bis 2,6 Millionen Euro. Letztlich geht es um die Frage, inwieweit die Zusagen der Bank als verbindlich anzusehen waren oder ob Klauseln wirksam sind, die die Boni bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage infrage stellen. Jentzsch selbst wird am kommenden Montag als Zeuge der Kläger erwartet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Coba-Investmentbanker: Eltern reagierten ungläubig auf Bonuskürzung"

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  • Sie würden erstaunt sein wie deutsche Arbeitsrichter die Stirn runzeln wenn sie die Berechnungsmethodik von Bonustöpfen - auch bei der Commerzbank - hinterfragen und verstehen möchten und selbst gestandene Experten geben vor Gericht auch mal zu nicht mehr ganz durchzublicken.
    Gewinn ist ein pauschaler Begriff der bis zu seinem Ausweis buchhalterischen Bewertungen unterliegt und nach Interessenlage gestaltet werden kann, z.B. durch Abschreibungen oder Wertberichtigungen. Aus meiner Sicht ist dieses Thema für die Beantwortung der Klage in England irrelevant. Es dürfte zu bewerten sein ob die Aussagen der für die Bank entscheidenden Personen wie z.B. Herr Blessing rechtlich verbindlich waren. Sollte dieses bejaht werden und Boni rückwirkend zu zahlen sein, dürfte der damit verbundene Schaden zu Lasten der Commerzbank wiederum die rechtliche Frage aufwerfen wie mit dem/den Verantwortlichen umzugehen sei.

  • Bonitopf

    Ein Bonitopf wird aus den Gewinnen gefüllt. Bei Dresdener Kleinwort sah es am Ende sehr schlecht aus mit Gewinnen. Wenn es keine Gewinne gab um den Bonitopf zu füllen, dann gab es auch nichts aus dem Bonitopf zu verteilen. Ich finde es grob fahrlässig wenn ein Manager über Boni In Euro oder Dollar redet bevor feststeht wieviel Gewinn es gibt. Bevor die Gewinne eingefahren werden kann nur darüber geredet werden wieviel Prozent der einzelne aus dem Bonitopf erhält. Und 0,5% von nichts ist halt nichts.

  • Bei einer Pleite aber hinfällig. Punkt!

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