Commerzbank-Angebot
Ein merkwürdiger Bitcoin-Cocktail

Um die virtuelle Währung Bitcoin tobt ein wahrer Hype. Mit einem Spezialprodukt für Profi-Investoren will die Commerzbank auf dem Markt mitmischen – und zieht Spott auf sich.
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FrankfurtWer den abenteuerlichen Aufstieg der Online-Währung Bitcoin verfolgt, fühlt sich an die Zeiten des Neuen Markts erinnert. Vor der Jahrtausendwende brauchte eine Firma nur zu erwähnen, dass ihr Geschäftsmodell irgendwas mit Internet zu tun hat, und Anleger rissen ihre Aktien aus der Hand. Ähnlich läuft es nun beim Bitcoin: Was auch nur entfernt mit der virtuellen Währung zu tun hat, geht weg wie geschnittenes Brot.

Offenbar kann da auch die alt-ehrwürdige Commerzbank nicht widerstehen. Jetzt hat es die Bank mit einem strukturierten Produkt in die Schlagzeilen geschafft, mit dem Profi-Investoren am Bitcoin teilhaben können sollen. Die Krux dabei: Mit der Kursexplosion der Online-Währung hat die Erfindung der Commerzbanker offenbar nur wenig zu tun. Stattdessen setzen Anleger damit etwa auf die Aktie des Software-Urgesteins Microsoft.

Aufgespießt wurde die Geschichte von der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wollen Sie Bitcoins besitzen, aber schämen Sie sich zu sehr, ihren Freunden zu gestehen, dass sie eine traditionelle Anlage für eine Währung mit fragwürdiger Vergangenheit getauscht haben?“, heißt es dort. „Dann könnte die Commerzbank eine Lösung für sie haben – auch, wenn sie nicht wie eine sehr wirksame aussieht“.

Demnach haben die Experten der Bank ein strukturiertes Produkt aufgelegt, das sich ausschließlich an Profi- Investoren richtet und nur auf Englisch vermarktet wird. Mit den so genannten „Structured Notes“ kombinieren Finanzalchemisten alle möglichen Anlagemöglichkeiten zu einem Cocktail. Dabei gilt die Maxime: Was sich verkaufen lässt, lässt sich auch zusammenmischen. Ob diese Maxime auch die Commerzbanker inspiriert hat? Die hatte nämlich eine „Anlageidee”. Damit können Kunden „ein Exposure zum Bitcoin erhalten, ohne tatsächlich direkt darin zu investieren“. Mit dem Begriff Exposure wird in der Finanzwelt das Aussetzen zu einem Marktrisiko bezeichnet.

So könnte man auf die Idee kommen, dass Investoren mit der Commerzbank-Kreation an der Entwicklung des Bitcoins teilhaben. Aber stattdessen verrührt das Produkt die Aktien der E-Commerce-Firma Shopify, des Fernsehsattelitenbetreibers Dish und des Softwareriesen Microsoft. Die seien alle mit der Blockchain beschäftigt, also mit der Technik, die hinter dem Bitcoin steckt. So akzeptiert Microsoft in den USA etwa den Bitcoin als Zahlungsmittel. Mit der virtuellen Währung selbst hat die Erfindung der Commerzbank nur entfernt etwas zu tun.

Bei der Bank heißt es, man biete insgesamt eine sechsstellige Zahl an strukturierten Anlageprodukten für Investoren an. „Diese beinhalten auch maßgeschneiderte Anlageideen, die nur für institutionelle professionelle Investoren auf besondere Kundennachfrage entwickelt werden”, sagte ein Sprecher der Commerzbank. „Diese Anlageidee zielt nicht auf den deutschen Markt ab.”

Die Bloomberg-Leute haben sogar eigens errechnet, dass die Entwicklung der drei Aktien mit der des Bitcoins kaum im Zusammenhang steht – was angesichts der illustren Zusammensetzung auch wenig überrascht. Aber das kann beim nächsten Bitcoin-Crash ja auch eine positive Sache sein.

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