Commerzbank
Blessings Erbe arbeitet noch nicht im eigenen Hause

Im Oktober 2016 hört Commerzbank-Chef Martin Blessing auf. Noch ist nicht geklärt, wer nach ihm die Geschicke der Bank führt. Nur eines zeichnet sich immer deutlicher ab: Ein interner Kandidat wird es wohl nicht werden.

FrankfurtKlaus-Peter Müller hat schon ruhigere Weihnachten erlebt: Der 71-Jährige muss einen Nachfolger für seinen Nachfolger als Chef der Commerzbank suchen – und das möglichst „zügig“, wie er selbst sagt. Die Suche ist freilich nicht recht vorangekommen in den sechs Wochen seit der Rücktritts-Ankündigung von Martin Blessing. Aber eines zeichnet sich Insidern zufolge immer klarer ab: Der nächste Commerzbank-Chef wird nicht aus der Bank selbst kommen.

Mittelstandsbank-Vorstand Markus Beumer scheint aus dem Rennen. Denn in der Bank und in der Politik ist die Erkenntnis gereift, dass der Commerzbank ein ganz neues Gesicht gut täte. Von einer „Kuschelkultur“ in der Führungsetage spricht einer aus dem Umfeld der Commerzbank-Eigentümer. Die müsse ein Ende haben.

„Die Commerzbank hat ein sehr homogenes Vorstandsteam. Blessing hat Leute um sich geschart, die vom Typ her recht ähnlich sind“, sagt ein hochrangiger Banker. „Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die Eigentümer jemand von außen holen, um frischen Wind reinzubringen.“ Und die Kontinuität sei ja durch Müller gewahrt. Der hatte erst vor kurzem unterstrichen, dass er nicht daran denke, vor 2018 als Aufsichtsratschef abzutreten.

Mit einem Chef von außen dürfte der zweitgrößten deutschen Bank ein größerer Umbruch bevorstehen als unter Beumer. „Der Aufsichtsrat muss sich Gedanken über die Strategie machen und dann den Kandidaten suchen, der dazu passt“, formuliert ein Eigentümervertreter. Müller betont zwar, die Commerzbank brauche keine neue Strategie. Eine Vorstellung, wohin sie sich in den nächsten fünf Jahren entwickeln soll, wäre aber dringend nötig, schon um dem Aktienkurs auf die Sprünge zu helfen. Er müsste sich von gut neun Euro verdoppeln, damit der Bund, der 2008 mit 18 Milliarden Euro als Retter eingesprungen war, seine restlichen knapp 16 Prozent ohne Verlust verkaufen kann. Bisher reichen die Strategiepläne nur bis Ende 2016.

„Die Commerzbank muss profitabler werden“, sagt Equinet-Analyst Philipp Häßler. „Das wird ohne Kostensenkungen schwer zu erreichen sein.“ Doch das könnte schnell an der Glaubwürdigkeit einer Bank kratzen, die gerade offensiv mit ihrem Filialnetz wirbt und sich in Internet-Spots über die Filialschließungen der Konkurrenz mokiert. So zuletzt in der Kampagne auf www.meinebankistweg.de. Dabei steht auch bei ihr jede der 1100 Zweigstellen auf dem Prüfstand, wenn der Mietvertrag ausläuft, wie Insider berichten. Doch das hängt die Nummer zwei der Branche nicht an die große Glocke.

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Beumer sind offenbar Zweifel gekommen

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