Commerzbank: Die Emotionen des Trainers

Commerzbank
Die Emotionen des Trainers

Zum letzten Mal präsentiert Martin Blessing die Bilanz der Commerzbank. Der scheidende Chef verabschiedet sich mit „gemischten Gefühlen“ – nach einer Achterbahnfahrt, wie er selbst sagt.

Frankfurt am MainErst kommen die Zahlen, ziemlich gute Zahlen. Die Commerzbank fuhr 2015 einen Gewinn von fast 1,1 Milliarden Euro mehr und erstmals seit fünf Jahren die Milliardenschwelle geknackt. Dann kommen die persönlichen Worte. Es ist schließlich das letzte Mal, dass Martin Blessing die Bilanz der Commerzbank vorstellt.
So wie er „fühlt sich wahrscheinlich ein Trainer, der sich nach vielen Jahren von seiner Mannschaft verabschiedet“, sagt der schneidende Bankchef, der das Haus in diesem Jahr verlässt. „Wir hatten gute und weniger gute Momente“, fasst er die fast achte Jahre an der Commerzbank-Spitze zusammen. Den Commerzbank-Aktionäre wird die Vorstellung der Bilanz als ein guter Moment in Erinnerung bleiben: Sie hievten die Aktie um bis zu 16 Prozent ins Plus.
Im Frühjahr 2008 hatte Blessing den Vorstandsvorsitz übernommen, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise also. Ganz kurz vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September desselben Jahres kaufte die Commerzbank die Dresdner Bank – was sich als teure Übernahme erwies.

Die Commerzbank brauchte Milliarden vom Staat, der Bund ist 15 Prozent noch immer Großaktionär. Danach berappelte sich das Geldhaus, 2011 zahlte es gut 14 Milliarden Euro Staatshilfen zurück. „Da haben wir uns sehr gut gefühlt“, so Blessing.
Doch ein paar Momente später sei die Debatte um die Verschuldung Griechenlands aufgekommen – und die Frage, ob die Commerzbank zum dritten Mal mehr Kapital brauchte. „Da haben wir uns wieder sehr schlecht gefühlt“, beschreibt der Commerzbank-Chef die Achterbahnfahrt.
Das Geschäft im Jahr 2015 dürfte Blessings Laune allerdings wesentlich gehoben haben. „Insgesamt kann man sagen: 2015 war für uns ein ganz ordentliches Jahr“, sagt er. „Wir haben frühzeitig die richtige Strategie eingeleitet.“ Die Commerzbank stehe deutlich solider da als vor der Finanzkrise. Erstmals seitdem will sie nun auch wieder eine Dividende zahlen, 20 Cent pro Aktie.
Dafür gibt es Beifall: „Chapeau, Herr Blessing, und Respekt für die Zahlen und Ihren sauberen Abgang!“, lobt der Münchner Wirtschaftsprofessor Klaus Fleischer. Die Bank sei 2015 eine deutliche Reduzierung der Risiken gelungen, das rechtfertige die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung. „Die Commerzbank leistet hiermit für die Aktienkultur und Rückgewinnung verlorenen Vertrauens in die Bankenlandschaft einen wichtigen Beitrag.“

Dennoch: Für seinen Nachfolger, der noch nicht feststeht, „bleibt eine Menge zu tun“, sagt Blessing. Die gesamte Branche stehe vor Herausforderungen durch negative Einlagenzinsen, die die Geldhäuser bei der Europäischen Zentralbank berappen müssen, durch die Digitalisierung des Geschäfts und durch mehr Regulierung. „Die Renditen der Banken werden noch niedriger werden.“
Das aber werde die neue Commerzbank-Spitze meistern. Dem Nachfolger wünsche er viel Erfolg und drücke ihm die Daumen“, sagt Blessing – und kann sich eine spitze Bemerkung nicht verkneifen: Was an Spekulationen über seine Nachfolge geschrieben wurde, seien die Leser „ganz wunderbar unterhalten“ worden, das gelte jedenfalls für ihn.

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