Commerzbank Die Emotionen des Trainers

Zum letzten Mal präsentiert Martin Blessing die Bilanz der Commerzbank. Der scheidende Chef verabschiedet sich mit „gemischten Gefühlen“ – nach einer Achterbahnfahrt, wie er selbst sagt.
Update: 12.02.2016 - 12:25 Uhr
Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, konnte die Commerzbank nach der Finanzkrise erfolgreich sanieren. Quelle: dpa
Commerzbank präsentiert Jahreszahlen 2015

Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, konnte die Commerzbank nach der Finanzkrise erfolgreich sanieren.

(Foto: dpa)

Frankfurt am MainErst kommen die Zahlen, ziemlich gute Zahlen. Die Commerzbank fuhr 2015 einen Gewinn von fast 1,1 Milliarden Euro mehr und erstmals seit fünf Jahren die Milliardenschwelle geknackt. Dann kommen die persönlichen Worte. Es ist schließlich das letzte Mal, dass Martin Blessing die Bilanz der Commerzbank vorstellt.
So wie er „fühlt sich wahrscheinlich ein Trainer, der sich nach vielen Jahren von seiner Mannschaft verabschiedet“, sagt der schneidende Bankchef, der das Haus in diesem Jahr verlässt. „Wir hatten gute und weniger gute Momente“, fasst er die fast achte Jahre an der Commerzbank-Spitze zusammen. Den Commerzbank-Aktionäre wird die Vorstellung der Bilanz als ein guter Moment in Erinnerung bleiben: Sie hievten die Aktie um bis zu 16 Prozent ins Plus.
Im Frühjahr 2008 hatte Blessing den Vorstandsvorsitz übernommen, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise also. Ganz kurz vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September desselben Jahres kaufte die Commerzbank die Dresdner Bank – was sich als teure Übernahme erwies.

Die Commerzbank brauchte Milliarden vom Staat, der Bund ist 15 Prozent noch immer Großaktionär. Danach berappelte sich das Geldhaus, 2011 zahlte es gut 14 Milliarden Euro Staatshilfen zurück. „Da haben wir uns sehr gut gefühlt“, so Blessing.
Doch ein paar Momente später sei die Debatte um die Verschuldung Griechenlands aufgekommen – und die Frage, ob die Commerzbank zum dritten Mal mehr Kapital brauchte. „Da haben wir uns wieder sehr schlecht gefühlt“, beschreibt der Commerzbank-Chef die Achterbahnfahrt.
Das Geschäft im Jahr 2015 dürfte Blessings Laune allerdings wesentlich gehoben haben. „Insgesamt kann man sagen: 2015 war für uns ein ganz ordentliches Jahr“, sagt er. „Wir haben frühzeitig die richtige Strategie eingeleitet.“ Die Commerzbank stehe deutlich solider da als vor der Finanzkrise. Erstmals seitdem will sie nun auch wieder eine Dividende zahlen, 20 Cent pro Aktie.
Dafür gibt es Beifall: „Chapeau, Herr Blessing, und Respekt für die Zahlen und Ihren sauberen Abgang!“, lobt der Münchner Wirtschaftsprofessor Klaus Fleischer. Die Bank sei 2015 eine deutliche Reduzierung der Risiken gelungen, das rechtfertige die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung. „Die Commerzbank leistet hiermit für die Aktienkultur und Rückgewinnung verlorenen Vertrauens in die Bankenlandschaft einen wichtigen Beitrag.“

Dennoch: Für seinen Nachfolger, der noch nicht feststeht, „bleibt eine Menge zu tun“, sagt Blessing. Die gesamte Branche stehe vor Herausforderungen durch negative Einlagenzinsen, die die Geldhäuser bei der Europäischen Zentralbank berappen müssen, durch die Digitalisierung des Geschäfts und durch mehr Regulierung. „Die Renditen der Banken werden noch niedriger werden.“
Das aber werde die neue Commerzbank-Spitze meistern. Dem Nachfolger wünsche er viel Erfolg und drücke ihm die Daumen“, sagt Blessing – und kann sich eine spitze Bemerkung nicht verkneifen: Was an Spekulationen über seine Nachfolge geschrieben wurde, seien die Leser „ganz wunderbar unterhalten“ worden, das gelte jedenfalls für ihn.

Welcher Bank Investoren am wenigsten trauen
Außer Konkurrenz: KBC
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Um mit einem Positivbeispiel anzufangen: Einst musste die belgische Bank KBC vor der Pleite gerettet werden. Mittlerweile hat sich das Institut gesund geschrumpft und die letzten Staatshilfen zurückgezahlt. Anleger honorieren das. Derzeit kostet es gut 60.000 Euro, um sich gegen den Ausfall von KBC-Anleihen im Umfang von zehn Millionen Euro abzusichern. Damit steht der Finanzkonzern besser da als viele seiner namhafte Konkurrenten. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, also der Börsenwert im Verhältnis zum Eigenkapital der Bank, liegt mit 1,23 sogar über der magischen Schwelle von 1,0. Mit solch guten Relationen können sonst nur einige skandinavische Häuser wie SEB oder Danske Bank aufwarten.

Rang 10: UBS
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UBS-Vorstandschef Sergio Ermotti hat gut lachen: Auch die Schweizer UBS steht in der Gunst der Investoren relativ weit oben. Der Preis für die Kreditausfallversicherung hat sich seit Jahresbeginn zwar verdoppelt - es kostet mittlerweile 106.000 Euro, wenn man ein 10 Millionen Euro schweres Paket aus vorrangigen UBS-Anleihen absichern will. Im europäischen Vergleich ist das aber recht gut. Ein KBV von 0,92 ist in diesen Zeiten ein großer Vertrauensbeweis. Für die Schweizer zahlt sich vermutlich der frühe Abschied aus dem Investmentbanking und das starke Standbein in der Vermögensverwaltung aus.

Rang 9: Société Générale
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Die französischen Großbanken mussten seit Jahresbeginn ebenfalls Federn lassen. Die Risikoprämien verdoppelten sich bei den meisten auf mittlerweile knapp 140.000 Euro für Banken wie etwa BNP Paribas oder Société Générale. Allerdings sind die Aktionäre ziemlich misstrauisch, was die Wertigkeit der Bilanzen anbelangt. Bei BNP entspricht der Börsenwert nur 50 Prozent des Eigenkapitals. Bei Société Générale sind es sogar nur gut 40 Prozent.

Rang 8: HSBC
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Ganz so schnell wie dieser Rugby-Spieler laufen die Risikoprämien britischer Banken wie HSBC oder Barclays zum Glück nicht davon. Die Institute aus dem Königreich liegen risikomäßig im Mittelfeld. Die Ausfallversicherungen kosten nun bereits 150.000 Euro pro Jahr. Auch das Kurs-Buchwertverhältnis lässt zu wünschen übrig: Bei HSBC sind es immerhin 0,67, bei Barclays, einem Institut, das unter Rechtsstreitigkeiten und einem schleppenden Investmentbanking-Geschäft leidet, ist diese Kennziffer mit 0,46 deutlich schlechter.

Rang 7: Commerzbank
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Martin Blessing ist in seinem letzten Amtsjahr als Commerzbank-Chef: Endlich gibt es für die Aktionäre wieder eine Dividende. Und im Risikoranking steht er besser da als die Deutsche Bank. Allzu viel sollte sich das Institut auf diese Platzierung aber nicht einbilden. Fünfjährige Pleite-Versicherungen kosten bei ihr immerhin 180.000 Euro, auch hier hat sich die Prämie damit seit Jahresbeginn verdoppelt. Wenig schmeichelhaft ist auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das gerade einmal bei knapp 0,3 liegt. Das bilanzielle Eigenkapital der Bank wird an der Börse als gerade einmal mit 30 Prozent seines Nominalwerts gehandelt. Das reicht für eine Platzierung knapp vor den ersten südeuropäischen Instituten.

Rang 6: Intesa Sanpaolo
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Das italienische Bankensystem und seine Probleme trägt derzeit insgesamt zum relativ schlechten Ruf europäischer Banken bei. Aber es gibt Unterschiede. Über Intesa lässt sich sagen, dass sie eindeutig zu den stabileren Instituten des Landes gehört. Die Bank verdiente zuletzt doppelt so viel wie Erzrivale Unicredit. Mit 1,9 Prozentpunkten oder 190.000 Euro für ein 10-Millionen-Euro-Anleiheportfolio sind die Risikoprämien bemerkenswert hoch, das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,75 ist aber beispielsweise mehr als doppelt so hoch wie das der Commerzbank oder der Deutschen Bank.

Rang 5: Santander
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Die spanischen Banken spüren die Krise schon etwas deutlicher. Die iberischen Risikoprämien liegen bei 200.000 Euro für die Marktführer BBVA und Santander. Allerdings war die Erwartungshaltung der Investoren schon zu Jahresbeginn nicht ganz so groß: Es lag bei etwa 130.000 Euro. BBVA hat mit einem KBV von 0,66 die Nase vor dem Rivalen Santander mit 0,51.

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