Commerzbank: Ein versöhnlicher Abschied

Commerzbank
Ein versöhnlicher Abschied

Unter der Führung von Martin Blessing mussten Commerzbank-Anleger einen langen Atem haben. Nun geht er und hinterlässt ein profitables Haus. Ironisch, denn in der restlichen Bankenbranche kriselt es. Ein Kommentar.
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Der lange Atem der Commerzbank und ihres Vorstandschefs Martin Blessing hat sich ausgezahlt: Sieben Jahre nach der Notrettung der Bank durch den Staat steht die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank wieder gut da. Sie ist ordentlich kapitalisiert, hat einen Milliardengewinn erzielt und zahlt erstmals seit Ausbruch ihrer tiefen Krise wieder eine Dividende. Einen geschickteren Zeitpunkt für seinen Abschied als diesen Herbst hätte sich Martin Blessing kaum aussuchen können. Zur Ironie der Geschichte gehört, dass die Commerzbank ausgerechnet zu dem Zeitpunkt wieder in die Spur kommt, zu dem die Tiefe der Krise bei der Deutschen Bank erst in vollem Ausmaß zutage tritt.

Martin Blessing kann sich also zurechnen lassen, die Commerzbank wieder stabilisiert zu haben. Das wäre nun ein guter Zeitpunkt, um sich an einer anderen Stelle endlich ehrlich zu machen: Die Renditeziele, die sich die Bank vor vier Jahren einmal gesetzt hat, eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von über zehn Prozent, sind mittlerweile illusorisch. Im vergangenen Jahr erreichte die Bank gerate einmal 8,1 Prozent in ihren Kerngeschäftsfeldern. Wie soll sich das noch wesentlich steigern lassen, vor allem wenn eines Tages ein Wirtschaftsabschwung die Zahl der faulen Kredite wieder steigen lässt.

Selbst wenn das Institut sich ein ehrgeiziges Sparprogramm verpassen würde, ist eine zweistellige Rendite kaum solide erzielbar. Wie schwierig es ist, sich noch wesentlich zu steigern, zeigt schon ein Blick auf die aktuellen Jahreszahlen: Von den vier wichtigen Geschäftsbereichen der Bank hat nur eine Sparte, das Privatkundengeschäft, ihre Erträge steigern können. Die Mittelstands-, Osteuropa- und Investmentbanking-Sparte verdienten dagegen weniger. Das liegt nicht zuletzt an den niedrigen Zinsen und Regulierungskosten.
Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot empfahl den Banken vor kurzem, den Investoren einmal klar zu sagen, dass sie in einer regulierten Branche nicht mit zweistelligen Renditen rechnen sollten. So eine klare Ansage wäre auf jeden Fall ehrlicher, als neue Kennziffern einzuführen, wie den „ROTE“, den Return on Tangible Equity, der in den Präsentationen der Commerzbank nun auffällig oft verwendet wird. Diese Rendite-Zahl berücksichtigt nur das Eigenkapital, das von der Bankenaufsicht auch voll anerkannt ist. Aus Investorensicht ist so eine „angepasste“ Kennziffer allerdings nicht mehr als eine Nebelkerze. Den Investoren gehört schließlich das gesamte Eigenkapital, das eine Bank bilanziert. Und solange dieses Kapital in der Bank steckt, wollen sie auch wissen, wie sich dieses Eigenkapital verzinst, ohne Wenn und Aber.

Aktionäre wird so eine Botschaft nicht freuen, das gilt insbesondere für Altaktionäre, die nicht nur den beispiellosen Kursabsturz während der Finanzkrise erlebt haben, sondern auch die Rekordzahl an Kapitalerhöhungen. Aber vielleicht ist das einfach der falsche Blickwinkel. In Zeiten, in denen Vorschriften für Banken immer strenger werden und die Notenbankzinsen wohl noch auf Jahre abgeschafft bleiben, ist es schon ein Erfolg, wenn eine Bank einfach nur stabil ist.

Kommentare zu " Commerzbank: Ein versöhnlicher Abschied"

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  • Da kannst Du doch mit Deiner Muse Nachlauf spielen

  • @ Meine liebe Frau Boucher: Leider bzw. zum Glück falsch.

    Aber wer im Investmentbanking richtig Geld machen will, vor allem auch ohne sich von irgendwelchen Beamtenheinis in irgendwelchen komischen Behörden gehaltsmäßig reglementieren oder innerhalb des eigenen Hauses ins Geschäft reinquatschen zu lassen, der muss sich sowieso auf eigenen Füßen stellen und mit eigenem Kapital auf eigene Rechnung arbeiten. Entweder mit eigenem Handelsbuch (oder noch besser seinen eigenen Hedgefonds aufmachen). Gemeint ist nicht nur ein 7-stelliges Jahreseinkommen (kapitalbasierte Handelserträge), sondern eine 7-stellige Steuerlast im Jahr an den Fiskus.

    Ps: Für Sie und Ihre Zukunft aber auch alles Gute.



  • Ihrem unseriösen, hasserfüllten "Beitrag" nach zu urteilen, muss Sie der Rauswurf aus der CoBa seinerzeit sehr getroffen haben. Anders ist dieses Gezeter nicht nachvollziehbar. Trotzdem, Ihnen für die Zukunft alles Gute!

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